Offene Jugendarbeit ist nicht die Feuerwehr – Intensive Diskussionen bei Fachtagung zur Rechtsextremismusprävention

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(v. l.) Barbara Muche, Daniel Kolb, Stefan Woßmann, Julian Becker und Anna Spaenhoff (Foto: Stadt Dortmund)

Rahmenbedingungen zu schaffen, die es rechtsextremen Strukturen erschweren, durchzudringen: Das ist gemeinsames Ziel der offenen Kinder- und Jugendarbeit in Dortmund. Bei der Fachtagung „Läuft bei dir?!“ im Dietrich-Keuning-Haus wurde Mitte Mai  intensiv über die einzelnen Aspekte von Rechtsextremismusprävention diskutiert.

Auf Einladung des Bereichs Kinder- und Jugendförderung der Stadt Dortmund, in Kooperation mit der Koordinierungsstelle für Vielfalt, Toleranz und Demokratie sowie der externen Projektbegleitung des Bundesprogramms „Demokratie leben! Partnerschaften für Demokratie“, kamen rund 100 interessierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der sozialpädagogischen Kinder- und Jugendarbeit zusammen.

„Es geht um unsere und Ihre Arbeit!“, eröffnete Daniela Schneckenburger, Dezernentin des Kinder- und Jugendbereichs der Stadt Dortmund, den Diskurs. Auch wenn die Stadt „mit Sicherheit nicht auf der Kippe“ stünde, sei die Großwetterlage nicht gerade günstig.

Alexander Völkel, seit fünf Jahren Redakteur der Nordstadtblogger, verdeutlichte in einem Vortrag die aktuelle, lokale Lage. Seine Beispiele zeigten klar: Die Auseinandersetzung hat an Schärfe zugenommen; der Kampf um die Demokratie ist kein einfacher. „Aber wenn es leicht wäre, müssten wir heute nicht hier sein!“, betont Schneckenburger. Es sei Aufgabe der Erwachsenen, der Eltern, Lehrer und Lehrerinnen sowie Pädagoginnen und Pädagogen, Jugendliche zu stärken, ihre Empathie auszubilden, Konflikt- und Medienkompetenz zu fördern. Den Sozialpädagogen und Sozialpädagoginnen wünschte sie Mut, Begeisterung und Engagement für den Dialog miteinander – und natürlich ebenso für ihre tägliche Arbeit.

„Jugendlichen Rechtsextremismus gab es schon in den 70er Jahren“, weiß Dr. Nils Schuhmacher von der Universität Hamburg, der ebenfalls als Referent geladen war. „Nur noch nicht den Begriff der Rechtsextremismus-Prävention.“ Viel passiert deshalb schon in den Dortmunder Einrichtungen.

Und dennoch: Die rechtsextreme Szene, auch gerade in Dortmund, verändert sich und nutzt heute viele Aktionen und Angebote, die speziell für Jugendliche interessant sein können. Seien es Aufkleber, Musik, Demonstrationen, Sport, Auftreten im Internet oder auch einfach ihre Ansprache. Neue Medien wissen rechte Gruppierungen geschickt für ihre Ziele einzusetzen. Gerade dieser Themenbereich zog viele Teilnehmer zur weiteren Diskussion an.

Aber auch andere Fragen wurden in Form von Workshops vertieft: Was verstehen wir unter Rechtspopulismus? Welche Musik hören Rechtsextreme eigentlich? Wie stehen Sport und Rechtsextremismus in Verbindung? Wie bewahrt man ein Kind vor dem Einstieg in die rechte Szene – oder wie holt man es wieder heraus? Und was hat die Geschlechterfrage mit all dem zu tun?

Was sollen wir sonst noch alles machen?
Neben der Herangehensweise beschäftigte die Akteure der sozialpädagogischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen vor allem die Erwartungshaltung an ihren Job. Gesellschaftlich betrachte man die Jugendarbeit oft als Reparaturbetrieb, der einspringe, wenn es irgendwo brennt, so Dr. Nils Schuhmacher. „Aber offene Jugendarbeit ist keine Feuerwehrarbeit!“ In der Prävention, die er lieber „demokratische Jugendarbeit“ nennt, um sie klarer von der Kriminalarbeit zu trennen, müsse es weniger um die Abwehr als vielmehr um die Entwicklung und Gestaltung gehen.

Ein Fundamt mit ausreichend Freiräumen zu schaffen und Beziehungen aufzubauen, statt einen Wettbewerb untereinander auszutragen, das sei der Kern. „Und mit den Jugendlichen mithalten, seien wir mal ehrlich: Das können wir ohnehin nicht!“, nahm der Fachmann zum Ende ein wenig den Druck von den Altersgenossen.

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