Neue Frauenübernachtungsstelle jetzt in der Nortkirchenstraße

0
178
Gemeinsam eröffneten Ilda Kolenda als Leiterin der Frauenübernachtungsstelle (2. v. r.), die Geschäftsführung des Diakonischen Werks Dortmund und Lünen Niels Back (l.) und Uta Schütte-Haermeyer (r.) sowie Sozialdezernentin Birgit Zoerner (2. v. l.) die neue Frauenübernachtungsstelle. (Fotos: IN-StadtMagazine)

Wer in Dortmund psychisch erkrankt oder drogenabhängig ist, hat es schwer, eine Wohnung zu finden. Denn um auf dem leergefegten Wohnungsmarkt etwas zu erreichen, braucht man viel Kraft. Frauen, die diese Kraft aus welchen Gründen auch immer nicht aufbringen können, können vorübergehend in der Frauenübernachtungsstelle unterkommen.

Doch seit Jahren waren die Räume im Kaiserstraßenviertel, die auf maximal 27 Frauen ausgelegt waren, überbelegt. Dem tragen Diakonie und Stadt nun Rechnung. Am 27. Januar wurde im Rahmen eines Tages der offenen Tür die neue Frauenübernachtungsstelle an der Nortkirchenstraße eröffnet.

Offiziell werden die neuen Räumlichkeiten am 1. Februar in Betrieb genommen, am 3. Februar dann werden die ersten Frauen einziehen. Für 50 Frauen sowie mehrere Kinder bietet die Übernachtungsstelle Platz. Darüber hinaus wurden vier Notplätze eingerichtet, denn die Diakonie ist ein christlicher Träger. So versicherte Geschäftsführer Niels Back: „Wir weisen niemanden ab, der sich an uns wendet.“

Vorrangig werden die Übernachtenden in Doppelzimmern untergebracht, deren Aufteilung jedoch durch Vorhänge oder ähnliche Unterteilungen Privatsphäre sicherstellt. Jedes Doppelzimmer verfügt über ein Badezimmer mit Dusche, Toilette und Waschbecken, eines von ihnen ist rollstuhlgerecht ausgebaut.

Jede der drei Etagen verfügt über einen Aufenthaltsraum mit Polstermöbeln und Fernseher sowie über eine kleine Küche. Dort sind auch Waschmaschinen und Wäschetrockner untergebracht. Auf der dritten Etage befindet sich außerdem ein Spielzimmer. Diese Etage ist vorrangig Frauen mit Kindern vorbehalten, „sodass die Kinder auch zur Ruhe kommen können und nicht so viel Verkehr mitbekommen“, so Ilda Kolenda, Leiterin der Frauenübernachtungsstelle.

Blick in einen der drei Aufenthaltsräume.

Offen sprach sie über das Konzept der Frauenübernachtungsstelle und betonte ihre Freude darüber, dass auch Menschen aus der Nachbarschaft zum Tag der offenen Tür gekommen waren: „Ich bin gerne in Hörde. Sie sind sehr verbunden miteinander. Sie interessieren sich.“

Bereits im Dezember hatten sie und ihre KollegInnen die AnwohnerInnen zu einem Informationsabend eingeladen, im Rahmen dessen sie über die Frauenübernachtungsstelle sprach und die Gäste die Gelegenheit bekamen, Fragen zu stellen. Diese zeigten sich grundsätzlich sehr aufgeschlossen. Eher interessiert als besorgt fragte eine Besucherin: „Was machen die Leute den ganzen Tag?“ Darauf hatte Kolenda eine ebenso einfache wie schlüssige Antwort: „Eigentlich müssen die viel, viel laufen, um ihre Existenz wieder sicherzustellen.“ Doch nicht jeden Behördengang müssten die Frauen zu Fuß bewältigen, zumal viele „unabhängig vom Alter“ auf einen Rollator angewiesen seien. Zwar ist auch das Sozialamt im Januar nach Hörde gezogen, aber alles Weitere wird vorrangig über ÖPNV-Tickets gelöst, die die Frauenübernachtungsstelle mit Spendengeldern finanziert.

Etwas besorgter zeigte sich ein Besucher aus dem Kleingartenverein Am Grünen Entenpoth. Ohnehin gebe es bereits Probleme mit Drogenhandel und im Verein bestehe die Sorge um die eigenen Kinder. Dennoch räumte er ein, dass die Kleingartenanlage öffentlich sei und die Frauen sich ohne Frage „da aufhalten und bewegen“ dürften. Umgekehrt berichtete Kolenda, dass sie sich bei den Besichtigungen sehr über die Grünanlage gefreut habe, die „ein super Ort zum einfach mal ein Bierchen trinken“ sei. Sie wolle auf jeden Fall die Augen offenhalten und mit dem Kleingartenverein „unbedingt in engem Kontakt bleiben“, um ein friedliches Zusammenleben sicherzustellen.

Doch die suchtkranken Frauen sind laut Kolenda diejenigen, die die Regeln der Frauenübernachtungsstelle und somit auch die Sanktionen am besten kennen – und deshalb auch einhalten. Bis 23 Uhr müssen sie vor Ort sein, vorausgesetzt, sie sind bereits in der Frauenübernachtungsstelle untergebracht. Frauen in akuten Notsituationen werden in vielen Fällen von der Polizei gebracht und unabhängig von Tag und Uhrzeit aufgenommen. Dabei handelt es sich vielfach um Frauen, die über die Mitternachtsmission vermittelt werden. Als Opfer von Menschenhandel kommen sie nach Deutschland, häufig mit bis zu vier Kindern.

Letztere nimmt die Frauenübernachtungsstelle ebenfalls auf, wenn es sich um Jungen bis elf Jahre oder Mädchen handelt. Ältere Jungen sind für die anderen Frauen in den gemeinsamen Schlafräumen nicht zumutbar. Auf die Kinder legen die Mitarbeitenden einen besonderen Fokus und unterstützen beispielsweise bei der Suche nach Kitaplätzen. Sich darüber hinaus mit ihren Kindern zu befassen, geschweige denn mit ihnen auf den Spielplatz zu gehen, können viele der Frauen nicht leisten. „Die Mütter sind einfach gefangen in ihren Gedanken“, sagt Kolenda. In diesen Fällen wendet die Frauenübernachtungsstelle auch Spendengelder für Spielzeug auf.

Ziel ist es, dass die Frauen maximal für zwei Wochen in der Übernachtungsstelle unterkommen. Doch in Anbetracht der gegenwärtigen Lage auf dem Wohnungsmarkt bleiben einige von ihnen bis zu drei Jahre. Ein Besichtigungstermin ist aus einer Wohnungslosigkeit heraus fast nicht zu bekommen. Einige Frauen ziehen in ihrer Not bei neuen, meist männlichen Bekanntschaften ein, ohne dass ihr Name im Mietvertrag auftaucht. Dadurch machen sie sich abhängig und in einigen Fällen führt dies dazu, dass „sexuelle Dienstleistung die Gegenleistung ist dafür, dass man bei einem Mann übernachten kann“, wie Back beschreibt.

In ihrer Verzweiflung kehren viele Frauen in die Übernachtungsstelle zurück – nun in die Nortkirchenstraße. „Vielleicht kommt man ein bisschen mehr zu Ruhe“, fernab der Innenstadt, hofft Kolenda.

guest
0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments