Mehr grüne Dächer in Dortmund – in einigen Stadtbezirken bald Pflicht

0
22
In den Stadtbezirken Innenstadt-West, Innenstadt-Ost und Innenstadt-Nord gelten neue Vorgaben für Neu- und Umbauten. (Symbolfoto: Johannes Gerstenberg/pixelio.de)

Die besonders von Aufheizung an Hitzetagen betroffenen Stadtbezirke Innenstadt-West, Innenstadt-Ost und Innenstadt-Nord markieren den Anfang. Für sie hat das Bauordnungs- und Stadtplanungsamt nun neue Vorgaben für Neu- und Umbauten erarbeitet. Dachbegrünung wird damit verpflichtend.

Klimaanalyse des RVR ist Grundlage
Ausgangspunkt war der Dortmunder Ratsbeschluss vom 16.11.2017, der die Verwaltung beauftragt hat, für die bestehenden Gebiete der sogenannten Wärmeinseln im Stadtgebiet Dortmund die bereits existierenden Bebauungspläne mit Gründachfestsetzungen zu ergänzen und für die unbeplanten Bereiche einfache Bebauungspläne aufzustellen. Dieser Beschluss basiert auf dem Strategiepapier „Dachbegrünung im Revier“, das im Rahmen der Initiative „Wasser in der Stadt von morgen“ der Emschergenossenschaft erarbeitet und mit allen Kommunen der Emschergenossenschaft abgestimmt wurde.

Dieser Beschluss wird nun mit den Aufstellungs-, Änderungs- und Offenlegungsbeschlüssen zur Dachbegrünung in Dortmund umgesetzt. Die Stadt Dortmund hat auf der Grundlage einer aktuellen Klimaanalyse des Regionalverbandes Ruhrgebiet aus dem Jahre 2018 die Bereiche der „Wärmeinseln“ für die Stadtbezirke Innenstadt-Ost, Innenstadt-West und Innenstadt-Nord definiert.

Sedum-Arten und Wildkräuter
Flachdächer sowie Pultdächer mit einer Dachneigung von bis zu 15 Grad sind mindestens extensiv zu begrünen und zwar vollflächig. Die Begrünung ist dauerhaft zu erhalten und fachgerecht zu pflegen. Bei einer extensiven Begrünung sind Sedum-Arten (Sedum –
Sprossensaat) zu verwenden. Dabei müssen 20 Prozent der Fläche mit heimischen Wildkräutern als Topfballen bepflanzt werden. Die jeweils neusten Qualitätskriterien der FLL -Dachbegrünungsrichtlinie (Forschungsgesellschaft Landesentwicklung Landschaftsbau e.V., „Richtlinie für die Planung, Ausführung und Pflege von Dachbegrünungen“) sind bei der Realisierung der festgesetzten Dachbegrünung einzuhalten.

Mit der Änderung der Bebauungspläne sollen in den vorhandenen und gutachterlich festgestellten „Wärmeinseln“ die bereits existierenden Bebauungspläne mit einer Gründachfestsetzung ergänzt bzw. geändert werden. Für die unbeplanten Innenbereiche der Innenstadtbezirke der Stadt Dortmund werden zugleich einfache Bebauungspläne mit dem Ziel aufgestellt, in den „Wärmeinseln“ Klimaanpassungsmaßnahmen in Form von Dachbegrünungen bauplanungsrechtlich festzusetzen. Damit für alle Pläne in den drei Bezirken dieselben Festsetzungen gelten, werden auch die Pläne geändert, die bereits Festsetzungen zur Dachbegrünung enthalten.

Weitere Stadtbezirke sollen folgen
Nach Abschluss und Evaluierung dieser Aufstellungs- und Änderungsverfahren für die Innenstadtbezirke ist beabsichtigt, die entsprechenden Bebauungsplanverfahren für die Außenstadtbezirke einzuleiten. In diesem Zusammenhang wird geprüft, ob auch in einem
weiteren Schritt die in Wärmeinseln liegenden Gewerbegebiete einbezogen werden sollen.

Neben der wasserwirtschaftlichen und ökologischen Wohlfahrtswirkung ist die Dachbegrünung eine Maßnahme zur Klimaanpassung. Der vergangene Jahrhundertsommer 2018 hat gezeigt, dass der Klimawandel grundsätzlich die Unversehrtheit des Lebens
berührt. Der Wandel zeichnet sich zunehmend durch Extremwettersituationen aus, die geprägt sind durch ein deutliches Ansteigen der Anzahl sogenannter „heißer Tage“ mit Temperaturen von deutlich über 30 Grad Celsius und nachts von über 20 Grad Celsius (sog. tropische Nächte).

Warum die Stadthitze schädlich sein kann
Bebaute Flächen halten und speichern die solare Einstrahlung deutlich – im Gegensatz zu unbebautem Boden und Vegetation. Nachts ist es innerhalb dicht bebauter Gebiete daher häufig wärmer als im weniger dicht besiedelten Umland. Durch die zunehmende Versiegelung und den Verkehr wird das Stadtklima zusätzlich stärker aufgeheizt. Es entstehen innerstädtische Wärmeinseln, deren Temperaturunterschied gegenüber den Stadtrandgebieten im Sommer bis zu 10 Grad Celsius betragen können. Insbesondere ältere Menschen zeigen eine schlechte Anpassung an extreme Hitze mit gesundheitlichen Folgen wie Erschöpfung, die bis hin zu Hitzschlag und Herzversagen reichen.

Eine Maßnahme zur Abmilderung der extremen Hitzesituation innerhalb und außerhalb von Gebäuden ist die Dachbegrünung, die jetzt für neu zu errichtende Gebäude und für
genehmigungspflichtige Umbauten mit einem Flachdach oder flachgeneigten Dach bis 15 Grad Dachneigung verpflichtend werden soll. Die Festsetzungen gelten für alle Gebäude im
bauordnungsrechtlichen Sinne einschließlich Garagen und Tiefgaragen im Geltungsbereich. Festsetzungen der Dachform werden dadurch nicht aufgehoben.

Hinterlasse einen Kommentar

avatar
500