Über hundert Kinder kamen Mitte November in der Johann-Gutenberg-Realschule zusammen, um sich einen ganzen Tag lang mit der Problematik „Lernräume = Lärmräume?! Was tun gegen Lärmverschmutzung im Klassenraum und in der Umwelt?“ auseinanderzusetzen.

Vorbereitet hatte die Schülerakadamie das Team aus 14 Siebtklässlern, die sich seit Juni 2018 als Future Rescue Team zusammengetan haben, um sich aktiv für Klimaschutz und eine nachhaltige Entwicklung einzusetzen. Die Gruppen von bis zu 12 Gleichaltrigen der Droste-Hülshoff-RS, Ricarda-Huch-RS, Robert-Koch-RS, Albrecht-Dürer-RS, Getrud-Bäumer-RS und Wilhelm-Röntgen-RS verteilten sich auf sechs Workshop-Angebote, in denen Experten viel Wissen über das Gehör, über Schall und Lärm vermittelten.

Neben der Theorie wurden Schallmessungen in der Schule und Umgebung durchgeführt, das eigene Hörverhalten untersucht, aus Geräuschen eine Geschichte gemacht und mit Möglichkeiten der Schalldämmung im Klassenraum experimentiert. Einen besonderen Einblick konnten die Kinder in die Welt ohne Geräusche nehmen und entweder erste Vokabeln in Gebärdensprache lernen oder sich in tänzerischer Ausdrucksformen, einem Sprechen ohne Worte, üben.

Die freiwillige Textil-AG hatte extra Anhänger aus Omas alter Gardine (Upcycling) genäht, an denen nun Teilnehmerkarten gehängt wurden. Die meisten Kinder mussten sich noch in die Workshop-Listen eintragen, bevor Zukunftsretter Lukas die Kids im Namen des Future Rescue Teams begrüßte und das Programm des Tages vorstellte.

Den Anfang des Thementages machte Diplom-Ingenieur Uwe Ritterstaedt vom Arbeitskreis Lärm in der DEGA aus Neuss. In seinem Vortrag fielen bereits wichtige Schlagwörter wie Dezibel (A), Hörschwelle oder Schmerzschwelle, die später in den Workshops immer wieder eine Rolle spielen sollten. Er zeigte bereits, was Lärmverschmutzung im Klassenraum bedeutet und wie es das Lernen verhindert. Für die gehörlosen Gäste übersetzen zwei Dolmetscherinnen die Veranstaltungen im Plenum auf beeindruckende Weise in Gebärdensprache. Auch dabei konnten die Zuschauer schon einiges lernen.

Anschließend ging es für 90 Minuten in die sechs Workshops.

Zu Lärm-Detektiven wurden die Kinder im Umweltbus Lumbricus unter Leitung von Stefanie Horn und ihrem Team von der Natur- und Umweltakademie NRW. Es wurden Akustik-Experimente durchgeführt und Lärmquellen in der Umgebung untersucht. „Zeichen der Verständigung“ erlernten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Angebot von drei Lehrkräften der Rheinisch Westfälischen Realschule für Kinder mit Hörbeeinträchtigung Dortmund unter Leitung von Ulrike Laufenberg. Die Gebärdensprache konnten sie dann gleich in der Kommunikation mit dem Gehörlosen Tänzer Dodzi Dougban aus Recklinghausen anwenden. Dieser bot eine Einführung in Körpersprache und den Ausdruck im Tanz an. Er berichtete davon, wie er die Welt „hört“ und wie er zum Tanzen gekommen ist.

Der Frage, was gutes Hören für die Lebensqualität bedeutet und was wir für den Erhalt der Hörfähigkeit tun können, gingen die Kinder mit Unterstützung des Hörgeräteakustikmeisters und Ausbilders der Firma Sonova Simon Daudel aus Dortmund nach.

Was lässt sich machen, wenn man in der Klasse sein eigenes Wort nicht mehr versteht? Gemeinsam mit der Diplom-Ingenieurin und Architektin Kathrin Kiupel aus Dortmund schauten sich die Kinder verschiedene Klassenräume an und suchten mit Schallpegelmessgeräten ausgestattet leise Töne.

Geräusche aller Art fingen die Gruppen mit der Kunstlehrerin Claudia Werner ein. Die Soundhunter entwickelten nach erfolgreicher Jagd eine kleine Story an Laptops mit Soundbearbeitungssoftware. Bei den Ergebnissen gab es viel zu lachen.

Noch vor dem Mittagessen gab ein einen weiteren Input. Der aus Hamburg angereiste ehemalige DJ und Buchautor von „Ganz Ohr“ erzählte nicht nur seine Geschichte vom Hörverlust, sondern reiste mit den Kindern zurück zu den Anfängen des Hörens. Wie hat sich das Gehör entwickelt und wieso war das Hören für die Entwicklung des menschlichen Gehirns von so großer Bedeutung? Seine kindgerechte Erklärweise und die vielen unbekannten Tiere in seiner Präsentation ließen die knurrenden Magen noch eine halbe Stunde verstummen.

Zur 2. Workshop-Phase wechselten die Kinder die Gruppen. Kandidatinnen und Kandidaten der Realschulen konnten ihr Wissen am Ende beim Ohrenspitzer-Quiz unter Beweis stellen. Und die, die wollten und nicht schnell zum Bus laufen mussten, stellten sich nach sieben Stunden intensivem Lernen über Lärm noch mit zum Gruppenfoto.

Die ersten Rückmeldungen, die das Future Rescue Team einfangen konnte, waren durchgängig sehr positiv. Die Schülerakademie war Schule einfach mal was ganz anderes. Es war ein intensives Gemeinschaftserlebnis, inhaltlich abwechslungs- und erkenntnisreich. Das Lernen mit Kindern anderer Schulen war für die Meisten, die im Mai noch nicht beim Thema „Zucker“ dabei waren, eine ganz neue Erfahrung.

Nach der Abreise der Gäste war das Future Rescue Team noch beim Aufräumen gefordert. In der Workshop-Phase konnten die Kinder allerdings selbst in die Rolle von Teilnehmer schlüpfen und lernen, während im Hintergrund von fleißigen Müttern und einigen 9-Klässlern des Sowi-Kurses in der Küche für das leibliche Wohl gesorgt wurde.

Insgesamt darf das Future Rescue Team rund um die schulinternen Kampagnenkoordinatoren „Schule der Zukunft“ Claudia Werner und Michael Schubert stolz sein auf das Stemmen einer solchen Großveranstaltung. Die vielen kompetenten Fachleute, die für den Tag gewonnen werden konnten, haben das ihrige dafür getan, Lärm in der Schule neu zu bewerten, auf Lärmbelastung und die eigenen Ohren mehr zu achten und öfter eine Lärmpause einzulegen.

Die Veranstaltung wurde unter anderem gefördert als Präventionsprojekt von der GKV NRW und im Rahmen des Fonds zur Förderung innovativer Schulentwicklung durch die Stadt Dortmund.

Text: Michael Schubert

 

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