„Wenn der Hammer fällt“ – Die Band Dieselknecht und was sie mit Hörde zu tun hat

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Olav Baker (l.) und Marcel Holthaus (r.); (Foto: IN-StadtMagazine)

Nur so halb unterschwellig ist die Kritik, die durch „Hörde“ schwingt. „Ich vermisse nachts die Fackel, wie sie leuchtet hell und klar und es stehen weiße Villen, wo das Werk mal war“, heißt es in dem Lied der Ruhrgebietsband Dieselknecht, das laut Bandmitglied Marcel Holthaus „komplett biographisch“ ist.

Doch auch, wenn er sich tatsächlich im Rahmen der Produktion des Albums „Meteor“ von 2018 hinsetzte und entschied: „Ich schreib’ jetzt einen Song für Olav“, konzentriert sich das Ergebnis keineswegs nur auf die Erinnerungen seines Bandkollegen. Auch „war es nie so: Ich schreibe jetzt ein Lied, wo die Opas vorkommen“, obwohl auch sie in dem Song explizit auftreten. Vielmehr wurde es ein Konglomerat aus den Biographien unterschiedlichster Männer, das sich hier unter Holthaus’ Fingern entwickelte. Nach und nach hörte er sogar seine eigene Geschichte durch die Zeilen klingen: „Mein Vater war auch Bergmann, mein Opa war Bergmann“, wenn auch nicht in Hörde, sondern im Umland von Osnabrück.

Erinnerungen an Hörde
Olav Baker hingegen betritt Hörde tatsächlich mit Kindheits-, vor allem aber Jugenderinnerungen. Zunächst war es das Lager der Arbeitslosenselbsthilfe, das „uns dann pro Nase 2 Mark gekostet hat“ – für die Bandproben, versteht sich. Später zog man dann in eine „Schrauberwerkstatt“ in Hörde, in der Baker mit seiner Punkband den Probenraum einrichtete. Im Nachhinein schmunzelt er etwas über seine Musik von damals: „Wir haben da wirklich einfach nur Krach gemacht.“ Heute bewegt sich Dieselknecht – offiziell im Jahr 2007 gegründet – zwischen Folk, Bluegrass und Country, wobei auch einige Rockabiliy- und Punkelemente nicht zu verleugnen sind. „Krautibility“ nennen Dieselknecht selbst die Musik, die sie machen.

„Der ewige Knecht“
Im vergangenen Jahr nun haben sich Dieselknecht mit dem Regisseur Jakob Reuter zusammengetan und einen Musical-Kurzfilm mit dem Titel „Zum ewigen Knecht. Das Kneipenmusical“ produziert. Wie in „Hörde“ werden hier ebenfalls ihre Auseinandersetzung mit der Welt der physischen Arbeit und auch ihre kritischen Ansätze mehr als deutlich. Es ist ein Mann, ausgestattet mit einem Bauarbeitshelm, der im Rhythmus der schwerfälligen Hammerschläge singt: „Wenn der Hammer fällt in der Arbeitswelt, wird das Geld gezählt. Wenn der Hammer fällt, wartet Post auf dich. Sie entschuldigen sich. Und dann kommt der Stich: Firma braucht dich nicht.“ Die Anspielung auf den Strukturwandel, der vor allem bei Hoesch auch in Hörde stattfand, erscheint hier alles andere als blass.

Diesen Filmausschnitt posteten Dieselknecht im August im Vorfeld des Filmvorführung im PSD Bank Kino auf Phoenix West auf Facebook. Mit der Veranstaltung kehrten sie nach Hörde zurück, auf den Boden der Hörder Arbeitergeschichte, und brachten die Erinnerungen an ihre Großväter gleich mit an den symbolischen und tatsächlichen Ort ihrer Kindheit.

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