Nach Partituren-Fund in Omas Schrank: Musikschule führt unveröffentlichtes Werk von August Haselhoff auf

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(v.l.): Ursula Moffe, Musikschuldirektor Volker Gerland, Fabian Tavernise am Flügel, DOJO-Dirigent Achim Fiedler, Bürgermeister Manfred Sauer und Heimatforscher Willi Garth.(Foto: Katrin Pinetzki)

Bei Renovierungsarbeiten im Hause seiner Großmutter Ursula Moffe machte der Dortmunder Julian Witt im vergangenen Jahr einen überraschenden Fund: In einem Schrank entdeckte er handschriftliche Partituren sowie Operntexte. Wie sich herausstellte, handelt es sich um Werke des Dortmunder Heimatkomponisten und Dirigenten August Haselhoff (1862–1945), an den in Berghofen die Haselhoffstraße sowie eine Gedenktafel an seinem letzten Wohnhaus erinnern.

Durch Vermittlung von Bürgermeister Manfred Sauer und über den Hörder Heimatforscher Willi Garth gelangten die Fundstücke an die Musikschule Dortmund. Dort wird nun auch musikalisch an August Haselhoff erinnert: Das Ausnahme-Talent Fabian Tavernise (16), Musikschul-Schüler und Jungstudent im Fach „Dirigieren“, wird ein Intermezzo (Zwischenspiel) aus Haselhoffs bislang nie aufgeführter Oper „Das Erntefest“ mit dem Dortmunder Jugendorchester DOJO einstudieren.

 

August Haselhoff
August Haselhoff wurde 1862 auf dem Gut Berghofen im heutigen Dortmund-Berghofen geboren. Er besuchte das Fürstliche Konservatorium in Sondershausen in Thüringen und wurde dort zum Pianisten und Komponisten ausbildet. Zurück in Dortmund arbeitete er zunächst als Musiklehrer und Organist der Dortmunder Synagoge, später als Musik- und Gesangslehrer am städtischen Konservatorium in Hagen. Nach sechs Jahren gab er den sicheren Posten auf, um seiner Leidenschaft als Dirigent und Chorleiter nachgehen zu können.

Haselhoff wurde Leiter etlicher Chöre. Im Jahre 1912 gewann er zusammen mit dem „Ruhrtaler MGV“ aus Schwerte den „Kaiserpreis“, damals die höchste Auszeichnung für einen Gesangverein. Nach dem Ersten Weltkrieg verdiente er sein Geld als Pianist mit Unterhaltungsmusik. Der Versuch, einen Musikverlag zu betreiben, scheiterte. Seine Notenblätter mit Haus- und Chormusik fanden jedoch ihre Abnehmer, und mit seinen Chören erlebte er seine größten Erfolge. Gegen Ende seines Lebens war August Haselhoff in 21 Vereinen Ehrenmitglied oder -dirigent. An der Berghofer Straße 245 erinnert seit 1952 eine Gedenktafel an ihn.

Zu den Werken, die Haselhoff hinterließ, gehören eine Symphonie in d-Moll, die vom Dortmunder Philharmonischen Orchester aufgeführt wurde. Keine Aufführung erlebte dagegen seine um die westfälische Heimat kreisende Oper „Das Erntefest“, für die der Dortmunder Kapellmeister Heinrich Schäfer das Libretto schrieb und in der Haselhoff den Chorszenen breiten Raum gewidmet hatte. Ein Zwischenspiel aus dieser Oper soll nun vom Dortmunder Jugendsinfonieorchester DOJO unter Leitung des 16-jährigen Fabian Tavernise aufgeführt werden.

Fabian Tavernise
Fabian Angelo Tavernise begann seine musikalische Aktivität als solistischer Knabensopran in der Chorakademie Dortmund. Er lernte zusätzlich Klavier, Cembalo, Orgel, Cello und Tuba und interessierte sich bereits früh für Harmonielehre, Komposition und Dirigieren. Beim Wettbewerb „Jugend musiziert“ erspielte er als Pianist und Cembalist in der Solo- und Kammermusikwertung mehrere Preise. Er ist er mit dem DOJO als Klaviersolist, aber auch als Dirigent aufgetreten und hat bereits mehrere Stücke komponiert, die bei „Jugend musiziert“ aufgeführt und bei „Jugend komponiert“ ausgezeichnet wurden.

Fabian Tavernises Berufsziel ist Dirigent. Als Ausnahmetalent wurde er als Jungstudierender im Fach Dirigieren an der Musikhochschule in Hannover aufgenommen. Die Einstudierung und Aufführung des „Intermezzo“ von August Haselhoff ist für ihn ein besonderes dirigentisches Projekt: Es handelt es sich um eine handgeschriebene Partitur mit Korrekturen, für die es kein Hörbeispiel gibt – eine Herausforderung und ein Glücksfall für die Dirigierdidaktik.

Das Dortmunder Jugendsinfonieorchester DOJO
Das Dortmunder Jugendsinfonieorchester ist das Jugendsinfonieorchester der Musikschule Dortmund, in dem rund 70 Musiker*innen im Alter von 13 bis 20 Jahren spielen. Jedes Jahr veranstaltet es drei Schulkonzerte im Orchesterzentrum NRW. Seit 2016 besteht eine Partnerschaft mit zwei finnischen Jugendorchestern aus Helsinki und Espoo. Im Jahr 2018 gab es eine gemeinsame Konzertreise in die Toskana zum Festival Orchestre Giovanili und zum Musica Riva Festival. Geleitet wird das DOJO seit 2012 von dem Dirigenten Achim Fiedler.

Achim Fiedler (Jahrgang 1965) studierte Violine in Köln und London. Es folgten Dirigierstudien in Mailand und Stuttgart. Von 1998 bis 2012 war er künstlerischer Leiter der Festival Strings Lucerne. Gastverpflichtungen führten ihn bisher zu über 40 Orchestern im In- und Ausland. Pädagogische Arbeit mit Jugendlichen, Studierenden und Erwachsenen ist ein wichtiger Schwerpunkt.  Er unterrichtet Fabio Tavernise bereits seit Jahren in Theorie, Komposition und Dirigieren.

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