Mr. Hawkins, Mr. Weavy und der neue Frieden – Dorstfelder Glockenturm beherbergt geschichtsträchtige „Graffiti“

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Graffiti können bunt, hässlich, kreativ, banal oder gesellschaftskritisch sein, und sie existieren im Grunde fast so lange wie die Menschheit. Manchmal können sie sogar ein spannendes Stück Zeitgeschichte fernab der Museen sein – ein gutes Beispiel hierfür findet sich im Glockenturm der Dorstfelder Kirche St. Barbara:

Dort ist es für Besucher seit langer Zeit (gutgeheißener) Brauch, den eigenen Namen im Stockwerk unter dem Glockenstuhl in den Kalkputz einzuritzen. Bis mindestens 1904 reichen die Schriftzüge zurück, und der Vorfahre so manch eines Dorstfelders dürfte sich hier mehr oder weniger spontan verewigt haben.
Inmitten der vorwiegend einheimisch klingenden Namen aber finden sich auch die Signaturen von „Hawkins“ und „Weavy“, und diese beiden entstanden in wahrhaft historisch bedeutsamer Zeit, handelt es sich hier doch um zwei Soldaten des 290. bzw. des 320. US-Infanterie-Regiments.

Der Kirchturm an der Arminiusstraße nämlich spielte eine zentrale Rolle im letzten Akt des Zweiten Weltkriegs auf Dorstfelder Gebiet, hatte sich hier doch – nachdem Oberdorstfeld bereits am 13. April befreit worden war – ein zusammengewürfelter Haufen deutscher Soldaten auf Befehl eines NS-Zellenleiters verschanzt und ein Maschinengewehr in Stellung gebracht. Fatal für das Dorstfelder Gotteshaus, welches – unbeschadet durch den Bombenregen gekommen – nun im Zentrum des Artilleriebeschusses stand und über vierzig Mal getroffen wurde.

Am 15. April schließlich hisste die Bevölkerung an der Kirchenruine weiße Fahnen und vertrieb NS-Zellenleiter Stödter aus dem Ort. Mr. Hawkins und Mr. Weavy wiederum erklommen kurz darauf die Stufen des beschädigten Glockenturmes und hinterließen dort ein dauerhaftes, sichtbares Zeichen, welches auf den Tag von Dorstfelds Befreiung zurückverweist.

Ein wenig macht sich der Zahn der Zeit bemerkbar, doch immer noch sind die Schriftzüge der beiden US-Soldaten gut zu erkennen.

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