Kokerei Hansa im Miniformat: Modellbauer investieren 4000 Stunden Feinarbeit

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Fotos: Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur

Die weitläufige Anlage der Kokerei Hansa als Modell in Miniatur-Ausgabe – das hat es in dieser Form noch nie gegeben.

Hans-Martin Ehlers aus Ahrensbök in Schleswig-Holstein und sein Team haben drei Jahre lang an dem etwas über 10 Quadratmeter großen Dortmunder Industriedenkmal gebaut. Am Sonntag (9.9.), dem Tag des offenen Denkmals, wird das Modell im Maßstab 1:87 (Modellbahnmaßstab HO) im Bauhof der Kokerei ausgestellt und kann bestaunt werden. Auf Einladung der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur wird Ehlers anwesend sein und Besuchern Rede und Antwort stehen.

Ein Blick genügt – und schon ist der Betrachter in den Bann gezogen. Die Kokerei Hansa mit ihren Backstein-Gebäuden, Bandbrücken, Türmen und Gleisen breitet sich auf Tischniveau aus. Wer durch die Fenster der Kompressorenhalle schaut, entdeckt den Maschinenpark, minutiös nachgebildet. In den Bürogebäuden der Stiftung wird eifrig gearbeitet. Handwerker sind in den Werkstätten. Zahlreiche kleine Szenen gibt es durch die Fensterscheiben zu entdecken. Türen, Leitern, kleine Zäune, Treppen samt Geländer, sogar Begrünung – die perfekte Nachbildung. Ehlers, Mathias Faber und Matthias Osbahr haben in mehr als 4000 Arbeitsstunden Feinarbeit vor allem viel Liebe ins Detail gesetzt. Das Werk kann sich sehen lassen.

Wie kommt ein Mann aus dem hohen Norden auf die Idee, die Dortmunder Zentralkokerei nachzubauen? Eigentlich ganz einfach: Die Modellbauer verbrachten 2008 einen Tag auf der Route der Industriekultur. Dabei besuchten sie auch die Kokerei Hansa. „Seit dem Zeitpunkt hatte ich immer im Hinterkopf, dass das doch ein interessantes Modell ist“, so Ehlers.

Für Ehlers ist die Kokerei Hansa, als ein Modell in diesen Dimensionen, ein Erstlingswerk. Das Thema Kohle interessierte den ehemaligen Auszubildenden im Lübecker Kohlekraftwerk Siems schon lange. Und der Modellbau interessierte ihn sowieso. Bereits mit 10 Jahren, quasi unter dem Weihnachtsbaum, war die Leidenschaft dafür entbrannt. Aber ganze Industrieanlagen zu basteln – damit betrat auch er Neuland.

Als die Entscheidung gefallen war, das Projekt anzupacken, sprang auch schnell der Funke über. Ehlers fuhr noch einmal nach Dortmund. Diesmal mit dem Fotoapparat und suchte bei der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur, der Eigentümerin der Kokerei, nach originalen Bauzeichnungen. Die Stiftung zeigte sich sofort kooperativ und erfreut, so dass die Idee geboren wurde, das Modell im Jahr 2018, wenn der Steinkohlenbergbau in Deutschland zu Ende geht, am Tag des offenen Denkmals zu präsentieren. Damit war ein konkretes Datum gesetzt, bis wann das Modell fertiggestellt sein musste.

Zuhause im 30 Quadratmeter großen Bastelraum seines Eigenheims begann der 46-Jährige, der beruflich in der Qualitätsabteilung eines Hamburger Kaffeerösters arbeitet, Gebäude und Anlagenteile zu konstruieren und zu zeichnen. Die Königsdisziplin im Modellbau. Gefertigt wurde zum Teil aus Lasercut-Architektur-Karton, zum Teil aus 3-D-Drucker Kunststoff. Dann wurden die Einzelteile mit Holzleim oder Kunststoffkleber verklebt und Ecken und Kanten mit Spachtelmasse angepasst. Zum Schluss ging es an die originaltreue Farbgebung, die mit einem Airbrush, Farbpigmenten und Öl-washings aufgebracht wurde.

Größte Herausforderung, so Ehlers im Rückblick, sei das Organisieren und Managen in der vorgegebenen Zeit gewesen. Nicht immer lief alles nach Plan. „Beim Bauen kam der Appetit, so dass ein paar mehr Anlageteile entstanden sind, als ursprünglich vorgesehen.“ Rechtzeitig fertig ist er aber trotzdem geworden. Wenngleich: „Richtig fertig ist man nie.“

Das Modell wird bis zum 26. Oktober im Rahmen von Führungen auf der Kokerei Hansa zu sehen sein. Dann reist es, in drei Module zerlegt, zurück nach Schleswig-Holstein. Hans-Martin Ehlers hat auch schon neue Pläne. Als nächstes möchte er eine Zeche bauen …

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