Historisches aus City-West: Der Goldschatz aus der Ritterstraße – von Dr. Günter Spranke

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Der prächtige und geschichtsträchtige Fund ist heute im Museum für Kunst und Kulturgeschichte zu sehen. (Foto: privat)

Das stetige Wachstum der Gewerbe- und besonders der Brauereibetriebe entlang der Rheinischen Straße bedingte eine rege Bautätigkeit in diesem Stadtviertel. Im Jahr 1907 fanden wiederholt Bauarbeiten im Umkreis der Union-Brauerei statt, so auch Ausschachtungsarbeiten in der Ritterstraße.

In einer Tiefe von 90 cm fanden die Arbeiter dabei ein unscheinbares Tongefäß und staunten nicht schlecht, als sie nach Bergen und Öffnen des beschädigten grauen Behälters auf Münzen und drei Ringe aus echtem Gold blickten. In und im Umkreis des Gefäßes fand man 444 goldene Münzen, 16 Silbermünzen und drei punzenverzierte goldene Halsreifen. Geprägt wurden diese Geldstücke zwischen 335 n. Chr. und etwa 410 n. Chr. in der Regierungszeit der römischen Kaiser Constantin des Großen, Arcadius, Honorius und des Gegenkaisers Constantin III.. Als sogenannte „Solidi“ gehörten diese Münzen zu den wertstabilsten und damit zu den begehrtesten Münzen ihrer Zeit. Während es sich bei den Goldmünzen um römische Prägungen (Prägeort oft Trier) handelt, ist bei den beschädigten Silbermünzen ein fränkischer Ursprung anzunehmen.

Entdeckt hatten die Bauarbeiter damals also einen der bedeutendsten spätantiken Schatzfunde nördlich der Alpen. Dieser außerordentliche Fund erlaubt uns Rückschlüsse auf die Wanderungsbewegungen und Handelsbeziehungen der germanischen Stämme oder auf deren Raubzüge und damit die Gefahrenlage in dieser Zeit.