Eine „Melange“ bitte – die „Literarische Gesellschaft zur Förderung der Kaffeehauskultur“ stellt sich vor

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Dr. Thomas Eicher ist Geschäftsführer von Melange Literarische Gesellschaft zur Förderung der Kaffeehauskultur e. V. (Foto: IN-StadtMagazine)

Intuitiv bringt man mit dem Begriff „Kaffeehauskultur“ wohl nicht unmittelbar das Ruhrgebiet in Verbindung. Um das Jahr 1900 trafen sich die großen Musizierenden und Schreibenden deutlich südlicher: In den Kaffeehäusern der österreichischen Hauptstadt Wien.

Nutzten sie dort die Nachmittage, um zu schreiben, woraus mit der „Kaffeehausliteratur“ eine eigene Literaturform entstand, so fanden an den Abenden Veranstaltungen mit musikalischem und literarischem Programm statt.

Natürlich liebten auch in anderen europäischen Großstädten die Größen der Literatur die Komfortzone Café für ihr kreatives Schaffen. Doch zugegeben: von Dortmund ist in diesem Zusammenhang eher selten die Rede. Genau hier erkannte Dr. Thomas Eicher eine „Nische“, wie er selbst sagt, und entschloss sich: „Diese Idee, diese Nische, die baue ich jetzt aus.“ Im Jahr 2004 konkretisierte er die Idee, indem er den Verein „Melange. Literarische Gesellschaft zur Förderung der Kaffeehauskultur“ gründete.

Mit dem Namen „Melange“ stellte Dr. Eicher gleich mehrere Bezüge zur Hochzeit der Kaffeehauskultur her. So bestellten die Intellektuellen der europäischen Metropolen wohl kaum einen „Milchkaffee“, um ihren Schriften einen warm-bitteren Beigeschmack zu geben. Da bot sich der französische Begriff für eine Mischung (aus Kaffee und Milch) schon eher an.

Gleichzeitig aber könnte das Programm von „Melange“ vielfältiger kaum sein und bietet so eine „bunte Mischung“ aus literarisch-musikalischen Veranstaltungen. Im Zentrum stehen dabei Kleinkunstabende und -matinees mit wechselnden KünstlerInnen in wechselnden Cafés in NRW. „Es ist ja naheliegend, die Veranstaltungen in die Location zu bringen, wo sich die Menschen sowieso aufhalten, weil sie da einen Kaffee trinken“, findet Dr. Eicher. Wichtig ist ihm dabei eine „gemütliche Atmosphäre“ – „etwas plüschige Orte“ alles andere als ausgeschlossen.

Im Stadtbezirk Hombruch hat Dr. Eicher das Café Orchidee im Rombergpark für „Melange“ entdeckt.
Dort wird es zum Beispiel am 30. Januar mit „Nimm es hin, dass ich was Besondres bin“ einen Lyrikabend mit Rezitator und Kabarettist Christoph Rösner geben, der die skurrilen Gedichte Robert Gernhardts inszenieren wird. Der schrieb unter anderem Otto Waalkes seine Gags auf den Leib. Damit passt der Abend in den typischen „Melange“-Humor, den das Stammpublikum so liebt, dass es teilweise dem „Melange“-Programm durch ganz NRW hinterherreist.

Denn so intellektuell der Bezug ist, den der Verein mit seinem Namen herstellt, so wichtig ist es Dr. Eicher, sein Publikum vor allem zu unterhalten. Neben dem Humor geht es genauso um „Mord und Totschlag“ wie um Erotik. Seine Kriterien, das Programm zusammenzustellen „liegen auf den Urtrieben dessen, was Theater ausmacht“. Auf diese Weise gelingt „Melange“ der Spagat zwischen hochwertiger Literatur und der puren Freude am Lachen, Gruseln und Lieben.

Zu den ganz besonderen Veranstaltungen gehören in diesem Zusammenhang die Krimi-Menü-Abende „Das Todesspiel des Doktor M.“ (8. Februar im Marples in der alten Mühle) und „Blut ist dicker als Wasser“, die einen Theaterabend mit einem 3-Gänge-Menü verbinden. Hier habe er es mit einem völlig anderen Publikum als sonst zu tun, erzählt Dr. Eicher. Seien seine Gäste in der Regel eher älter und eher weiblicher, so treffe er dort auf Männer, junge Paare und sogar Familien mit Kindern.

Auch die literarischen Spaziergänge durch den Rombergpark rufen ein anderes Publikum auf den Plan. Für dieses Jahr sind bereits zwei Veranstaltungen dieser Art an drei Terminen geplant. So wird es am 28. Juni und 19. Juli einen Wilhelm-Busch-Spaziergang mit dem Titel „Kein Röslein ohne Läuschen“ mit Markus Veith geben. Im August dann bietet Christoph Rösner den Spaziergang „Akelei und Zeckenbiss. Ein lyrisch-satirisches Gartenalphabet“ an.

Seit einiger Zeit hält Dr. Eicher darüber hinaus Seminare an der Universität, im Rahmen derer alle Studierenden mindestens zwei „Melange“-Veranstaltungen besuchen. Doch nicht immer kommen sie allein. Gern erinnert sich Dr. Eicher an eine Studentin, die sich kurzerhand ihre Großmutter und deren Freundinnen ins Auto lud und die drei Damen zur Veranstaltung ins Sauerland kutschierte. Auch einige langjährige Stammgäste scheuen längere Fahrten nicht und besuchen jedes neue Programm, egal ob in Gelsenkirchen oder Iserlohn.

In der Regel jedoch genießen Dr. Eichers Gäste den Milchkaffee in ihrem Stammcafé und freuen sich, dass „Melange“ dorthin kommt, wo sie sich wohlfühlen.

Das Programm von „Melange“ ist über www.melange-im-netz.de abrufbar. Karten können in der Regel beim Veranstaltungsort erworben werden und kosten 14 Euro. Die Preise der Krimi-Menüs sowie der Spaziergänge weichen ab.

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