Ein großer Traum, der Realität wurde – Sinfonischer Projektchor stemmt das zweite monumentale Werk und plant das nächste

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Über 100 Musiker und ein begeistertes Publikum: Mit viel Einsatz hat Claus Thatje (vorne) seinen Traum Wirklichkeit werden lassen. (Fotos: IN-StadtMagazine)

Irgendeinen „Haken“ muss die Sache doch haben! Hält womöglich ein finanzkräftiger Sponsor die Fäden in der Hand, oder wird ein öffentlicher Fördertopf angezapft? Nein, weder das eine noch das andere! Würde man daher den bisherigen Werdegang des Sinfonischen Projektchors Dortmund-West einem Lektor als Story vorlegen, bekäme man diese vermutlich prompt zurück: Alles einfach ein bisschen zu unwahrscheinlich.

In Zeiten allgemeinen Chorsterbens und oft beklagten fehlenden ehrenamtlichen Engagements hat sich da nämlich an Dortmunds westlichem Rand ein Ensemble gebildet, welches binnen der letzten drei Jahre zweimal mit monumentalen Klassikwerken, über 80 Chorsängern und mehr als 40 Orchestermusikern die Maschinenhalle der Zeche Zollern mit Besuchern füllte und vollends begeisterte.

Der Mann, bei dem am 11. Mai tatsächlich alle musikalischen Fäden zusammenliefen, hielt den Taktstock in der Hand. Und da die Geschichte des Projektchores nun einmal voll von erstaunlichen Details ist, handelt es sich bei Chorleiter Claus Thatje keineswegs um einen Berufsmusiker, sondern einen hauptberuflichen Bauingenieur.

Der klassischen Musik allerdings hat sich der gebürtige Dortmunder mit Haut und Haaren verschrieben. Und aus dieser Leidenschaft heraus entschloss sich der langjährige Organist und Chorleiter der Herz Jesu-Kirchengemeinde vor knapp fünf Jahren dazu, sich seinem großen Traum an die Fersen zu heften: einmal die „Carmina Burana“ von Carl Orff mit großem Ensemble auf die Bühne zu bringen. Was folgte, ist vermutlich ein Musterbeispiel dafür, wozu Herzblut und Hartnäckigkeit in der Lage sein können: Über Aufrufe in Printmedien und eine eigene Website sowie reichlich Mund-zu-Mund-Propaganda nahm Claus Thatjes Idee fast schon schwindelerregend an Fahrt auf. Bald war ein Netz an Interessenten geknüpft, das weit über Dortmunds Stadtgrenzen hinausreichte, und der heute 47-Jährige konnte mit letztlich beinahe 100 Sängerinnen und Sängern den Probebetrieb aufnehmen. Und auch zahlreiche Berufsmusiker, etwa in Reihen der Dortmunder Philharmoniker, ließen sich von der Begeisterung anstecken und sagten ihre Teilnahme zu. Parallel dazu wurden (lokale) Sponsoren akquiriert, und mit Prof. Werner Kämmerling sowie Andreas Leymann vom Dortmunder Konzerthaus zusätzlicher musikalischer Sachverstand ins Boot geholt.

Was den Auftrittsort betraf, liegt für einen Bövinghauser die optimale Lösung auf der Hand – und tatsächlich lief Claus Thatje bei Zollern-Museumsleiterin Dr. Anne Kugler-Mühlhofer mit seinem Ansinnen offene Türen ein. Nach knapp zwei Jahren intensiver Proben erfuhr der Premierenauftritt des Projektchores im Mai 2017 ein begeistertes Echo.

Claus Thatje und sein Orga-Team wiederum gönnten sich keine allzu lange Pause: Nachdem klar war, dass knapp siebzig der Singstimmen auf eine Fortsetzung brannten, wurde schon drei Monate später das Folgeprojekt in Angriff genommen – und wieder konnte von „halben Sachen“ keine Rede sein.

„Gipfeltreffen großer europäischer geistlicher Hymnen“ hieß diesmal die Überschrift, welche Chor- und Orchesterwerke von Händel, Gounod, Verdi und Dvorak miteinander verband. Bald war klar, dass Claus Thatjes Klassik-Leidenschaft sich bei diesem Projekt nicht nur in Organisationsfähigkeit und Musikalität, sondern auch in Nervenstärke zeigen musste: Denn während sich der Chor über 21 Monate hinweg und teilweise mittels Intensivproben am Wochenende auf den großen Tag vorbereitete, stießen die Orchestermusiker mit Ausnahme der Holzbläser erst zur Generalprobe (!) hinzu. So gab der stark in die Vorbereitungen eingebundene Vater des Chorleiters dann auch unumwunden zu, dass man womöglich „mit unserem Pulsschlag alleine die Halle hätte heizen können“.

Die beteiligten Berufsmusiker aber – ob Organist, Blechbläser oder Harfenistin – erwiesen sich als Meister ihres Fachs, und die Hallenakustik tat ihr Übriges: Viel ausdrucksstärker und sicherer als an diesem Abend hätte wohl auch ein Profiensemble die teilweise sehr anspruchsvollen Werke kaum über die Rampe bringen können. Der Mann am Dirigentenpult wiederum beherrschte offensichtlich jede Passage wie im Schlaf und leitete die ihm teilweise unbekannten Musiker mit großem Engagement durch die kompletten zweieinhalb Stunden.

Donnernder Applaus war den Protagonisten gewiss – und die Besucher durften sich über die Nachricht freuen, dass der Sinfonische Projektchor Dortmund-West keineswegs ans Aufhören denkt: Über die Jahre, sagt Claus Thatje nämlich, sei man so etwas wie eine große Familie geworden – und schon im August will man den Probebetrieb wieder aufnehmen, um dann in zwei Jahren und traditionell am „Tag vor Muttertag“ auf Zollern das nächste Kapitel dieser ungewöhnlichen Chorgeschichte zu schreiben. Und zu beweisen, wie viel echte Begeisterung zu bewegen vermag.

Proben für neues Projekt starten im August
„Sagenhafter Maitanz“ soll das Projekt heißen, mit dem der sinfonische Chor 2021 sein Publikum begeistern will. Vorgetragen werden dann u. a. Werke von Grieg, Mendelssohn sowie die „Polowetzer Tänze“ von Alexander Borodin.

Gerne möchte der Chor noch seine Männerstimmen-Abteilung weiter verstärken. Alle Männer mit ein wenig Gesangserfahrung und der nötigen Begeisterung sind herzlich eingeladen. sich unter 0231/ 69 86 02 mit Jürgen Thatje in Verbindung zu setzen oder freitags um 19.45 Uhr bei den Proben im Emil-Wefer-Haus, Saturnstr. 13 in Bövinghausen vorbeizukommen.

Probebeginn ist nach der Sommerpause am 28. August.

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