Der Name hinter der Kunst – Ausstellung von Jan Borman im Torhaus

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Jan Bormann schafft Skulpturen aus Holz und Stahl. (Foto: IN-StadtMagazine)

Kaum jemand kennt Jan Bormanns Namen. Seine Kunst jedoch bildet einen Teil des alltäglichen Lebens in Dortmund. Denn Bormann ist Bildhauer und die Stadt Dortmund beauftragt ihn immer wieder mit der Gestaltung des öffentlichen Raums.

Er selbst betrachtet die „Flüsterbrücke“ am Phoenix See als seine wichtigste Arbeit in Dortmund, eine der wenigen Stellen, an denen sein Name zu finden ist. Denn die „Flüsterbrücke“ ist mit einem Erläuterungsschild versehen, das einen sicheren Abstand zur Beinchenheb-Höhe einhält. Denn genau diese übliche Höhe ist Bormanns Grund, seine Kunst lieber ohne Namen zu präsentieren.

Hombruch kennt seine Arbeit zum Beispiel vom Schulhof des Helene-Lange-Gymnasiums. Die roten Klinker setzte Bormann der Stadt gegenüber durch, die mit weniger Farbe geplant hatte. Auch die runden Formen entstammen seinen Ideen.

Dieses Jahr bietet Bormann zwei Gründe zum Feiern. 1939 in Dortmund geboren, ist er in diesem Mai 80 Jahre alt geworden. Gleichzeitig ist er nun seit 50 Jahren freiberuflich tätig. Diese Jubiläen nahm er zum Anlass, um im Torhaus am Rombergpark seine Kunst zu präsentieren. Dabei korrespondieren vor allem seine Holzarbeiten mit den Arboreten im Park.

Nachdem Bormann in seinem Garten über längere Zeit zwei Kiefern beobachtet hatte, begann er über ihren Geist nachzudenken. Denn nach längerem Nebeneinanderwachsen „entschied“ sich eine der Kiefern auszuweichen. Etwa fünf Meter entfernte sie sich von ihrer Artgenossin. Daraus erwuchs für Bormann eine gleichsam mystische sowie praktische Frage: „Wie haben die das kommuniziert?“ Aus diesem Ansatz entstand die Vorstellung sprechender Bäume und die Holzskulptur „Gespräch der Baumgeister“. Drei Elemente, erwachsen aus demselben Baum, wenden sich mit geöffneten Mündern einander zu.

Die Lebendigkeit der Bäume stellte sich ihm in Gelsenkirchen unter Beweis, wo ihm ein enthaupteter Baum zur Verfügung gestellt worden war, um ihn wieder zum Leben zu erwecken. Als er den Stamm nun auch hier teilte, diesmal in zwei Kommunikationspartner, sprangen diese mit einer solchen Wucht auseinander, dass sie Bormann beinahe vom Gerüst gestoßen hätten.

Umso seltsamer erscheint es, dass seine Skulpturen aus Industriestahl so sehr ins Bild passen, wenn man die untere Etage des Torhauses betritt. Die „wachsende, keimende, knospende“ Natur steht dem Fertigen, Harten, Gegenständlichen gegenüber, ohne dass eines das andere ausschließen würde. Vielmehr ergänzen sich die Prinzipien wechselseitig.

Nicht verwunderlich also, dass Bormann bereits drei Aufträge zur Gestaltung von Halden erhielt, die er „merkfähig machen wollte, unterscheidbar machen wollte“. So gut wie gleichzeitig konzipierte und errichtete er Anfang der 90er Jahre die Sonnenuhr auf der Halde Schwerin sowie den Spurwerkturm auf der Halde Brockenscheidt in Waltrop. Im Jahr 2010 folgte dann die Errichtung des Schweriner Rings als Landmarke.

Viele kennen diese Arbeiten von den Sonntagsspaziergängen mit der Familie, haben den Namen des Künstlers jedoch niemals gehört. Vielleicht lohnt es sich, ihn beim nächsten Gang um den Phoenix See in die riesige orangefarbene Schale zu sprechen, die dort am Ufer steht, und ihm so eine „Flüsterbrücke“ zu bauen.

Die Ausstellung im Torhaus ist noch bis zum 21. Juli zu sehen. Geöffnet ist sie dienstags bis samstags von 14 bis 18 Uhr und sonntags von 10 bis 18 Uhr.

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