Denkmal des Monats April: Mittelalterliche Klostermauern unter der Silberstraße

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Die historischen Fundamente an der Silberstraße. (Foto: Esther Lehnemann, Archbau).

Wie immer, wenn in der Innenstadt Erdarbeiten notwendig werden, steht auch die Stadtarchäologie der Denkmalbehörde bereit. So war es jetzt in der Silberstraße, als bei Kanalarbeiten Teile des früheren Dominikanerklosters freigelegt wurden. Anlass für die Denkmalpflege, das Kloster als Denkmal des Monats April 2019 vorzustellen.

Die Fundamente einer zweischaligen Natursteinmauer, zusammengehalten von dem im Mittelalter üblichen weichen Mörtel aus Kalk und Sand, lagen nur wenige Zentimeter unter dem Asphalt. Von der Lage her könnte es sich um die äußere Klostermauer handeln, doch die Mauerstärke von rund 1,20 m ist ungewöhnlich für eine Begrenzungsmauer. Vermutlich handelt es sich um Fundamente eines Torhauses, das an dieser Stelle Einlass in das geschlossene Klostergebiet gab, vor allem zum seit 1507 hier bestehenden Krankenhaus und zum Gasthaus für Pilger. Darauf weisen auch in der Nähe entdeckte Scherben von Krügen und Bechern hin – übliche Gebrauchsware aus dem 14. und 15. Jahrhundert.

Klostergründung mit „Anlauf“
Einfach war die Gründung des Dortmunder Klosters für die Dominikaner nicht. Zwar hatten Kaiser und Papst bereits 1310 ihre Erlaubnis erteilt, aber sowohl der Rat der Stadt als auch der Klerus der anderen Stadtkirchen waren dagegen. Während dem Rat für jedes weitere Grundstück in Kirchenbesitz Steuern verloren gingen, sah der Klerus zusätzliche Konkurrenz um Stiftungen und Schenkungen, die Bürger den Kirchen vermachten. Dreimal wurden die Dominikaner aus der Stadt vertrieben, bevor sie schließlich 1330 – zwanzig Jahre später – durch eine List in Dortmund sesshaft werden konnten. Mit dem Kölner Weihbischof, der selbst Dominikaner war, hatten sie heimlich die nötigen Baumaterialien auf dem vorgesehenen Grundstück zusammengetragen. So konnten sie in einer Nacht eine provisorische kleine Kirche inklusive Glocke errichten, in der sie am Morgen direkt die Messe feierten. Den geweihten Bau mussten die Dortmunder respektieren, und in den folgenden Jahren konnten die Dominikaner ihr Kloster ausbauen.

Einzige „überlebende“ Klosterkirche in Dortmund
Das Dortmunder Dominikanerkloster bestand bis 1816. Wie viele andere Klöster in dieser Zeit wurde es von der Obrigkeit aufgehoben, doch nur von dieser Einrichtung sind noch Gebäude im Stadtgebiet zu finden, da die ehemalige Klosterkirche als katholische Pfarrkirche der Innenstadt überlebte. Sie ist eine der vier erhaltenen historischen Innenstadtkirchen, die allerdings – im Gegensatz zu St. Reinoldi, St. Marien und St. Petri – nicht direkt am Hellweg steht. Das Klosterareal selber ist wenige Meter südlich des Hellwegs als großer Innenhof zwischen dem Katholischen Zentrum und der Propsteikirche mit ihrem kleinen Dachreiter gut nachzuvollziehen. Hier befand sich früher der Klostergarten mit verschiedenen Gebäuden, neben dem Konvent u. a. Brauhaus, Bäckerei und Mühle.

Mauern unter der Silberstraße
„Doch wieso findet man denn außerhalb des Innenhofs, der doch das Klostergebiet war, Reste des Klosters?“ Diese Frage stellen Passanten der Ausgrabungsleiterin Dr. Esther Lehnemann immer wieder. Die Antwort ist einfach: Nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg – mehr als 90 Prozent der Innenstadt lag in Trümmern – gab es durchgreifende Planungen zur Neugliederung. Zwar blieben die Wälle um das alte Zentrum erhalten. Innerhalb dieses Bereichs legte man aber ein grobmaschigeres Wegenetz mit verbreiterten Straßen an. „Für uns Stadtarchäologen bedeutet dies, dass wir bei fast allen Bauarbeiten innerhalb des Wallrings darauf gefasst sein müssen, historische Zeugnisse anzutreffen, zu untersuchen und zu dokumentieren, bevor sie unbeobachtet zerstört werden würden“, sagt Dr. Henriette Brink-Kloke, Leiterin der Unteren Denkmalbehörde.

Knochenfunde werfen Fragen auf
Auf eine weitere spannende Entdeckung stießen die Archäologen neben der Klostermauer. In einer kleinen, an die Mauer grenzenden Grube fanden die Fachleute mehrere Tierknochen. Stammen die Knochen aus der Zeit vor der Klostergründung, stehen sie möglicherweise mit der Errichtung des Dominikanerklosters in Verbindung, oder gelangten die Knochen zu einem späteren Zeitpunkt in die Erde? Funde wie Münzen oder Gefäßreste, die eine Antwort auf diese Frage geben könnten, fehlen. „Wir wissen aktuell noch nicht einmal, von welchem Tier der Knochen stammt. Dafür ist der gefundene Rest zu klein“ so Archäologin Esther Lehnemann. Erst eine wissenschaftliche Untersuchung kann weitere Aufschlüsse über Tierart und Alter der geborgenen Knochen liefern. Erst dann lassen sich anhand der neuen Fakten handfestere Thesen aufstellen, wie und wann die Knochen in die Erde gelangten.

Inzwischen gehen die Kanalarbeiten weiter – nicht ausgeschlossen, dass sich weitere Funde ergeben …

 

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