150 Jahre Große Kirche – eine Kirche erinnert sich (Teil 2)

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Die Große Kirche in Aplerbeck heute. (Foto: IN-StadtMagazine)

Die Große Kirche in Aplerbeck möchte in dieser Ausgabe weiter über ihre bewegten 150 Jahre berichten. Hier noch einige Erinnerungen:

Mein Turm hat am 12. April 1945 maßgeblich dafür gesorgt, dass Aplerbeck vor der Zerstörung durch die amerikanische Armee gerettet wurde. Anton Kalt und Dietrich Hans drängten den Küster Milo, eine weiße Fahne als Zeichen der Kapitulation auf meinem Turm zu hissen. Der Küster kletterte hinauf und brachte eine Fahne, gefertigt aus einem weißen Betttuch, an. Anton Kalt ging dann nach Sölde, um dem Kommandanten der Besatzungstruppen zu erklären, dass in Aplerbeck kein Widerstand geleistet werde. Damit war für Aplerbeck der Krieg ohne weitere Zerstörungen und Tote beendet.

Mein Kirchenraum wurde 1934–1935 das erste Mal neu gestaltet. Die geöffneten Seitenemporen wurden wegen Akustikproblemen zugemauert. Die Kunstmalerin Hilde Viering aus Benrath gestaltete seinerzeit Kirchen in ganz Nordrhein-Westfalen und wurde für meine Umgestaltung engagiert. Sie malte meine zugemauerten Seitenemporen mit Darstellungen der Apostel und Sprüchen neu an und entwarf auch den neuen Altar mit großem Kreuz und der Inschrift „ Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit“.

Der neugotische Altaraufbau, der mit Fialtürmchen geschmückt war, hatte ausgedient und wurde abgebaut. Eine Generalüberholung der Orgel erfolgte durch die Firma Walcker, die 1939 die Orgel auf eine elektropneumatische Traktur umstellte und einige Register umdisponierte.

Von 1950 bis 1953 gab ich einem ganz besonderen Gast Asyl. Der Petri-Altar, auch das Goldene Wunder genannt, brauchte einen Unterschlupf. Im Krieg waren fast alle Dortmunder Kirchen stark beschädigt worden, bei mir gingen übrigens die Fenster, ein Geschenk von König Wilhelm von Preußen, im Krieg zu Bruch – sonst hatte ich keine größeren Schäden zu beklagen.

Der Altar war in der Nikolai Kirche eingelagert, aber die Kunstexperten empfahlen eine Aufstellung des Altars, damit er nicht durch Feuchtigkeit zerstört würde und nur bei mir gab es die Möglichkeit dazu. Eigentlich sollte er 10 Jahre hier verweilen, da ich aber 1953 drei neue Fenster bekam, ging das leider nicht mehr.
Der Bochumer Kirchenmaler Fritz Mannewitz gestaltete die drei Chorfenster (Weihnachts-, Passions- und Osterfenster) neu und übermalte die Apostelbilder an den zugemauerten Seitenemporen.

1958 folgte eine Generalüberholung der Kirche an Dach, Turm und Fenstern, ein Jahr später die Erneuerung der Fialtürmchen aus Zink an der Balustrade.

Bei Innen- und Außenrenovierungen in den Jahren 1968–1969 wurde die Ehrenhalle renoviert, das Dach neu eingedeckt, Turm- und Fenster-Reparaturen durchgeführt, die neugotischen Bänke entfernt, neue, schallschluckende Bänke zur Verbesserung der Akustik eingebaut und eine neue Innenausmalung in hellen Farben vorgenommen.
1984 wurde meine betagte Orgel komplett saniert.

Eine komplette Restaurierung des Kirchturms, Neuverfugung und neue Sandsteineinsetzung sowie eine neue Turmhelmeindeckung mit Kupferblech in Doppelfalztechnik wurden 2000–2001 durchgeführt. In den Jahren 2002–2003 wurden das Deckengewölbe und die Kirchenfenster an der südlichen Außenwand restauriert. 2004–2005 erfolgte eine Restaurierung und Neuverfugung der Nord- und Südwand des Mittelschiffs und die Orgel wurde modernisiert. Im Jahr 2012 wurden die zugemauerten Seitenemporen geöffnet und die Deckengewölbe der Seitenschiffe in der ursprünglichen Farbgebung gestrichen sowie Sanierungsarbeiten an den Fenstern der Seitenschiffe durchgeführt.

2014 folgten der Ausbau der alten Ölbrenndampfheizung und der Einbau einer neuen Warmluftheizung, der Abbau des alten Altars sowie der Einbau eines neuen Beleuchtungssystems mit hellen Bodenfliesen. Ein neues Rednerpult und ein Altar aus mit Kupfer belegter Mooreiche und mit einem schlicht geformten schmalen Kreuz aus Metall wurde von den Künstlern Lutzenberger & Lutzenberger aus Bad Wörishofen entworfen. Die Einweihung des neuen Altarraumes fand am 9. November 2014 statt. Im Jahr 2016 wurde eine digital gesteuerte Beleuchtungsanlage installiert. Die äußere Acrylverglasung an den drei Chorfenstern wurde 2018 ersetzt.

Ja, in 150 Jahren habe ich viele bauliche Maßnahmen erlebt, viel Leid und Freude der Gläubigen, Pastöre, Chöre, Organisten und unzählige Konfirmationen, Hochzeiten, Beerdigungen, Gottesdienste und Konzerte. Ich stehe noch immer – moderner und schöner als zuvor – und hoffe noch auf viele weitere Jahre – dann werde ich immer das weithin sichtbare Wahrzeichen von Aplerbeck sein und jeden Gläubigen herzlich willkommen heißen, genauso wie ich gerne den wunderbaren Konzerten in meinen Gemäuern lausche, denn für meine tolle Akustik bin ich in ganz Dortmund bekannt. Übrigens kümmert sich u. a. der im Jahre 2000 gegründete „Förderverein Große Kirche Aplerbeck e. V.“ um meinen Fortbestand und sammelt Gelder für die immer wiederkehrenden Sanierungsarbeiten. Dafür bin ich sehr dankbar.

Ja, und meinen Geburtstag werde ich am 15. Dezember mit einem Festgottesdienst mit einer Predigt der Superintendentin begehen – denn an dem Tag vor 150 Jahren wurde ich geweiht …

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