Irakisch-kurdischer Autor Bachtyar Ali erhält den Nelly-Sachs-Preis 2017 der Stadt Dortmund

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Autor Bachtyar Ali Fotos: Hama Karim Khasraw

Der irakisch-kurdische Autor Bachtyar Ali wird in diesem Jahr den Nelly-Sachs-Preis, Literaturpreis der Stadt Dortmund, erhalten. Die Entscheidung über die Vergabe des mit 15.000 Euro dotierten Preises fiel gestern (6.9.2017) in der Jury-Sitzung.

Mit Bachtyar Ali wird ein Schriftsteller ausgezeichnet, der zu den bedeutenden Autoren der islamischen Welt zählt und dessen Werk im Westen noch weitgehend unentdeckt ist. Er schreibt auf Sorani, der südöstlichen Variante des Kurdischen. Aus seinem umfangreichen Werk sind erst zwei Romane in deutscher Sprache erschienen, die begeistert von der Kritik
aufgenommen wurden. „Die Stadt der weißen Musiker“ und „Der letzte Granatapfel“, erschienen im Unionsverlag, erinnern an die große orientalische Erzähltradition und schildern auf hochpoetische Weise eine unbekannte Welt: Das Schicksal der irakischen Kurden – brutal verfolgt und in inneren Auseinandersetzungen zerrissen.

„Angesichts von Erfahrungen genozider Gewalt, Kriegen und Flucht ist Bachtyar Alis Werk ein Manifest des Lebenswillens und der Poesie. Unter Rückgriff auf die Mythen und die Spiritualität des Orients sowie getragen von hohem moralischem Anspruch und großem Engagement bricht der Autor eine Lanze für die Menschlichkeit“, so Jury-Mitglied und Schriftsteller Stefan Weidner.

Bachtyar Ali wurde 1966 in Sulaimaniya (Nordirak) geboren. 1983 geriet er durch sein Engagement in den Studentenprotesten in Konflikt mit der Diktatur Saddam Husseins. Er brach sein Geologie-Studium ab, um sich der Poesie zu widmen. Sein erster Gedichtband „Gunah w Karnaval“ (Sünde und Karneval) erschien 1992. Sein Gesamtwerk umfasst Romane, Gedichte und Essays. Seit Mitte der Neunzigerjahre lebt Bachtyar Ali in  Deutschland.

Seine Texte weisen weit über die Kurdenthematik hinaus und schließen sich an das literarische Werk derjenigen Autorin an, in deren Namen er nun ausgezeichnet wird:
Nelly Sachs.

Mit dem nach ihr benannten Literaturpreis ehrt und fördert die Stadt Dortmund alle zwei Jahre Persönlichkeiten, die überragende schöpferische Leistungen auf dem Gebiet des literarischen und geistigen Lebens hervorbringen und zur Verbesserung der kulturellen Beziehungen zwischen den Völkern beitragen. In Anlehnung an den Geburtstag von Nelly Sachs wird der Preis am 10. Dezember in einem Festakt im Dortmunder Rathaus verliehen.

Jury
Zur Jury unter dem Vorsitz von Bürgermeisterin Birgit Jörder gehören
folgende Fachpreisrichterinnen und Fachpreisrichter:

• Dr. Sabine Berking, Berlin (Dozentin, Lektorin, Literaturkritikerin)
• Patricia Klobusiczky, Berlin (Lektorin, Literaturübersetzerin)
• Stefan Weidner, Köln (Schriftsteller, Journalist, Übersetzer,
Literaturkritiker)
• Dr. Johannes Borbach-Jaene, Dortmund (Leiter der Stadt- und
Landesbibliothek).

Als Sachpreisrichterinnen und -richter waren Bürgermeisterin Birgit Jörder
und die Ratsmitglieder Barbara Brunsig, Brigitte Thiel und Joachim Pohlmann
beteiligt.

Bachtyar Ali hat die Nachricht über die Preisvergabe erfreut
entgegengenommen und wird am 10. Dezember 2017 zu Gast in Dortmund sein.

Werkübersicht:
Romane
• Margi Taqanay Duham (Der Tod des zweiten Enkelkindes), 1996
• Ewaray Parwana (Parwanas Abend), 1998
• Dwahamin Hanari Dunya (Der letzte Granatapfel, aus dem Kurdischen von Ute
Cantera-Lang und Rawezh Salim), 2002
• Shari Mosiqara Spyakan (Die Stadt der weißen Musiker, aus dem Kurdischen
von Peschawa Fatah und Hans-Ulrich Müller-Schwefe), 2005
• Ghazalnus w Bakhhanai Khayal (Ghazalnus und die Gärten der Fantasie), 2008
• Koskhki Balinda Ghamginakan (Das Schloß der traurigen Vögel), 2009
• Jamshid Khani Mamim Ka Hamisha Ba Lagal Khoyda Daybird (Mein Onkel Jamshid
Khan, der immer vom Winde verweht wurde), 2010
• Kashti Frishtakan (Das Engelsschiff) 2012; zweite Auflage, 2013
• Hawrakani Danyal (Daniels Wolken), 2015

Poesie
• Gunah w Karnaval (Sünde und Karneval), 1992
• Gesammelte Gedichte (1983-1998)
• Bohimi w Asterkan (Bohemia und die Sterne). 2000
• Ishkirdin la Daristanakani Firdaws da (Arbeit im Garten Eden). 2004
• Ta Matami Gul ta Khweni Fristha (Bis zum Klagen der Blumen, bis zum Blut
der Engel), 2006 (Überarbeitung der Gesamtausgabe)
• Ay Bandari Dost Ay Kashti Duzhmin (Oh Hafen des Freundes, oh Schiff des
Feindes), 2009

Essays
 man w Jangawarani (Glaube und seine Krieger), 2003
• Khwenari Kushinda (Der verhängnisvolle Leser), 2004
 Sewi Seham (Der dritte Apfel), 2009

Nelly-Sachs-Preis
Die Stadt Dortmund verleiht den Nelly-Sachs-Preis alle zwei Jahre an
Persönlichkeiten, „welche herausragende schöpferische Leistungen auf dem
Gebiet des literarischen und geistigen Lebens hervorbringen“ und die „in
ihrem Leben und Wirken geistige Toleranz, gegenseitigen Respekt und
Versöhnung unter den Völkern und Kulturen verkünden und vorleben, die sich
in einer globalisierten Gesellschaft für ein friedliches Zusammenleben und
die Überwindung kultureller, ethnischer und religiöser Grenzen einsetzen.“

Erste Preisträgerin war 1961 die Namensgeberin Nelly Sachs. Später ging der
Preis u.a. an Nadine Gordimer (1985), Milan Kundera (1987), Christa Wolf
(1999), Per Olov Enquist (2003) und Rafik Schami (2007), Abbas Khider
(2013) und Marie N’Diaye (2015). Der Preis wird seit 2015 alternierend an
männliche und weibliche Preisträger vergeben.

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