Im Einsatz gegen die Kälte – Ehrenamtliche sind dreimal in der Woche mit dem Wärmebus unterwegs

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Auf dem Bahnhofsvorplatz geben die Helferinnen und Helfer im Projekt „Wärmebus“ an drei Abenden in der Woche Brötchen, Suppe und heiße Getränke an Menschen aus, die auf der Straße leben. (Fotos: pdp / Michael Bodin)

Seit Anfang Dezember 2018 fährt der Wärmebus für Obdachlose durch Dortmund. Zahlreiche Ehrenamtliche helfen bei dem vom Malteser Hilfsdienst Dortmund, der Katholischen Stadtkirche Dortmund und der Katholischen St.-Johannes-Gesellschaft getragenen Projekt für Menschen, die auf der Straße leben.

Es ist Montagabend und bei einer Temperatur von zwei Grad über Null fällt ein leichter Nieselregen. Holger Kurek (Malteser) und Stefan Wehrmann (Jugendhilfe St. Elisabeth) treffen am Eingang des St. Johannes-Hospitals in Dortmund Sabine Ostfeld, die ebenfalls bei der Jugendhilfe St. Elisabeth arbeitet. Mit dabei sind auch Tobias Falke, Pfarrer Michael Vogt und ein junger Mann aus Lünen. Zusammen bilden sie das Team für den Einsatz des Wärmebusses an diesem Abend. Der Dienst ist für alle ehrenamtlich. „Ich habe bis zum Studium noch etwas Zeit und kann mir nichts Sinnvolleres vorstellen als hier mitzuhelfen“, sagt ein junger Helfer, der über das Internet auf das Projekt aufmerksam wurde.

Holger Kurek fährt mit dem Kleintransporter, auf dem ein Herz mit weißen Fausthandschuhen als Logo zu sehen ist, zum Christinenstift. Die Küche des zur Katholischen St. Johannes-Gesellschaft gehörenden Seniorenheims stellt Kaffee und heißes Wasser in Thermobehältern zur Verfügung und eigentlich auch eine warme Suppe. Doch die fehlt an diesem Abend, eine kleine Panne. Holger Kurek bittet um einen weiteren Behälter heißes Wasser und kauft im nahen Supermarkt schnell 60 Portionen Nudelsnacks, die mit Wasser aufgegossen werden. „Hoffentlich gibt es wenigstens genug Brötchen“, meint er. Die gespendeten Brötchen holt Stefan Wehrmann kurz nach Geschäftsschluss bei der Bäckerei Vorwerk ab. Er hat Glück. Die Körbe sind voll. Auch belegte Brötchen sind dabei. Das ist gut, denn jene, die zum Wärmebus kommen frieren nicht nur, sie haben auch Hunger.

Die erste Station ist der Bahnhofsvorplatz. Der Wärmebus wird schon erwartet. Kaum hat das Helferteam in den orangenen Einsatzjacken Bänke und Thermobehälter aufgebaut, stehen rund 20 Menschen davor und warten auf etwas Warmes. Viele lachen, niemand drängelt. Manche sind sehr jung. Mädchen und Jungen, von denen man meint, dass sie eigentlich noch zur Schule gehen müssten. Einigen ist der Drogenkonsum anzusehen. Sie trinken Kaffee oder heißen Tee, löffeln warme Nudeln und fragen etwas verschämt nach einer zweiten Portion. Ein Helfer fragt einen jungen Mann in schwarzer Kunstlederjacke wo er heute schlafen werde. „Weiß ich noch nicht, mal sehen“, antwortet dieser. Klar sei aber, dass es kalt werde, eine Decke habe er gerade nicht. Für solche Fälle gibt es am Wärmebus auch Schlafsäcke und Isomatten in begrenzter Anzahl. Der Mann nimmt die beiden Pakete und hebt den Daumen: „Ihr seid super!“

Vielleicht hätte er auch in einer der städtischen Notunterkünfte schlafen können. Deren Kapazitäten wurden erst kürzlich erhöht. Manche scheuen diese Möglichkeit jedoch, weil sie sich ausweisen müssen, weil sie nicht in Dortmund gemeldet sind, der Hund nicht mitdarf oder aus Angst vor anderen, die dort schlafen. „Das ist die Lücke, die wir mit unserem Angebot etwas füllen“, erklärt Holger Kurek. Der Wärmebus sei eine Ergänzung zu den bestehenden Angeboten. Neben der Grundversorgung geht es vor allem auch um den direkten Kontakt zu den Obdachlosen. Die Helferinnen und Helfer haben immer ein offenes Ohr.

Gegen 20.15 Uhr räumen sie am Bahnhof wieder ein und fahren zur nächsten Station im Stadtgarten. Hier kommen die ersten Hilfesuchenden erst, nachdem alles aufgebaut ist. Es sind andere als am Bahnhof, älter und ausschließlich Männer, einige mit Bierflaschen. Auch sie sind äußerst dankbar für etwas Essen und ein warmes Getränk. Doch nicht nur dafür. „Sonst spricht ja kaum einer mit uns“, sagt einer der Männer und bedankt sich für die Zeit, die sich die Helferinnen und Helfer am Wärmebus nehmen.

Nochmals werden ein paar Schlafsäcke und Isomatten ausgeben, ebenso ein Päckchen mit Shampoo, Zahnpasta und Zahnbürste sowie mehrere selbstgestrickte Socken. „Die haben alte Damen für Sie gestrickt“, sagt Holger Kurek und reicht die Socken weiter.

Um kurz vor zehn wird auch an dieser Station wieder eingeräumt. Die Helfer fahren noch über den nun leeren Westenhellweg. Aber dort ist niemand mehr, der ihre Hilfe nötig hat und kurz nach 22 Uhr endet ihr Einsatz.

Am Mittwoch und am Freitag werden zwei andere Teams die Tour fahren. Stefan Wehrmann, der die Dienstpläne schreibt, ist froh, dass sich viele Ehrenamtliche gemeldet haben und er die Einsätze gut besetzen kann. Er freut sich über jeden, der noch mithelfen möchte. Bis März werden drei Touren in der Woche gefahren. Für die Zeit danach hat das Leitungsteam überlegt, weiterhin eine Fahrt pro Woche zu organisieren, je nach Bedarf.
„Obwohl wir froh wären, abends nicht mit dem Wärmebus in der Stadt unterwegs sein zu müssen: Wir freuen uns, dass das Projekt so gut angelaufen ist und wir Anerkennung von vielen Seiten bekommen“, sagt Pfarrer Michael Vogt. Ein großes Dankeschön gelte der Katholischen St. Johannes-Gesellschaft für die praktische Unterstützung durch Suppe und anderes mehr.

Wer den Wärmebus unterstützen oder bei Einsätzen mithelfen möchte, kann sich beim Malteser Hilfsdienst Dortmund unter der Telefonnummer (0231) 9823200 melden.

Spendenkonto: Malteser Hilfsdienst Dortmund
IBAN: DE78 3706 0120 1201 2168 30
Paxbank Köln, BIC / S.W.I.F.T: GENODED1PA7
Wichtig: Stichwort „Wärmebus“

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