Zehn Jahre Mobiler Medizinischer Dienst des Gesundheitsamtes

0
74
Dr. Frank Renken (Amtsleiter des Gesundheitsamtes) und Sozialdezernentin Birgit Zoerner (Mitte vorne) feiern das zehnjährige Jubiläum des Mobilen Medizinischen Dienstes. (Foto: Dortmund-Agentur / Roland Gorecki)

Wenn wohnungslose Menschen einen Arzt benötigen, haben sie es besonders schwer. Manche haben keinen Krankenversicherungsschutz, andere schaffen es nicht, die Schwelle in eine „normale“ Arztpraxis zu überwinden. Wenn aber akute Erkrankungen nicht rechtzeitig behandelt werden, drohen schwerwiegende gesundheitliche Langzeitfolgen, die sogar lebensbedrohlich werden können. Diese Lücke in der Versorgung füllt in Dortmund seit zehn Jahren der Mobile Medizinische Dienst des Gesundheitsamtes, unterstützt durch Mitarbeiterinnen der Diakonie sowie die Angebote des Gasthauses.

Bereits 1996 wurde in Dortmund beschlossen, dass sich die Stadt am ersten Modellprojekt des Landes NRW zu Verbesserung der medizinischen Versorgung wohnungsloser Menschen beteiligt. Konkret wurde eine gemeinsame Finanzierung der ambulanten medizinischen Versorgung für Wohnungslose durch die Stadt und die Gesetzlichen Krankenversicherungen angestoßen und in den Folgejahren umgesetzt. Dieses Modell hat sich so gut bewährt, dass es viele Erweiterungen des medizinischen Angebotes gab. So sind neben einem Arzt seit 2005 zusätzlich zwei Krankenschwestern der Diakonie im Einsatz. Dadurch wurde seit 2008 schließlich ein mobiler Dienst möglich, der wohnungslose Menschen an derzeit zehn Stellen im Stadtgebiet aufsucht.

Praxisraum erweitert und renoviert
Allerdings eignen sich die improvisierten Untersuchungsräume z. B. in der Suppenküche nicht immer für eine angemessene Untersuchung oder Behandlung. Deshalb gibt es einen Praxisraum in der Außenstelle des Sozialpsychiatrischen Dienstes in der Bornstraße 239. In den vergangenen Jahren hat die Zahl der zu versorgenden Patientinnen und Patienten ständig zugenommen, parallel wurden die diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten erweitert. Dies machte eine Renovierung und Vergrößerung dringend erforderlich. Diese Arbeiten sind nun zum Jubiläum des Dienstes abgeschlossen.

„Dort haben wir eine direkte Anbindung an die psychiatrische fachärztliche Versorgung, die nicht selten zusätzlich erforderlich ist“, sagt Jens Feigel, der die ärztliche Versorgung in den renovierten Räumlichkeiten übernimmt. Seine aufsuchende Arbeit ist deshalb so wichtig, weil er seine Patientinnen und Patienten dort besser antrifft, wo sie sich im Tagesverlauf am häufigsten aufhalten.

Auf eine weitere wichtige Unterstützung weist Thomas Lenders hin, Leiter des Sozialpsychiatrischen Dienste: „Unser Mobiler Medizinischer Dienst wird ganz wesentlich durch den Verein ,Aufsuchende medizinische Hilfen für wohnungslose Menschen in Dortmund‘ gefördert. Dessen Spenden finanzieren das Fahrzeug, notwendige Medikamente oder Verbandmittel sowie medizinische Geräte. Dadurch können wir regelmäßig an zehn Stellen im Stadtgebiet Sprechstunden anbieten.“ Dazu gehören u. a. Beratungsstellen, die Frauen- und Männerübernachtungsstellen ebenso wie das Café Berta oder der Kiosk am Nordmarkt.

Zum Hintergrund
Auf Landesebene erarbeitete eine Arbeitsgruppe von Vertretern des Ministeriums, der Krankenkassen, der Kassenärztlichen Vereinigung, des Städtetages und der Ärztekammer das „Umsetzungskonzept zur medizinischen Versorgung wohnungsloser Menschen in Nordrhein-Westfalen“. Damit war NRW das erste Bundesland, das eine nachhaltige Finanzierungsregelung zum Aufbau medizinischer Dienste zur Versorgung wohnungsloser Menschen geschaffen hat.

Die Stadt Dortmund schloss einen Vertrag mit der Kassenärztlichen Vereinigung, in dessen Rahmen pro Quartal eine festgelegte Zahl von Behandlungsfällen vergütet wird. Die Kosten werden durch Beiträge der Krankenkassen, der Kassenärztlichen Vereinigung und der Kommune nach einem festgelegten Schlüssel bestritten.

Der Mobile Medizinische Dienst (MMD) wurde in Trägerschaft des Sozialpsychiatrischen Dienstes des Gesundheitsamtes der Stadt Dortmund zum 1. April 2008 gegründet. Ein Team aus Allgemeinarzt, Internist, Psychiaterin, Krankenschwestern und Arzthelferinnen versorgt seitdem die Zielgruppe. Diese ist im „Umsetzungskonzepts zur medizinischen Versorgung wohnungsloser Menschen in NRW“ wie folgt definiert: „Das Angebot der mobilen Dienste richtet sich an Menschen, die gesundheitlich behandlungsbedürftig sind und nicht anderweitig medizinisch versorgt werden und wohnungslos sind.“

Hinterlasse einen Kommentar

avatar
500