Weiter Abwärtstrend beim ‚Komasaufen‘: Weniger Jugendliche mit Alkoholvergiftung im Krankenhaus

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Der Abwärtstrend beim ‚Komasaufen‘ unter den Jugendlichen hält an. Doch Grund zur Entwarnung sieht die AOK nicht. (Foto: AOK/hfr)

Trinken bis zum Filmriss? Nein, sagen immer mehr Jugendliche und junge Erwachsene in Westfalen-Lippe. Eine aktuelle Auswertung der AOK NordWest belegt, dass der Abwärtstrend beim ‚Komasaufen‘ weiter anhält. Danach wurden im vergangenen Jahr insgesamt 840 junge Menschen im Alter von 12 bis 20 Jahren mit einer akuten Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert, etwas weniger als im Vorjahr (847). In 2012 landeten noch 1.135 Jugendliche und junge Heranwachsende wegen exzessiven Alkoholkonsums in einer Klinik.

„Der Trend des bewussteren Umgangs mit Alkohol scheint anzuhalten. Grund zur Entwarnung ist das allerdings nicht. Wir dürfen nicht nachlassen, Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene über die Gefahren des Alkoholkonsums aufzuklären, denn Alkoholkonsum kann zu langfristigen Gesundheitsschäden führen und erhöht die Gefahr, später abhängig zu werden“, warnt AOK-Vorstandsvorsitzender Tom Ackermann.

  • Die rückläufige Entwicklung ist besonders bei Jugendlichen im Alter von 15 bis 18 Jahren auffällig. Hier ist die Zahl der Krankenhauseinweisungen in 2018 wegen akutem Alkoholrausch im Vergleich zu 2017 um fast sieben Prozent zurückgegangen.
  • Bei den 12- bis 14-Jährigen sind die Klinikaufenthalte durch Rauschtrinken allerdings im Vergleich zum Vorjahr um über 38 Prozent gestiegen.

Wer bereits in jungen Jahren exzessiv Alkohol trinkt, läuft Gefahr, wichtige Hirnfunktionen dauerhaft zu schädigen und eine Alkoholsucht zu entwickeln. Daher ist es wichtig, dass Jugendliche auch und gerade beim Alkohol Verantwortung für die eigene Gesundheit übernehmen. Alkoholmissbrauch schadet aber nicht nur der Gesundheit der Betroffenen, es kostet auch viel Geld: Die Gesamtkosten für die stationäre Behandlung und den Notfalltransport für Komatrinker beliefen sich allein bei der AOK in der Region Westfalen-Lippe im vergangenen Jahr auf über 1,1 Millionen Euro.

Für AOK-Chef Ackermann ist der Kampf gegen das ‚Komasaufen‘ eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung, die nicht nur von den Krankenkassen allein geführt werden kann. So sind auch Lehrer und Eltern gefragt, Grenzen zu setzen und die Gefahren des Rauschtrinkens zu thematisieren. Aber auch Kommunen und Politik sind gefordert, sich in die Suchtprävention noch stärker einzubringen, die Verfügbarkeit von Alkohol zu verringern und die Lebensverhältnisse und -bedingungen zu verbessern.

Als positives Beispiel nannte Ackermann das landesweite Präventionsprojekt ‚HaLT – Hart am Limit‘, eine gemeinsame Initiative von Landes-Gesundheitsministerium, gesetzlichen Krankenkassen und der Landeskoordinierungsstelle Suchtvorbeugung NRW. Dabei wird Jugendlichen, die wegen Rauschtrinkens ins Krankenhaus eingeliefert werden, mit einem speziellen Beratungsangebot geholfen. „Die gezielte Ansprache im Krankenhaus ist ein geeigneter und wirkungsvoller Ansatz, um Verhaltensänderungen zu erreichen“, so Ackermann. Eltern erhalten ebenfalls wichtige Tipps, wie sie das Konsumverhalten von Alkohol und anderen Rauschmitteln bei ihren Kindern thematisieren und positiv beeinflussen können.

Nach Auffassung der AOK ist Alkohol derzeit noch relativ gut verfügbar, einfach konsumierbar und präsent. Neben der Einschränkung der Verfügbarkeit spielt aus Sicht der AOK auch eine wichtige Rolle, wie der Umgang mit Alkohol vorgelebt wird. „Wenn Eltern, Vereinstrainer, Verwandte und andere wie selbstverständlich alkoholische Getränke zu sich nehmen, ist die Hemmschwelle für Kinder und Jugendliche meist sehr niedrig. Wenn es „normal“ ist, dass am Wochenende, nach sportlicher Aktivität oder bei Feiern viel Alkoholisches getrunken wird, dann übernehmen unsere Kinder und Jugendliche dieses Verhalten eher“, so Ackermann.

 

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