Schulanfänger: Fast jedes fünfte Kind erhält Sprachtherapie

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Fast jeder fünfte Schulanfänger in Westfalen-Lippe erhielt in 2019 rund um den Schulbeginn eine Sprachtherapie. Das gemeinsame Lesen oder Vorlesen auch in der Familie kann helfen, Entwicklungsstörungen vorzubeugen. (Foto: AOK/hfr.)

Fast jeder fünfte Schulanfänger in Westfalen-Lippe erhielt in 2019 rund um den Schulbeginn eine Sprachtherapie. So hieß es für 18,7 Prozent der sechsjährigen Kinder, nicht nur lesen, rechnen und schreiben zu lernen, sondern auch das richtige Sprechen.

Jungen waren mit 22,4 Prozent häufiger betroffen. Bei den gleichaltrigen Mädchen waren es immerhin noch 15,1 Prozent. Das belegt eine aktuelle Auswertung der AOK NORDWEST. „Das kann als Hinweis verstanden werden, dass viele Kinder heute offensichtlich Expertenhilfe benötigen, um die anstehenden schulischen Herausforderungen meistern zu können“, so Tom Ackermann, Vorstandschef der AOK NORDWEST.

Bei Kindern mit Entwicklungsstörungen der Sprache oder des Sprechens werden Sprachtherapien überwiegend ab einem Alter von vier Jahren verordnet. In Westfalen-Lippe erhielten bereits 7,2 Prozent der vierjährigen Jungen eine Sprachtherapie. Bei den Mädchen lag der Anteil bei 4,4 Prozent. Im Alter von fünf bis sieben Jahren ist die Inanspruchnahme dieser Therapien am höchsten. Der Schwerpunkt liegt jedoch eindeutig bei den sechsjährigen Kindern, sowohl bei den Jungen als auch bei den Mädchen.

Der Blick auf die vergangenen Jahre zeigt, dass sich die Verordnungswerte bei den Sechsjährigen schon seit längerem auf einem sehr hohen Niveau eingependelt haben. Nach der Zeit des Schuleintritts wird der Anteil der Kinder, die eine Sprachtherapie erhalten, geringer.

Über die möglichen Ursachen der starken Verbreitung von sprachtherapeutischen Behandlungen rund um den Schuleintritt wird in der Fachwelt seit Jahren diskutiert. Eine Erklärung ist, dass sich die in diesem Alter angemessenen sprachlichen Fähigkeiten bei den Kindern verschlechtert haben. Gleichzeitig wird aber auch ein Wandel der Anforderungen von Schule und Elternhaus an die Kinder beobachtet, so wie auch ärztliches Diagnoseverhalten und Therapiemöglichkeiten kontinuierlichen Veränderungsprozessen unterliegen.

„Auch wenn Sprachtherapien helfen können, Defizite der kindlichen Entwicklung positiv zu beeinflussen, sollten Verhaltens- und verhältnispräventive Maßnahmen in Kindergärten und Schulen sowie im Elternhaus wie beispielsweise das gemeinsame Lesen oder Vorlesen statt fernzusehen in ihrer Wirkung nicht unterschätzt werden. Dies kann helfen, Entwicklungsstörungen schon in frühen Jahren vorzubeugen“, so AOK-Chef Tom Ackermann.

 

 

 

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