Diskuswerfer Daniel Jasinski: Mit starken Nerven und großem Kampfgeist in die Weltspitze katapultiert

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Daniel Jasinski in Rio (Foto: privat)

Er ist ein toller Sportler und ungemein sympathischer Typ: Diskuswerfer Daniel Jasinski bestritt bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro 2016 den Wettkampf seines Lebens. In einem Krimi, den Alfred Hitchkock nicht besser hätte inszenieren können, erkämpfte sich der Wattenscheider 2,07-Meter-Mann einen nie erwarteten sensationellen 3. Platz – und damit die Bronzemedaille.

Bis zum letzten Durchgang hatte Daniel Jasinski auf Platz 3 gelegen – und damit auf Bronze Kurs. Doch dann schob sich der Este Martin Kupper mit starken 66,58 Metern an Jasinski vorbei. Der Wattenscheider Hüne war vor seinem letzten Wurf auf einmal nur noch Vierter. Jetzt bedurfte es noch einmal ganz starker Nerven, vollster Konzentration und der 100 %igen Aktivierung seines starken Kämpferherzens. Und der Konter saß: Mit einem sensationellen „Alles oder Nichts-Wurf“ drosch Jasinski die 2 kg schwere Scheibe auf unglaubliche 67,05 Meter. Für den 27-jährigen Jungen aus dem Kohlenpott der bislang größte Moment seiner Karriere. Und dann auch noch bei Olympia.

Es sind unvergessene Bilder mit reichlich Gänsehautpotenzial, auf denen Daniel Jasinski auf dem Podium im Olympiastadion von Rio die Fäuste in den Himmel reckt. Ein würdiger Vertreter Deutschlands, der diesen Erfolg verdient hatte. Um eine solche Leistung zu realisieren, spielen professionell ausgearbeitete Trainingspläne und die entsprechende Ernährung eine wichtige Rolle. Wie die Ernährung von Hochleistungssportlern beschaffen sein muss, hängt von der Sportart selbst ab, aber auch von dem Gewicht und dem individuellen Stoffwechsel des Athleten.

„Was kommt bei einem Spitzensportler auf den Tisch?“
Wir fragen den Bronzemedaillen-Gewinner von Rio, Daniel Jasinski.

Herr Jasinski, Diskuswerfen ist eine Kraftsportart. Welche Nährstoffe sind für Sie besonders wichtig?
Diskuswerfen ist eine Schnellkraftsportart. Die notwendige Zufuhr von Nährstoffen hängt von der jeweiligen Phase ab, in der ich mich gerade befinde. Mitte September stand ich im letzten Wettkampf, auf den anschließend eine „Offseason“ bis Mitte Oktober folgte. Aktuell befinde ich mich jetzt kurz nach der „Offseason“ im Aufbautraining für die anstehenden Wettkämpfe ab Mai 2017. Für den entsprechenden Kraftaufbau nehme ich sehr proteinreiche Nahrung zu mir. Auch ohne Kohlenhydrate geht es nicht, etwa 4000 bis 4500 Kalorien pro Tag benötigt mein Körper. Gute Kohlenhydrate stecken zum Beispiel im Vollkornbrot, ganzes Getreide mit Hülle sowie Haferflocken sättigen zudem schnell. Auch stehen die „guten“ Kohlenhydrate dem Körper lange zur Verfügung, so dass der Blutzuckerspiegel nicht rapide in die Höhe schnellt – der Körper ist idealer Weise lange versorgt.

Wie sieht eine „klassische“ Mahlzeit bei Ihnen aus?
Zum Frühstück darf es gerne Quark sein, dazu Obst, zuvor in Milch eingeweichte Haferflocken, Leinsamen oder verschiedene Getreidesorten und dazu noch Walnüsse. Reicht dies nicht, so gibt es noch ein mit Käse belegtes Vollkornbrot on top. Bezüglich der Hauptmahlzeiten favorisiere ich mageres Fleisch wie Hähnchen oder Pute.

Wie reagiert Ihr Körper auf Nahrungsumstellung?
Vor 1 ½ Jahren habe ich damit begonnen, meine Ernährung umzustellen. Die Umstellung bemerkte ich schon nach 2–3 Monaten. Ich fühlte mich viel besser und mein Körper verändert sich zugunsten von mehr Kraft und Energie. Klar, bei Attacken auf Süßes habe ich stets immer viel Wasser getrunken. Am Anfang war es natürlich schwer. Mein Tipp: Studentenfutter liefert gesunde Fette und Mineralstoffe und kann gut gegen Hungerattacken eingesetzt werden.

Darf es auch mal etwas Süßes sein?
Natürlich (schmunzelt). 1 x die Woche am Sonntag gönne ich mir auch mal ein schönes Frühstück mit Süßem wie z. B. Nutella.

Früher hatte ich einen schlechten Tag, wenn ich nichts Süßes hatte. Heute ist das in Ordnung. Vom Ernährungsberater habe ich gelernt, dass der Körper Eiweiß und Energie fordert, wenn man Heißhunger auf Süßes hat.

Wann nehmen Sie vor einem Wettkampf die letzte Mahlzeit zu sich?
Das hängt von der Tageszeit ab. In der Regel nehme ich ca. 3 Stunden vor dem Wettkampf eine Mahlzeit zu mir. Zudem nehme ich 1 Stunde vor dem Wettkampf noch einen vom Ernährungsberater empfohlenen Shake mit wichtigen Kohlenhydraten und Zucker zu mir. Sich den Magen vor dem Wettkampf vollschlagen – das geht natürlich nicht. In Rio startete der Wettkampf um 10 Uhr, um 6 Uhr habe ich ein ausgewogenes Frühstück genossen.

Gönnen Sie sich ab und an auch mal ein „kühles Blondes“?
Ja – das muss auch mal sein, gerade wenn man mit Freunden in geselliger Runde zusammensitzt, darf ein kühles frisch Gezapftes doch nicht fehlen.

Jetzt geht es erst einmal in das Wintertraining…
Ja (schaut etwas gequält). Es ist eine harte Zeit. Um Maximalkraft und Schnellkraft aufzubauen, ist jetzt Ausdauer- und Krafttraining angesagt. Das heißt: Viel Laufen, viel Zirkeltraining, wenig Pausen. Ziel ist es am Ende, im Ring die ganze Kraft innerhalb von wenigen Sekunden zu produzieren und rauszulassen – ein paar Sekunden, für die man das ganze Jahr hart trainiert hat.

Wie sehen Ihre Ziele für 2017/18 aus?
Aktuell bereite ich mich auf die WM 2017 in London vor. 2018 folgt als weiteres Highlight die EM in Berlin. Darauf freue ich mich riesig.

Vielen Dank Herr Jasinski. Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg.

Persönliches
Geburtsdatum: 05.08.1989
Geburtsort: Bochum-Watt.
Größe: 207cm
Gewicht: ca. 123 kg
Beruf: Sportsoldat, Student
Bestleistung: 67,16 m
Verein: TV Wattenscheid 01
Trainer: Vater Miroslaw Jasinski, einst erfolgreicher polnischer Diskuswerfer