Lebenshilfe Dortmund startet neues Projekt: Aufklärung zum Thema Alkoholkonsum in der Schwangerschaft und dessen Folgen

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(hinten v. l.): Christine Krämer (Selbsthilfe), Wolfgang Franz (Selbsthilfe), Rüdiger Böckler (Jugendhilfedienst), Scarlett Engels (Rehaberatung Agentur für Arbeit), Claudia Sehner (Selbsthilfe); (vorne v. l.): Gabriele Beckmann (Lebenshilfe Dortmund), Kirsten Grabowski (JA, Hilfen für Kinder alkoholkranker Eltern), Melanie Schütte (Lebenshilfe Dortmund, Projektleitung u. Fachberaterin FASD), Sabine Theissen (JA, Pflegekinder- und Adoptionsdienst), Ilka Herbst (JA, ebd.), Bettina Kremer (Leitung Selbsthilfe); (Foto: Lebenshilfe Dortmund)

Alkoholkonsum von werdenden Müttern während der Schwangerschaft kann weitreichende Folgen für das ungeborene Leben haben. Die Formen der Schädigungen werden unter dem Begriff „Fetale Alkoholspektrums-Störungen“ (FASD) erfasst und können sich in ihrer Ausprägung sehr unterschiedlich darstellen.

Neues Netzwerk soll Hilfen anbieten und aufklären
Die Lebenshilfe Dortmund hat zum 01.07.2018 das Projekt „Dortmunder FASD Netzwerk- Aufklärung, Beratung, Prävention“ gestartet, das durch die Aktion Mensch gefördert wird. Die Idee zu dem Projekt entstand durch die Zusammenarbeit in dem Dialogkreis „(Pflege-) Eltern mit FASD-Kindern“. Dieser setzt sich aus Mitgliedern der Selbsthilfe, der Behindertenbeauftragten der Stadt Dortmund, Jugendhilfe, Lebenshilfe u.a. zusammen und befasst sich mit den Folgen von FASD.

Insbesondere die Erfahrungen von betroffenen Angehörigen zeigen, dass FASD und die damit einhergehenden Folgen in vielen Facheinrichtungen nicht bekannt sind, die Auswirkungen häufig verkannt werden. Die betroffenen Familien fühlen sich alleingelassen und unverstanden auf der Suche nach Hilfe und Unterstützung. Um den Familien und den Betroffenen die Wege leichter zu machen und einen besseren und schnelleren Zugang zu Hilfesystemen zu ermöglichen, soll das Netzwerk ein Forum bieten, um mit verschiedensten Beteiligten ins Gespräch zu kommen, Versorgungslücken aufzuzeigen und bestenfalls neue Angebote und Verbesserungen anzuregen.

Neben der Vernetzung und des Austauschs soll die Aufklärungs- und Präventionsarbeit durch dieses Projekt gefördert werden. Insbesondere die Aufklärung von Fachpersonal unterschiedlicher Berufsgruppen, die mit dem Personenkreis von FASD Betroffenen in Zusammenhang stehen (z. B. Hebammen, Ärzte, Lehrer, Jugendhilfedienste, Mitarbeiter aus verschiedenen Bereichen der Behindertenhilfe, gesetzliche Betreuer etc.) soll im Fokus der Projektarbeit stehen, um für die Schwierigkeiten im Alltag mit FASD zu sensibilisieren.

FAS als häufigste Ursache für geistige Behinderung
Laut einer Schätzung der Bundesdrogenbeauftragten werden in Deutschland jährlich
ca. 10 000 Kinder geboren, die unter einer Form des FASD leiden.

FASD geht u. a. mit weitreichenden Entwicklungsstörungen, Merk- und Lernschwierigkeiten, eingeschränkter Impulskontrolle, sozial unangemessenen Verhaltensweisen und Hyperaktivität einher. Die Liste möglicher Komorbiditäten ist lang. Laut Weltgesundheitsorganisation ist das Fetale Alkoholsyndrom (FAS, das sog. Vollbild) die häufigste Ursache einer geistigen Behinderung in der westlichen Welt. Das Spektrum der Folgeerscheinungen ist weitreichend, die tiefgreifenden Beeinträchtigungen bleiben
lebenslang. So sind Studien zufolge weniger als 10 % der Betroffenen in der Lage ein
selbständiges Leben zu führen.

Seit 2012 gibt es ein einheitliches Diagnostikinstrument für Kinder und Jugendliche in
Deutschland (S3 Leitlinie), wodurch das Thema FASD etwas mehr in den Fokus der
Öffentlichkeit gerückt ist. Dennoch besteht immer noch wenig Kenntnis über die Schädigung und seine Auswirkungen.

So trinkt Studien zufolge schätzungsweise jede vierte Frau in Deutschland während der
Schwangerschaft. Aufklärung kann helfen, um Alkoholkonsum während der Schwangerschaft zu vermeiden und die Zahlen der Betroffenen langfristig zu reduzieren.

Das Auftreten von FASD wäre durch Verzicht von Alkohol in der Schwangerschaft vollständig vermeidbar.

Fachberatung bei der Lebenshilfe Dortmund
Die Lebenshilfe Dortmund bietet eine Fachberatung zum Behinderungsbild FASD an, die
Angehörige und/oder Betroffene kostenlos nutzen können. Neben der Aufklärung über
verschiedenste Themen wie Schwerbehindertenausweis, Pflegeeinstufung, Wohnangebote
u. a. wird bei der Antragstellung verschiedenster Leistungen unterstützt oder Kontakt zur
Selbsthilfe vermittelt.

Interessierte, die an dem Netzwerk mitwirken möchten oder Interesse an einer Beratung
haben, können sich bei der Lebenshilfe Dortmund an Frau Melanie Schütte wenden, T.: 0231 13889-116.