Initiative RheumaPreis

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Der Dortmunder Benedikt Ziegler ist Träger des RheumaPreises 2015

Mit der jährlichen Verleihung des RheumaPreises zeichnet die Initiative Ideen für eine gelungene Einbindung von Menschen mit entzündlichem Rheuma in das Berufsleben aus. Der RheumaPreis wurde 2009 erstmals verliehen und wird seitdem jährlich ausgeschrieben.

Der RheumaPreis wird an Arbeitnehmer und ihre Arbeitgeber verliehen, die gemeinsam partnerschaftliche Lösungen zum Erhalt der Arbeitsfähigkeit des Arbeitnehmers mit Rheuma umgesetzt haben. Die Beispiele der Preisträger zeigen deutlich, dass oft kleine Veränderungen entsprechend der Bedürfnisse des Arbeitnehmers dazu beitragen, die Arbeitsfähigkeit von Menschen mit Rheuma zu ermöglichen und zu erhalten.

„Solange ich meinen Kopf einsetzen kann, bin ich guter Dinge“, blickt der Dortmunder Benedikt Ziegler, Träger des RheumaPreises 2015, positiv in die Zukunft. Die natürliche Fröhlichkeit und der Optimismus des heute 25-Jährigen bekamen im Jahr 2000 einen Dämpfer: Schmerzen und Schwellungen an verschiedenen Gelenken ziehen einen schier endlosen Marathon durch mehrere Kliniken nach sich, bis letztlich die Diagnose steht: juvenile rheumatoide Arthritis – eine entzündlich-rheumatische Erkrankung im Kindesalter. Von da ist seine Kinder- und Jugendzeit geprägt von monatelangen Klinikaufenthalten, mehreren Operationen und immer wieder neuen Medikationen und Therapien. „Da war plötzlich eine Ungewissheit, die mich bedrückt hat. Wohin entwickelt sich das alles? Aber es gab immer Menschen an meiner Seite, allen voran meine Mutter, die mich unterstützt haben, die sich von der Krankheit nicht beeindrucken ließen“, beschreibt der Dortmunder rückblickend diese Zeit.

Nach dem Abitur stellt sich für Benedikt Ziegler die Frage, wohin die Reise beruflich gehen soll. Obwohl die Arbeitsagentur zu einem ruhigen Bürojob rät, entschließt sich Ziegler für seine Leidenschaft: die Fotografie. Schon früh entstehen sensible fotografische Arbeiten, die nicht zuletzt sein Einfühlungsvermögen widerspiegeln. Krankenhausaufenthalte nutzt er, um kreativen Input zu bekommen, seine Eindrücke und Erfahrungen hält er mit der Kamera fest. Er beginnt ein Praktikum bei einem Fotografen und gestaltet seine Bewerbungsmappe für die Aufnahmeprüfung eines Fotodesign-Studiums an der Fachhochschule Dortmund. Mittlerweile studiert Benedikt Ziegler im achten Semester und wird voraussichtlich im Sommersemester 2016 seinen Bachelor abschließen. Aufgrund von Schmerzen und körperlichen Einschränkungen, wie sie die starke Arthrose an Schulter-, Fuß- und Handgelenken mit sich bringt, ist es nicht immer einfach, den herausfordernden Studienalltag zu meistern. Dennoch schafft es Benedikt Ziegler seit drei Jahren, nebenher als freischaffender Fotograf zu arbeiten und einen – wie er mit einem Augenzwinkern meint – „relativ normalen Alltag“ zu meistern, mit einem Spagat zwischen seiner Berufstätigkeit auf der einen und seinem Studium auf der anderen Seite.

Heute nach seiner Einschätzung befragt, was ihm seine Arbeit bedeutet, schießt es regelrecht aus ihm heraus: „Viel! Ich brenne für die Fotografie!“ Auch wenn ihm durchaus bewusst ist, dass es Grenzen gibt, die ihm seine Krankheit vorschreibt. Zum Beispiel wenn ein Shooting zu lange gedauert und er sich kräftemäßig übernommen hat. „Ich werde mit Sicherheit kein Auftragsfotograf für große Mode-Strecken in der Vogue sein. Aber will ich das überhaupt? Vielleicht entwickle ich mich aufgrund meiner eigenen Geschichte eher zu einer Art ‚Rheuma-Fotograf’ beispielsweise für Aktion Mensch“, formuliert Benedikt Ziegler eine mögliche Perspektive. Für seine berufliche Zukunft wünscht sich Benedikt Ziegler, „so lange wie möglich die Welt zu bereisen und mit der Kamera Geschichten von Menschen zu erzählen.“ Für ihn ist daher auch klar, dass sein Preisgeld zu 100 Prozent in sein nächstes großes Fotoprojekt fließt: seine Bachelor-Arbeit zum Thema „Kinder- und Jugendrheuma in Deutschland“. „Mit meiner Fotoreportage möchte ich den Blick der Öffentlichkeit darauf lenken. Leider ist zu wenig bekannt, was die Krankheit Rheuma bedeutet und dass sie jeden, unabhängig vom Alter betreffen kann. Und gleichzeitig möchte ich mit meinem Projekt zeigen, dass trotz Krankheit ein glückliches Leben, Erfolg und Karriere möglich sind.“ Diese Arbeit ist ein weiteres Steinchen im Lebensmosaik des Benedikt Ziegler, in dem Krankheit und Beruf sich nicht ausschließen. Sein Mut, trotz seiner Einschränkungen einen körperlich fordernden Job zu wählen und seine pragmatische Art, mit der Erkrankung im Arbeitsalltag umzugehen, überzeugten auch die RheumaPreis-Jury.

Die Ausschreibung zum RheumaPreis 2016 beginnt im Januar 2016.
Infos online unter: www.RheumaPreis.de

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