Im-Ohr-Hörgeräte: Mini-Geheimwaffe bei Hörverlust

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Der Dortmunder Hörakustikmeister Jürgen Holl erklärt die Vorzüge von Im-Ohr-Hörgeräten im Gespräch mit den IN-StadtMagazinen. (Fotos: IN-StadtMagazine)

Obwohl es mittlerweile immer mehr – vor allem jüngere – Schwerhörige gibt, die ganz bewusst auffällig bunte, individuell gestaltete Hörgeräte stolz als modisches Accessoire tragen, sind schwerhörige Menschen oft auf der Suche nach einer Hörhilfe, die möglichst unauffällig ist. Hier haben sich bei der Mehrzahl der Träger zwei Bauformen etabliert: Hörgeräte, die hinter dem Ohr (HdO) oder solche, die im Ohr (IdO) getragen werden. Im-Ohr-Hörgeräte, die quasi im Ohr verschwinden und dort ihre Funktion erfüllen, liegen dabei aktuell voll im Trend.

Silberperlen 60+ sprach mit dem Hörakustikmeister Jürgen Holl über diese besonders dezente Hörlösung.

Herr Holl, welche Vorteile bieten Im-Ohr-Hörgeräte?

Im-Ohr-Hörgeräte haben akustisch sehr viele Vorteile. Als Hauptvorteil sehe ich, dass die Schallaufnahme direkt im Ohr platziert ist, so wie es dem natürlichen Schallweg entspricht. So muss der Schall nicht – wie bei Hinter-Ohr-Geräten oder sonstigen Modellen – ins Ohr hineingeleitet werden. Das heißt, ich nutze die Wirkung der Ohrmuschel, die nach vorne gerichtet ist, und erziele die bessere Akustik, da ich mit der Schallabgabe näher am Trommelfell bin. Dadurch komme ich in den Genuss eines besseren Klangs und direkteren Tons, während ich bei allen anderen Modellen die Position des Mikrofons oder des Hörers elektronisch verändern muss, so dass es dem Ohr entspricht.

Auch Brillenträger sind deutlich im Vorteil, denn diese müssen nur etwas ins Ohr setzen, nichts mehr „über das Ohr“ hinters Ohr klemmen. Genau dieser Umstand ist wichtig für viele ältere Menschen, die eine Brille tragen und nutzt auch bei Lesebrillen und Sonnenbrillen. Dies alles hilft dem Hörakustiker, die Hörgeräte-Versorgung viel unabhängiger von der Brille zu gestalten.

Für wen kommen die Im-Ohr-Hörgeräte in Frage?

Mittlerweile kommen diese für alle Menschen in Frage, unabhängig davon, ob sie leichte oder mittelgradige Hörverluste haben. Nur bei extrem hochgradigen Hörverlusten wird es oft schwierig, auf ein Im-Ohr-Hörgerät zurückzugreifen, da die Leistung oft nicht ausreicht, vor allem dann, wenn ein Mensch schon an Taubheit grenzend schlecht hört. Übrigens greifen gern auch jüngere Leute, die ein ganz unauffälliges Hörgerät bevorzugen, auf Im-Ohr-Hörgeräte zurück.

Lassen sich Im-Ohr-Hörgeräte leicht herausnehmen, beziehungsweise einsetzen?

Ja, das ist einer der deutlichen Vorteile dieser Geräte. Sie sind schon alleine von ihrer Bauform her viel einfacher zu handhaben, weil ich nur ein Stück in der Hand habe und nur dieses in das Ohr einsetzen muss. Haare kommen nicht in die Quere, keine Brille stört. Und beim Herausnehmen erleichtert in der Regel ein Zugfaden die Arbeit – selbst wenn die Geräte sehr tief im Ohr stecken, kann ich sie leicht wieder greifen und aus dem Ohr herausnehmen. Gerade ältere Menschen entscheiden sich häufig aus diesem Grund für das Im-Ohr-System.

Sind Im-Ohr-Hörgeräte teurer als Hörgeräte, die hinter dem Ohr getragen werden?

Überhaupt nicht, denn der Preis ist allein abhängig von der Technikstufe, die verwendet wird. Mittlerweile gibt es die Im-Ohr-Hörgeräte in sämtlichen Technikbereichen – vom einfachsten bis zum aufwendigsten Gerät. Auch eine Maßfertigung ist heutzutage nicht mehr teurer als beim Hinter-Ohr Gerät.

Wie kann ich ein Im-Ohr-Hörgerät testen?

Die neuesten Geräte im Im-Ohr-Bereich können mittlerweile auch als Sofort-Hörgerät getestet werden, ohne dass zuvor eine Maßfertigung notwendig wird und bis zu drei Wochen Wartezeit fällig werden, bevor das Gerät überhaupt programmiert werden kann. Mittlerweile gibt es schon einige Hersteller, die für den Im-Ohr-Bereich ein Standard-Hörsystem anbieten, das in rund 80 % aller Ohren passt und sofort getestet werden kann. Der positive Hör-Effekt im Vergleich zum Hinter-Ohr-Hörgerät wird sofort erlebbar, Haptik und Handling ebenso. Der Kunde kann das Gerät tatsächlich gleich mitnehmen!

Vielen Dank für das Gespräch.

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