Forschungsprojekt „Kurzzeittherapie bei Depressionen“ in der LWL-Klinik

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(v. l.) Die Psychologinnen Katharine Ackermann und Tatjana Kaas im Interview mit den IN-StadtMagazinen. (Foto: IN-StadtMagazine)

Sie leiden an einer Depression, sind medikamentös mit Antidepressiva eingestellt, warten auf einen Therapieplatz für eine Psychotherapie und sind das Warten leid? Dann bewerben Sie sich doch für das Forschungsprojekt der LWL-Klinik Dortmund „Kurzzeittherapie bei Depressionen“.

Die Therapie wird entweder persönlich, am Telefon oder am Videotelefon durchgeführt. Die Auswahl der Therapieform erfolgt durch ein Losverfahren – Termine für die Therapie, die einmal in der Woche stattfindet, können individuell abgesprochen werden. Am Anfang steht, egal welcher Variante man zugelost wurde, ein Kennenlern- und Diagnosegespräch mit den Psychologinnen Katharine Ackermann oder Tatjana Kaas – ein weiteres Gespräch mit ihnen erfolgt nach Beendung der Therapie nach sechs Monaten.

Katharine Ackermann und Tatjana Kaas im Interview mit wichtigen Informationen zum Forschungsprojekt:

– Die LWL-Klinik bietet eine Kurztherapie zur Behandlung von Depressionen im Rahmen eines Forschungsprojektes an. Was muss man sich darunter vorstellen?

Im Rahmen des Projekts bieten wir 10 Therapiesitzungen an. Der Inhalt dieser Sitzungen ist vorgegeben und orientiert sich an bereits bewährten Therapieverfahren der Verhaltenstherapie. Vor Beginn der Therapiesitzungen führen wir mit jedem Patienten ein persönliches Vorgespräch, in dem es um das gegenseitige Kennenlernen, aber auch das Erheben von diagnostischen Angaben geht. Im Anschluss an das Vorgespräch werden die Patienten einer von drei Therapieformen zugelost. Diese unterscheiden sich nur im Medium (Telefon, Videotelefon, face-to-face), in dem die Therapiesitzung durchgeführt wird. Daraufhin folgen die Therapiesitzungen, die in allen Therapieformen gleich strukturiert sind. Diese finden einmal wöchentlich für je 50 Minuten statt. Unmittelbar nach Beendigung der Therapie findet nochmals eine diagnostische Sitzung statt, um Veränderungen der Symptomatik ermitteln zu können. Zudem findet 6 Monate nach Beendigung der Therapie eine abschließende diagnostische Sitzung statt, um langfristige Einflüsse der Therapie zu ermitteln. Teilnehmen darf jeder, der Interesse hat und an einer Depression leidet, sowie bereits medikamentös eingestellt ist.

– Warum ist eine Psychotherapie bei Depressionen sinnvoll? Reicht nicht einfach die medikamentöse Behandlung?

Medikamentöse Behandlungen reduzieren zwar die Symptome, bearbeiten aber oft nicht die psychologischen Ursachen einer Depression. Neben oft veränderten Botenstoffen im Gehirn bei Personen mit Depressionen spielen auch die Lebensumstände, Gedanken und Gewohnheiten eine große Rolle. An dieser Stelle greift Psychotherapie ein, die den Patienten die Möglichkeit bietet, bewusst an sich zu arbeiten und „Werkzeug“ zu erhalten, um selber Einfluss auf die Depression zu haben. Ziel ist, dass es über die Psychotherapie hinaus zu einer Stabilisierung kommt und weitere depressive Episoden vermieden werden können. Auch in vielen Studien hat sich gezeigt, dass sowohl medikamentöse Behandlungen als auch Psychotherapien einen positiven Einfluss bei der Behandlung von Depressionen haben.

– Ist eine Teletherapie per Telefon oder Video überhaupt machbar? Fehlt da nicht der persönliche Kontakt von Arzt zu Patient?

Eine Teletherapie kann sehr sinnvoll sein, gerade wenn die Wartezeiten endlos lang, die Therapeuten weit entfernt, und lange Fahrtwege damit verbunden sind. Teletherapie soll dabei helfen diese Probleme zu überwinden und den Zugang zur ambulanten Therapie zu erleichtern. Allerdings haben wir es als sehr sinnvoll empfunden, dass das Erstgespräch im persönlichen Kontakt stattfindet. Darüber hinaus bietet jede Therapieform ihre ganz eigenen Vorteile. Therapie übers Telefon oder Videotelefon bietet viel mehr Flexibilität und erspart den Anfahrtsweg. Zudem meldeten bereits erste Teilnehmer zurück, dass durch den fehlenden Blickkontakt bei der Telefontherapie die Hemmung sinke, unangenehme Themen anzusprechen. Die face-to-face-Form ist hingegen die Art der Therapie, die jeder kennt und am Anfang durch die meisten gewünscht wird. Der Vorteil hierbei ist, dass die Reaktionen des Gegenübers auch über das Gesagte hinweg wahrgenommen werden (z. B. Mimik und Gestik). Die Form der Videotelefonie ist ein guter Kompromiss aus beidem, wobei zu erwähnen ist, dass bei unserem Projekt die Video-Telefon-Form in der Klinik stattfindet.

– Wie lange läuft das Forschungsprojekt schon und gibt es bereits verwertbare Erkenntnisse?

Das Forschungsprojekt hat im Herbst 2016 begonnen. Seitdem haben wir über 70 Patienten in das Projekt aufnehmen können. Bisher zeigte sich in vorläufigen Ergebnissen, dass alle drei Therapieformen zu einem Rückgang der depressiven Symptomatik geführt haben, wobei sich kein Unterschied zwischen den drei Medien gezeigt hat. Das Feedback der Patienten war bisher durchweg positiv. Sie bekommen durch die Therapie Möglichkeiten für den Umgang mit den eigenen Depressionen an die Hand, die auch noch nach der Therapie genutzt werden können. So kann einem erneuten Rückfall vorgebeugt werden.

Kontakt per Mail: depressionstherapie@lwl.org
Mit Projektleiterin Dr. Bianca Ueberberg: 0231/4503 – 2673

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