Die Feinmotorik der Sinne – der Sinnesgarten in der Virchowstraße

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Birgit Knehans, Fachbereichsleiterin der Diakonischen Pflege Dortmund, hat den Sinnesgarten geplant. (Fotos: Diakonie)

Wie reagieren die Sinne in Anbetracht einer „jahreszeitbedingten Blumenpracht“? Da ist das Rosa der Blüten, da summen die Hummeln im Hochbeet, da ist die Blattstruktur zwischen den Fingerkuppen, dann ist da der herbe Kräutergeruch an den Fingerspitzen.

Und was geschieht, wenn ich dann den Finger auf die Zunge lege? Man stelle sich einmal vor, einer dieser Sinneseindrücke wäre eines Tages einfach nicht mehr da. Wir müssten uns mit dem Verbliebenen behelfen und es gäbe da einen blinden Fleck im Erleben.

Birgit Knehans, Fachbereichsleiterin der Diakonischen Pflege Dortmund, spricht hier nicht vorrangig von physischen Einschränkungen wie einem zerstörten Sehnerv. „Gerade Menschen mit kognitiven Einschränkungen verlieren ganz viele Sinne“, sagt sie und meint die BewohnerInnen eines Mietshauses mit betreutem Wohnen in der Virchowstraße und die Demenzgruppe im Souterrain. Dort nämlich wurde im Jahr 2018 ein Sinnesgarten angelegt, den Knehans mit der Firma Passgenau und einem Landschaftsgärtner geplant und zur Hälfte finanziert mit Mitteln der Stadtteilagentur umgesetzt hatte. Ziel ist es, dass die NutzerInnen des Gartens „die Feinmotorik der Sinne wiederbekommen“.

„Wenn ich im Hochbeet pflanze, habe ich den Tastsinn wieder“ und so wäscht eine Hand die andere, denn „wir brauchen auch die Mieter“. Die sind ganz wichtig, um den Garten zu beleben. Zusätzlich zu den beiden Hochbeeten finden die BewohnerInnen und Gäste Klangschalen und sogenannte Tastelen aus Holz, die mit unterschiedlichen Oberflächen auf unterschiedliche Weise den Tastsinn ansprechen. Von Frühling bis Herbst plätschert und glitzert auch ein Wasserspiel, dessen Nass ein ganz eigenes Fühlen auf der Haut erzeugt.

Gleichzeitig ist es Knehans wichtig, dass der Sinnesgarten als „Garten der Begegnung“ genutzt wird. Deshalb hat sie einen von zwei Seiten begehbaren Pavillon aufstellen lassen, in dem sich die NutzerInnen gemeinsam aufhalten können. Auch spezielle behindertengerechte Sitzbänke sind entlang des achtförmigen barrierefreien Weges verteilt.

Dieser Weg, der sich um einen großen Baum rankt, wird vor allem den Menschen mit Demenz gerecht, „die oft ja so auf Reisen gehen“, wie Diakonie-Sprecher Tim Cocu es ausdrückt. „Bewegungsdrang“ nennt Knehans das Phänomen, von dem er spricht. Drei Mal fünf Stunden in der Woche können an Demenz Erkrankte in der Virchowstraße verbringen, um der Vereinsamung entgegenzuwirken und ihren Tag leichter gestalten zu können. Auch die Angehörigen soll das Angebot entlasten. Langsam tastet sich die Demenzgruppe an den Sinnesgarten heran, der von den MieterInnen bereits rege genutzt wird.

In der Demenzgruppe stehen noch freie Plätze zur Verfügung. Die Diakonische Pflege lädt Interessierte zu einem kostenlosen Schnuppertag ein. Information und Anmeldungen unter Tel. (0231) 84 94 745.

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