Wir sind Partner der friedlichen Fußballfans

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Interview mit Polizeidirektor Edzard Freyhoff (Polizei Dortmund) – Die Präsenz von Polizeikräften bei Fußballspielen ist in der Bundesliga und bei internationalen Partien ein gewohntes Bild. Dabei sind die Einsätze der Polizei und ihr Verhältnis gegenüber den Fans oft Gegenstand vieler Diskussionen und werden häufig sehr unterschiedlich beurteilt. „Anpfiff” hatte die Gelegenheit, mit Vertreten der Polizei Dortmund über ihre Arbeit während der Fußballspiele im Dortmunder Stadion sowie über die Vor- und Nachbereitung ihrer Einsätze zu sprechen. Polizeidirektor Edzard Freyhoff, Leiter Polizeiinspektion 1 in Dortmund, beantwortete die Fragen unserer Redaktion.

Redaktion: Die Einsätze
der Polizei anlässlich von
Fußballspielen sind immer ein
viel diskutiertes Thema.
Sehen Sie die Arbeit der Polizei
häufig auch als ungerecht beurteilt?

Edzard Freyhoff: Zunächst einmal muss herausgestellt werden, dass für die Sicherheit bei einer Veranstaltung, also einem Fußballspiel, der Veranstalter die Verantwortung trägt. Im Falle eines Heimspiels von Borussia Dortmund also der BVB. Die Polizei nimmt ausschließlich ihre gesetzlichen Aufträge wahr, also die Gefahrenabwehr und die Strafverfolgung. Diese beiden Aufgaben werden vom Veranstalter nicht übernommen. Das ist vom Grundsatz her schon mal eine sehr wichtige Trennung, die oft nicht bekannt ist und hin und wieder zu unterschiedlichen Beurteilungen von Polizeieinsätzen bei Fußballspielen führen kann.

Redaktion: Kann man eigentlich beziffern, wie viele Polizeibeamte bei einem Bundesligaspiel von Borussia Dortmund im
Durchschnitt im Einsatz sind?

Edzard Freyhoff: Das kann man so pauschal nicht beantworten, da die Anzahl der eingesetzten Polizeibeamten von Spiel zu Spiel unterschiedlich ausfällt. Je nachdem, wie das Spiel bewertet wird, differiert die Zahl der eingesetzten Beamten zwischen einer Hundertschaft und 2000 Beamtinnen und Beamten. Wir richten unseren Personaleinsatz entsprechend der zu erwartenden Gewaltlage aus.

Redaktion: Das bedeutet, Sie nehmen vorab für jede Partie eine einzelne Bewertung bzw. eine einzelne Gefahrenprognose vor?

Edzard Freyhoff: Ja, vom Grundsatz her muss man das wie folgt sehen: wenn der Spielplan für die neue Saison oder für die bevorstehende Rückrunde vorliegt, setzen wir uns mit unseren szenekundigen Beamten und den Mitarbeitern der Führungsstelle, die die Einsätze vorbereiten, zusammen. Dort treffen wir dann eine Risikobewertung. Das bedeutet, wir nehmen eine Bewertung der anstehenden Spielpaarungen vor. Diese Risikobewertung ergibt dann im Ergebnis ein Ampelsystem. „Rot” ist ein Risikospiel, „Gelb” ein Spiel mit erhöhtem Risiko und „Grün” ist ein Spiel mit geringem Risiko. Um zu dieser Ampeleinteilung zu gelangen, werden verschiedene Kriterien zur Beurteilung herangezogen. Dazu gehören beispielsweise folgende Fragen: Wie ist das Fanverhalten? Wie ist die Fanbeziehung zwischen den beiden Fangruppierungen? Was ist in der Vergangenheit passiert? Beim letzten Punkt spielt es eine untergeordnete Rolle, wie viele Beleidigungsdelikte es gab, sondern wie viele Delikte sind aufgetreten, in Bezug auf Gewalt oder auf Pyrotechnik. Und alle diese Kriterien führen zunächst mal zu einer entsprechenden Risikobewertung des jeweiligen Spiels. Anhand dieser vor Saisonbeginn vorgenommenen Bewertungen richtet sich unser geplanter Kräfteeinsatz und die Aufbauorga-
nisation beim Einsatz. Bei einem Risikospiel arbeiten wir selbstverständlich mit einer anderen Struktur als bei einem „Grün”-Spiel. Weil wir die Kräfte anders organisieren müssen. So ca. 3-4 Wochen vorher wissen wir dann genau, wie viele Gästefans kommen und kennen Details über deren Anreise. Z.B. gibt es Sonderzüge zum Signal Iduna Park oder reisen die Gästefans normal am Dortmunder Hauptbahnhof an? Welche Anmarschwege kommen neben den öffentlichen Verkehrsmitteln infrage? Oder – denken wir an das Champions League-Spiel gegen Galatasaray Istanbul – ist ein Fanmarsch zu erwarten? Dann kann es natürlich in der Zeit vor dem Spiel Ereignisse geben, die bei uns zu dem Ergebnis führen, dass wir ein Spiel vom Risiko her höher einstufen. Beispielsweise wenn Fangruppierungen oder Teile von Fangruppierungen zwischenzeitlich irgendwelche Überfälle bei gegnerischen Fanlagern begangen haben. Denn die Reizschwelle, sich möglicherweise zu irgendwelchen Straftaten hinreißen zu lassen, ist bei der Gegenseite dann geringer.

Redaktion: Gibt es bei der Vorbereitung der Einsätze bei Fußballspielen gemeinsame Vorbereitungsgespräche mit Vereinen, Ordnungsdiensten und Fanclubs?

Edzard Freyhoff: Mit dem BVB sprechen wir natürlich im Vorfeld. Wir stimmen auch unsere Risikobewertungen mit dem Verein ab, der sich dann – was den Ordnungsdienst anbetrifft – auch entsprechend darauf einstellt. Denn bei einem „Rot”-Spiel hat man natürlich auch von Seiten des BVB mehr Ordnungsdienstkräfte im Einsatz als bei einem „Grün”-Spiel. Was die Abstimmung mit Fanclubs betrifft, sprechen wir – das kann man durchaus sagen – vor einem Spiel relativ wenig mit den Fans. Wir beschäftigen uns im Wesentlichen mit dem zu erwartenden Verhalten des Gastvereins, aber auch mit dem unserer Ultra-Gruppierungen. Weil sie eben als organisierte Fangruppierungen und von der Größe her ein Potenzial darstellen, das oft polizeiliche Maßnahmen erfordert bzw. uns durch verschiedene Aktionen auch schon einmal vor einige Herausforderungen stellen kann. Insgesamt ist das eine Gruppe von rd. 1.000 Personen, die sich doch häufig anders verhalten als z. B. die zahlreichen Fanclubs, die für ein reines Fußballerlebnis jedes zweite Wochenende nach Dortmund kommen. Natürlich sprechen wir aber mit den Fanbeauftragten der Vereine, so dass wir ein Gespür für die Gedanken und Wünsche der Fans bekommen. Wir sind aber durchaus immer gesprächsbereit und befürworten es, den Dialog mit den Fans zu intensivieren, um polizeiliche Dinge zu erklären und auch Fragen zu beantworten. Das Angebot steht und ich erneuere das jedes Jahr. Bisher gabt es da allerdings keine Resonanz

Redaktion: Man hört häufiger, dass von Seiten der Ultras ein Dialog mit der Polizei kategorisch abgelehnt wird. Worin sehen Sie die Ursachen für das schlechte Verhältnis und die ungenügende Kommunikation?

Edzard Freyhoff: Wir haben zu Beginn der Saison alle drei großen Ultragruppen von Borussia Dortmund, also Jubos, Desperados und Unity angeschrieben und mitgeteilt, dass wir gerne eine Bilanz der letzten Saison ziehen würden, verbunden mit der Bitte, sich einmal in unserem Haus für ein Gespräch zu treffen. Dies auch vor dem Hintergrund, dass die vergangene Saison in Dortmund aus Polizeisicht relativ gut verlaufen ist.

Wir hatten eine überschaubare
Anzahl von Straftaten
im Zusammenhang mit
Fußballspielen und kein Spiel,
wo es Pyrotechnik auf der
Südtribüne gegeben hat.

Auch auf den Anmarschwegen lief es eigentlich, insgesamt gesehen, ganz zufriedenstellend. Wir wollten in diesem Gespräch eine Bilanz ziehen nach dem Motto „es ist unter dem Strich gut gelaufen, was lernen wir daraus für die nächste Saison? Gibt es Wünsche der Polizei, gibt es Erwartungen der Polizei? Gibt es Wünsche und Erwartungen der Ultragruppierungen?” Wir haben die Fangruppierungen angeschrieben und haben dann aber sehr schnell erfahren müssen, dass die Ultragruppierungen nicht mit der Polizei reden. Die Abgrenzung gegenüber der Polizei ist ja bekanntlich ein Bestandteil der Ultrakultur. Es gibt da diese These, dass „die Polizei für die Ultras der natürliche Feind ist”. So sollte es aber nicht sein. Darum kann ich unsere Gesprächsbereitschaft nur noch einmal wiederholen. Wir können uns jederzeit für ein Gespräch treffen. Das ist sinnvoller als die Botschaften der Polizei erst während eines Einsatzes zu kommunizieren.

Redaktion: Problematisch sind oft auch die Aufeinandertreffen von gegnerischen Fans bei der An- und Abreise. Kann man dazu etwas sagen, wie sich die Polizei darauf vorbereitet?

Edzard Freyhoff: Bei der An- und Abreise der Fans sind wir als ja nicht in erster Linie im Boot. Da gibt es ja z. B. auch die Bundespolizei, die ihre Zuständigkeit für die Bahnhöfe und Reisewege hat. Auch die Bahn selbst bereitet sich entsprechend auf einen Spieltag vor. Es gibt dort ebenfalls Risikoeunschätzung für die einzelnen Parteine und damit folgend auch die Feststellung, wie viele Kräfte bereitgestellt werden müssen, um ein Aufeinandertreffen von Fans bei den mannigfaltige Reisebewegungen zu verhindern. Das sind umfangreiche Einsatzbefehle, die die Bundespolizei dort macht und ein immenser Aufwand, weil natürlich die Fangruppierungen quer durch die gesamte Republik fahren. An bestimmten Bahnhöfen treffen Züge mit gegnerischen Fangruppierungen der gesamten Liga zusammen und leider gibt es dann hin und wieder Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Fanlagern, die an diesen Bahnhöfen aufeinandertreffen, obwohl ihre Teams gar nicht gegeneinander spielen.

Redaktion: Wo endet denn der Zuständigkeitsbereich der Bundespolizei?

Edzard Freyhoff: Am Bahnhof. Wir übernehmen dann, sobald die Fans den Bahnhof verlassen bzw. ihre Anreise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fortsetzen.

Redaktion: Hin und wieder wird Kritik geäußert, dass Polizisten bei Fußballspielen eingesetzt werden, die nicht besonders ortskundig sind, weil sie normalerweise ihre Polizeiarbeit in anderen Regionen verrichten. Wie ist Ihre Meinung dazu?

Edzard Freyhoff: Grundsätzlich muss hierzu gesagt werden, dass wir die Einsätze in der Regel nicht nur mit Beamten des Polizeipräsidiums Dortmund bestreiten. Wir haben in einer Vielzahl von Einsätzen auch Kräfte der Bereitschaftspolizei dabei, die aus ganz NRW kommen. Natürlich gibt es darunter auch immer Kolleginnen und Kollegen, die sich nicht so gut auskennen. Man tauscht sich dann aber immer entsprechend aus, vor jedem Einsatz gibt es eine Einsatzbesprechung, in der auch solche Schwierigkeiten erkannt und behoben werden können. Zusätzlich stehen bei jedem Einsatz genügend Kartenmaterial und elektronische Systeme zur Information zur Verfügung. Wir möchten möglichst ein Aufeinandertreffen von gegnerischen Fangruppierungen ausschließen. Ich kann im Einzelfall allerdings nicht ausschließen, dass Fans möglicherweise auch schon einmal in die falsche Richtung geschickt worden sind, aber das ist die absolute Ausnahme und sollte es auch bleiben.

Redaktion: Viele Bereiche in den Stadien werden mittlerweile videoüberwacht. Hat sich diese Technik bewährt? D. h. schreckt sie ab oder konnten Täter dadurch schneller und zweifelsfrei identifiziert werden?

Edzard Freyhoff: Ja, die Videotechnik hat sich auf alle Fälle bewährt. Wir haben aufgrund von Videoaufnahmen eine Vielzahl von Verfahren gegen Straftäter einleiten können. Wir haben eine ganz hervorragende Technik, die uns in die Lage versetzt, fast Portrait-Aufnahmen von Tätern zu fertigen und auch Täter beim Werfen oder Zünden von Pyrotechnik zu identifizieren. Sie sehen ja normalerweise bei Pyrotechnik zunächst einmal nur die Wirkung der Pyrotechnik. Also, man sieht lediglich das Brennen oder hört den Knall. Man hat dann verständlicherweise nicht die Person im Blick, die die Pyrotechnik gezündet und geworfen hat. Der komplette Wurfvorgang fehlt. Und den brauchen wir natürlich, um den Beweis zu führen, dass ein Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz, andere Gesetze oder Auflagen vorliegt. Die Videotechnik im Stadion ermöglicht aber ein Rückspulen, so dass wir sekundengenau den Wurf eines pyrotechnischen Gegenstandes zurückverfolgen können, bis wir bei der Person landen, die tatsächlich gezündet und geworfen hat. Davon fertigen wir entsprechende Aufnahmen und drucken sie aus, denn in der Regel kennen wir die Person nicht. Wir fragen dann die Fan- und Sicherheitsbeauftragten der Gastvereine – meistens wird Pyrotechnik ja bei den Anhängern des Gastvereins gezündet – „Kennt ihr den?” Falls er dort nicht bekannt ist, nehmen wir die betreffende Person dann beim Verlassen des Blocks fest. Sie wird dann polizeilich identifiziert und die entsprechenden Strafverfolgungsmaßnahmen werden eingeleitet. Davon, dass wir die Täter mittels dieser Videotechnik höchst erfolgreich überführen und festnehmen können, bekommt die Öffentlichkeit oft überhaupt nichts mit. Natürlich müssen wir auch zugeben, dass wir nicht jeden Täter identifizieren können, aber die Erfolgsquote ist schon sehr hoch.

Redaktion: Wenn Sie jemanden als Täter identifiziert haben, ist die häufige Konsequenz oft ein Stadionverbot. Wie stellen Sie denn sicher, dass der Betreffende beim nächsten Spiel dann nicht doch wieder ins Stadion kommt?

Edzard Freyhoff: Die Polizei selbst spricht ja keine Stadionverbote aus. Wir teilen den Sachverhalt, wenn er hier im Stadion stattgefunden hat, dem BVB mit und regen ein bundesweites Stadionverbot an. Das ist das Formelle. Letztendlich ist der BVB bzw. der DFB in der Verantwortung, diese Person dann aus gefahrenabwehrenden Gründen von Fußballspielen auszuschließen. Wenn die Voraussetzungen für ein Stadionverbot ausreichen und es zum Verbot kommt, wird die Polizei davon in Kenntnis gesetzt. Unsere szenekundigen Beamten sind bei der Bearbeitung der Stadionverbote involviert und kennen die betreffenden Personen nicht nur von den Lichtbildern her, sondern in der Regel auch persönlich. Es wird also für Stadionverbotler sehr schwer, dennoch ins Stadion zu gelangen. Und in der Tat sind uns nur wenige Einzelfälle bekannt, in denen das gelungen ist. Es muss ja auch berücksichtigt werden, dass ein Stadionverbot für den Bestraften die Höchststrafe bedeutet. Bricht er das Stadionverbot, geht er natürlich ein hohes Risiko ein, dass sich das Stadionverbot verlängert. Aber wie schon erwähnt, unsere szenekundigen Beamten haben diese Angelegenheit sehr gut im Griff. Leider haben wir auch eine steigende Zahl von Anhängern des BVB, die insbesondere bei Auswärtsspielen durch Straftaten aufgefallen sind und jetzt mit einem bundesweiten Stadionverbot belastet sind. Trotzdem behalten wir die Stadionverbotler auch weiterhin im Auge. Denn sie marschieren gewöhnlich weiterhin mit den Fangruppen Richtung Stadion, verabschieden sich dann von diesen, sind aber im Veranstaltungsbereich immer noch präsent. Die Gefahr besteht also, dass sie versuchen, von außen Straftaten zu organisieren oder dass sie möglicherweise selbst Angriffe auf Gastgruppierungen im Veranstaltungsbereich planen. Wenn wir also dementsprechende Gefahrenlagen erkennen, ist es unser Ziel, dieses natürlich aktuell durch Polizeikräfte zu verhindern und zukünftig zu prüfen, ob diesen Personen über ein Bereichsbetretungsverbot oder eine Meldeauflage der Besuch des Veranstaltungsraumes untersagt werden kann.

Redaktion: Wenn Sie sagen „Veranstaltungsbereich” – wie muss man sich das vorstellen? Heißt das z. B. ein Radius von rd. 1 km rund um das Stadion?

Edzard Freyhoff: Nein, so ist es nicht definiert. Es ist viel genauer und umfasst anlassbezogen z. B. auch die Parkplätze und die Anmarschwege der Fangruppierungen, Wenn also die Gefahrenprognosen ausreichen, können wir den jeweiligen Personen das Betreten dieses Gefahrenbereichs für den Zeitraum des Spiels mit entsprechenden Zeitangaben untersagen.

Erfolgt ein Verstoß,
bekommt der
Betroffene sofort
einen Platzverweis und
muss damit rechnen
– bei Nichtbefolgung –
sofort in Gewahrsam
genommen zu werden.

Redaktion: Noch einmal zurück zum Stadionverbot. Ist es nicht auch so, dass derjenige, gegen den ein Stadionverbot verhängt wurde, verpflichtet wird, sich vor dem Beginn eines Spiels zu festgesetzten Zeiten bei einer Polizeiwache zu melden?

Edzard Freyhoff: Nein, das hat mit dem Stadionverbot nichts zu tun. Das ist das präventiv polizeiliche Mittel der Meldeauflage. Derjenige bekommt dann die Auflage, sich am Spieltag, wenn das Spiel z. B. um 15:30h beginnt, um 15h, 16h und 17h auf einer Polizeiwache zu melden. Damit halten wir ihn, weil er Meldepflicht hat, von dem Besuch des Spielortes ab. Das machen wir aber auch nicht inflationär, denn auch hier gibt es rechtliche Voraussetzungen, die wir beachten müssen. Die allgemeinen und individuellen Gefahrenprognosen müssen belegbar sein und je nach Sachlage erfolgen hier auch umfangreiche Prüfungen durch das Verwaltungsgericht.

Redaktion: Erfolgen nach den Einsätzen bei Fußballspielen auch Nachbereitungen, bei denen analysiert wird „was ist gut gelaufen?” oder „was hätte man anders regeln müssen?”

Edzard Freyhoff: Ja, natürlich setzen wir uns nach jedem Einsatz zusammen und üben Manöverkritik. Waren wir gut aufgestellt oder wo sind die Schwachpunkte gewesen, was ist kritisch gelaufen, was ist gut gelaufen? Nach großen Spielen wird dies nicht nur im Gespräch, sondern auch in schriftlicher Form durchgeführt und alle Erfahrungen werden zusammengefasst. Da sind wir dann natürlich auch mit den Vereinen im Gespräch.

Redaktion: Wer trägt eigentlich die Kosten für einen Polizeieinsatz bei einem Fußballspiel? Wird da der Verein beteiligt?

Edzard Freyhoff: Nein, der Verein wird nicht beteiligt. Das zahlt der Steuerzahler.

Redaktion: Haben Sie als Vertreter der Polizei zum Abschluss eine Botschaft an die Fußballfans? Gibt es vielleicht Wünsche der Polizei, die man an dieser Stelle aufführen könnte?

Edzard Freyhoff: Ich wünsche mir, dass wir den Weg, den wir bisher gegangen sind, fortsetzen können und dass wir zukünftig noch weniger Straftaten haben werden. Dazu gehört auch, dass die Fanszene zunehmend mehr Verantwortung übernimmt. Wir wissen ja, dass die Fangruppierungen sich auch um soziale Projekte kümmern, wie Betreuung oder Resozialisierungsmaßnahmen. Und das machen sie vorbildlich und erfolgreich, obwohl es stellenweise noch zu wenig wahrgenommen wird. Wir wünschen uns aber auch zunehmende Einsicht und Verständnis bei einzelnen Gruppen bezüglich des Nichtbegehens von Straftaten. Beleidigungen von Polizeibeamten gehören nun mal nicht zum Fußball und haben auch sonst zu unterbleiben. Das hat mit Fußball ebenso wenig zu tun wie etwa vorsätzliche Verletzungen von anderen oder das Rauben von Fanschals und Fahnen. Und das Werfen eines Bierbechers, die Verletzung eines anderen damit billigend in Kauf nehmend, hat ebenfalls im Fußball nichts verloren. Da muss man sich ganz einfach besser im Griff haben. Und rd. 80.000 Leute im Dortmunder Stadion haben sich auch im Griff. Die gehen fröhlich und feiernd nach Hause, wenn der BVB gewonnen hat und frustriert, wenn verloren wurde. Aber dann ist es auch gut. Es sind ja nur verhältnismäßig wenige, die uns wirkliche Sorgen bereiten. Auch wenn einige Teile von Fangruppen das anders sehen – die Polizei ist kein Gegner der Fußballfans! Ganz im Gegenteil, wir sind Partner! Im Rahmen dieser Partnerschaft muss die Polizei Straftaten verhindern und Sorge tragen, dass niemand im Stadion oder auf den Wegen dorthin oder auf dem Heimweg verletzt wird. Pyrotechnik hat nichts dort zu suchen, wo Leute ein Fußballspiel sehen wollen und möglicherweise noch ihre Kinder mit ins Stadion genommen haben. Gegen Gewalttäter und Störer jeglicher Art werden wir weiterhin konsequent einschreiten. Dafür stehen meine Kollegen und ich. Wir wollen auch in Zukunft friedliche Fußballfeste feiern können.

Redaktion: Herr Freyhoff, vielen Dank für das interessante Interview.

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