Viel Explosivität und ein Leader in der Abwehr – die Neuzugänge des BVB

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(Foto: BVB)

Borussia Dortmund ist mit einigen Neuzugängen in die Saison 2019/20 gestartet:

Julian Brandt:
165 Bundesliga-Einsätze sind für einen 23-Jährigen eine stolze Bilanz. Keine Frage allerdings auch, dass Julian Brandt bei seinem Ex-Club Bayer Leverkusen über Jahre hinweg für Kontinuität stand. Technische Fähigkeiten konnte er dabei reichlich in die Waagschale werfen: Als ausgesprochen ballsicher und dynamisch gilt der gebürtige Bremer, dem als einem der ganz wenigen deutschen Kicker zudem das „Kunststück“ gelang, selbst bei der letztjährigen WM einen ordentlichen Eindruck zu hinterlassen.
Auch als Ecken- und Freistoßschütze dürfte er beim BVB eine Option werden.

Dass man ihn nicht glasklar einer der „klassischen“ Positionen zuordnen kann, mag als Vor- oder Nachteil gesehen werden. Tatsache ist jedenfalls, dass der U 19-Europameister von 2014 in der letzten Spielzeit seine Variabilität unter Beweis stellte, als er – zuvor vor allem als Linksaußen eingesetzt – unter Peter Bosz in seiner neuen Rolle als „Achter“ einen eher noch nachhaltigeren Eindruck hinterließ.

Und noch ein weiterer Aspekt verdient Beachtung: In Julian Brandts Sport-Vita muss man fast fünf Jahre zurückscrollen, um auf die letzte ernstliche Verletzung zu stoßen. Und auch „unkaputtbar“ dürfte in den nächsten Monaten ein bei den Borussen wichtiges Attribut sein.

Nico Schulz:
Kann man Nico Schulz als „Spätberufenen“ bezeichnen? Immerhin 26 Jahre alt ist der gebürtige Berliner schon, von dem man doch eher das Gefühl hat, seine Karriere habe erst 2018 so richtig begonnen. Und irgendwie stimmt das auch, kann man Schulz‘ bisherige Karriere doch im Grunde in drei Blöcke einordnen:

Da waren zunächst die Jahre 2013 bis 2015 bei der heimischen Hertha, in denen sich der Linksverteidiger mit grundsoliden Vorstellungen bei anderen Clubs empfahl. Bei seinem nächsten Arbeitgeber Borussia Mönchengladbach allerdings nahm ihn schon nach wenigen Wochen und nur zwei Pflichtspieleinsätzen ein Kreuzbandriss für den Rest der Saison aus dem Rennen, und auch nach seiner Rückkehr schien es nicht wirklich, als habe der Verein Verwendung für ihn.

Sein Neustart bei der TSG Hoffenheim wiederum sollte sich schnell als glückliche Entscheidung herausstellen. Unter Julian Nagelsmann entwickelte Schulz sich ab 2017 zunächst zur unverzichtbaren Fachkraft und schließlich vor fast genau einem Jahr sogar zum Nationalspieler. Die Messwerte weisen ihn als einen der schnellsten Außenverteidiger der Liga aus, und dieses hohe Tempo nutzt er immer wieder für gefährliche Flanken und intelligente Pässe in den Strafraum. So wurde aus dem „Spätstarter“ mit dem 25 Mio-Transfer zum BVB über Nacht der teuerste Linksverteidiger der Liga. Nicht zuletzt Aki Watzke schwärmt von den neuen Möglichkeiten, die sich den Borussen künftig mit ihren beiden konkurrenzlos schnellen Außen Schulz und Hakimi bieten.

Sollte sich der Linksfuß auch defensiv auf höchstem Niveau bewähren, dürften die Schwarzgelben enorm von ihm profitieren.

Thorgan Hazard:
Für hohe Ballsicherheit und große technische Möglichkeiten steht Thorgan Hazard. Mit Julian Brandt hat er nicht nur die Torgefahr gemeinsam, sondern auch die Tatsache, dass beide Neu-Borussen von Familienangehörigen gemanagt werden. Was im Falle des Belgiers aber auch naheliegt, machen doch nicht nur er, sondern auch seine beiden Brüder Kylian (Cercle Brügge) und – insbesondere – Eden (Real Madrid) im Weltfußball von sich reden. Eine weitere Parallele von Hazard und Brandt ist ihre Schnelligkeit, eine dritte schließlich ihre Stammposition auf der linken Außenbahn. Eigentlich! Doch während Julian Brandt (wie erwähnt) in der vergangenen Spielzeit überwiegend als eine Art „Achter“ zum Zuge kam, könnte Lucien Favre mit dem Ex-Gladbacher noch ganz andere Ziele haben: In der Vorbereitung nämlich kam der 26-Jährige vornehmlich im Sturmzentrum zum Zuge, wo er eine sinnvolle Taktik-Alternative zum wendigen Mario Götze und „Knipser“ Paco Alcacer darstellen würde.
Thorgan Hazards Chancen, seine jährliche Wette mit dem älteren Bruder für sich zu entscheiden, dürften so merklich steigen: Im Hause Hazard nämlich bekommt am Ende der Spielzeit jeweils der bessere der beiden Torschützen vom Unterlegenen ein Essen spendiert.

Bei allen Vergleichen mit anderen Spitzenfußballern – in einer Hinsicht ist Borussias Neuzugang vermutlich ein Unikat: Der Vorname des Belgiers ist offenbar eine Neukreation seiner Eltern, abgeleitet von einem Comic-Helden.

Mateu Morey:
Mateu Morey ist genau das, was man allgemein einen Perspektivspieler nennt. Gerade mal 19 Jahre alt, technisch versiert und aus „bestem Hause“, Barcelonas Talentschmiede La Masia, stammend, konnte sich der nur 1,72 m große, wendige rechte Verteidiger in seiner bisherigen Karriere bereits den EM-Titel der U17 sowie den Gewinn der UEFA Youth League sichern. Sergio Gomez, seit Anfang 2018 in Borussias Diensten, nahm den gleichen Weg und soll seinem ehemaligen und aktuellen Team-Kollegen den Wechsel wärmstens empfohlen haben.
Eine fast ein Jahr andauernde Verletzungsmisere mag dazu beigetragen haben, dass die Spanier ihren Nachwuchsmann ablösefrei weiterziehen ließen. An der Strobelallee dürfte er zunächst nicht in der ersten Reihe zu finden sein. Wobei allerdings erstens die Verträge seiner beiden direkten Konkurrenten um Einsatzminuten, Lukas Piszczek und Achraf Hakimi, nur noch bis zum kommenden Jahr laufen bzw. – im Falle des Marokkaners – ein Ende des Engagements schon besiegelt scheint. Und zweitens ist Lucien Favre bekanntlich immer mal für eine Überraschung gut.
Gesund bleiben indes sollte der auf Deutschlands liebster Urlaubsinsel Mallorca geborene Morey, um reale Chancen auf einen Karrieresprung zu bewahren. Aktuell setzt ihn eine Schulterverletzung voraussichtlich noch bis Anfang Oktober außer Gefecht.

Mats Hummels:
Sicherlich, auch Mats Hummels ist ein Neuzugang – aber niemand käme ernstlich auf die Idee, ihn einem BVB-Fan erklären zu wollen: 309 Pflichtspiele für die Schwarz-Gelben inklusive zweier Deutscher Meistertitel und eines Pokalsiegs, Teil des legendären „Double“-Teams von 2012, zwei Spielzeiten lang Kapitän der Borussen. Vor drei Jahren den Flieger in Richtung Bayern genommen, jetzt wieder zurück. Und Hummels‘ Ex-Coach Jürgen Klopp etwa attestiert dem 30-Jährigen ohne Wenn und Aber, immer noch der beste deutsche Innenverteidiger zu sein. In der Defensive der Borussen soll er nicht nur als Stabilisator, sondern auch als Leitwolf fungieren. Über 30 Mio. Euro hat der BVB sich diese zusätzliche Qualität kosten lassen, und Hummels damit als bislang teuersten Transfer in die Vereinshistorie eingehen lassen.

Bei aller Popularität könnte übrigens der Geburtsort des Weltmeisters von 2014 trotz allem als „Partywissen“ durchgehen: Bergisch Gladbach ist’s – zumindest das weiß möglicherweise noch nicht jeder.

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