Lesetipp: „Dortmunder Jungs“ – ein neues Buch über die Fans des BVB

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Interview mit Buchautor Felix Meininghaus – Dass Borussia Dortmund Millionen von Fans hat, ist nichts Neues.

Aber in dem Buch „Dortmunder Jungs”, das der Journalist Felix Meininghaus und Fotograf Achim Multhaupt gemeinsam verfasst haben, geht es um ganz besondere Fans des BVB und deren ganz besondere Geschichten. 31 BVB-Fans unterschiedlichster Herkunft, Berufe oder Regionen erzählen ihre persönlichen Beziehungen und Erlebnisse rund um den BVB. Dabei sind die Erzählungen eine sehr bunte Mischung aus Humor, Abenteuern, aber auch Ernsthaftigkeit und Nachdenklichem. Zu Wort kommen natürlich Prominente wie aktive und ehemalige Spieler (Neven Subotic, Nuri Sahin, Kevin Großkreutz, Dede) oder Verantwortliche aus dem Management des BVB (Michael Zorc, Hans-Joachim Watzke). Zu Wort kommen aber auch – wie es immer so schön heißt – „Leute wie „Du und ich”. Alle sind sie vom schwarzgelben Virus befallen und ebenso sind sie absolut resistent gegenüber Viren anderer fußballerischer Farbkombinationen. Denn wer klettert schon auf einen Alpengipfel, um dort zu Ehren eines verstorbenen Freundes eine BVB-Fahne zu hissen oder wer verzögert freiwillig seinen Schulabschluss um ein Jahr, nur um das Abschlussjahr „04″ auf dem Abiturzeugnis zu vermeiden?

„Anpfiff” hatte Gelegenheit,
etwas mehr über das Buch,
seine Hintergründe und seine
Entstehungsgeschichte zu
erfahren und sprach mit dem
Autor Felix Meininghaus.

Redaktion: Wenn man ein Buch über Fans von Borussia Dortmund schreibt, liegt eigentlich die Vermutung nahe, dass Felix Meininghaus und Achim Multhaupt selbst ebenfalls BVB-Fans sind, oder?

Felix Meininghaus: Ja, das ist richtig, obwohl man sich als Journalist natürlich grundsätzlich Neutralität bewahren und dann oft die Vereinsliebe ausblenden muss. Aber es stimmt schon, vom Herzen her bin ich Fan von Borussia Dortmund. Ich stamme zwar aus Bonn, aber als mich als 14-Jähriger der Bruder eines Freundes, der schon einen Führerschein hatte, mit ins Westfalenstadion genommen hatte, war es um mich geschehen. Wenn es ging, bin ich dann immer zu den Heimspielen nach Dortmund gefahren und habe mir für damals noch 4 DM eine Stehplatzkarte auf der Südtribüne geleistet. Und heute stehen meine Söhne quasi als meine Nachfolger dort. Achim ist dagegen im Revier geboren und von daher natürlich schon von klein auf mit dem Verein aufgewachsen und eng mit ihm verbunden. Und das selbstverständlich auch heute noch, obwohl ihn sein Beruf als Fotograf mittlerweile nach Hamburg verschlagen hat.

Redaktion: Was war für euch beide denn eigentlich der Anlass, ein Buch über einige ausgewählte Fans des BVB zu schreiben?

Felix Meininghaus: Die Idee dazu hatte Achim, der das Ganze auch konzipiert hat. Achim hatte schon mal etwas Ähnliches gemacht, er hatte gemeinsam mit einem Journalisten zwei Bücher über Schiffskapitäne verfasst, in denen es um die Erlebnisse der Kapitäne ging, die entweder lustig, kurios oder auch ernsthaft ausfielen. Dadurch kam dann bei Achim der Wunsch auf, so etwas auch einmal für den „Verein seines Herzens” zu machen. Dann hatte Achim mit mir Kontakt aufgenommen. Ich hatte erst kurz zuvor ein anderes BVB-Buch „Helden in schwarzgelb” fertiggestellt und als Achims Anfrage kurz darauf kam und er mir seine Idee beschrieben hat, habe ich keinen Moment gezögert und gesagt „na klar, das machen wir!”. Aus Achims Idee ist dann eine Freundschaft zwischen uns entstanden, und wir haben fast drei Jahre gemeinsam an unserem Buch gearbeitet. Wir haben die einzelnen Protagonisten erst einmal gesucht, sie besucht und befragt. Achim hat alle Kandidaten mit teilweise sehr aufwändigen Fotoshootings ins Bild gesetzt. So ist das Buch im Laufe der Zeit gewachsen mit den ganz persönlichen Geschichten von 31 BVB-Fans.

Redaktion: Es sind ja in den letzten Jahren, auch bedingt durch die Erfolge des Vereins, recht viele Bücher herausgekommen. Hattet ihr beide da nicht eventuell Bedenken, dass die Leute sagen, „ach, schon wieder ein neues BVB-Buch, das brauche ich jetzt aber nicht auch noch!”?

Felix Meininghaus: Uns war von Anfang an klar, dass wir mit unserem Buch eine Nische besetzen, dass wir eben ein Buch verfassen, das es in dieser Form bisher noch nicht gibt. Insofern hat unser Buch da schon ein Alleinstellungsmerkmal. Das sind ja alles Geschichten von und über Fans, die eben in die Tiefe gehen und wo nicht jemand auf einer Buchseite einfach mal so ganz kurz portraitiert wird. Dazu kommen dann noch Achims qualitativ hochwertige Fotografien an den zu den Kapiteln passenden Orten, wie zum Beispiel die von Gastwirt und BVB-Fan Dieter, der in Hamburg eine BVB-Kneipe betreibt (Anmerkung der Redaktion: siehe auch Seite 14). Man hat ja als Leser einige Zeit zu tun, um die einzelnen 31 Kapitel zu lesen und für den Leser soll es vor allem neu, interessant und lesenswert sein.

Redaktion: Wie habt ihr euch die Arbeit aufgeteilt? Gab es da eine strikte Trennung, wer die Texte schreibt und wer fotografiert?

Felix Meininghaus: Ja, das haben wir schon getrennt. Aus diesem Grund hat die Fertigstellung auch fast drei Jahre gedauert, denn ein solches Buch kann man nun wirklich nicht in drei Monaten „zusammenschustern”. Wir haben die Termine bei den Fans in der Regel immer zusammen gemacht. Ich habe die Protagonisten interviewt, Achim hat dann die Aufnahmen vorbereitet und seine Ideen für die Fotos, also die einzelnen Perspektiven und die Hintergrundmotive immer vorher ausführlich mit den einzelnen „Dortmunder Jungs” besprochen.

Redaktion: Wie habt ihr eigentlich eure 31 „Dortmunder Jungs” gefunden, und was waren da die Auswahlkriterien?

Felix Meininghaus: Das Hauptkriterium war immer, dass jemand eine besondere Geschichte zu erzählen hat. „Dortmunder Jungs” und natürlich auch „Dortmunder Mädels” gibt es ja tausendfach und das weltweit. Es reicht nicht, wenn jemand seit Jahrzehnten jedes Heimspiel besucht oder populär ist. Hansi Küpper, der ja mit seiner persönlichen Geschichte auch im Buch vorkommt, ist da ein schönes Beispiel. Er ist eben nicht nur populär, sondern hat auch eine eigene originelle Geschichte zu erzählen. Eben die, wie er als Schüler von der Schwimmbadseite über den Zaun ins Westfalenstadion gelangt ist. Da wurde er dann von den Ordnern mit Schäferhunden verfolgt, und als er dann in der Zuschauermasse auf der Südtribüne Schutz fand und nicht mehr gesehen werden konnte, war er „gerettet”.
Die Buchinhalte wuchsen auf natürliche Weise. Man trifft Leute mit ihrer besonderen BVB-Fan-Geschichte, und die kennen oft weitere, die ebenfalls ihre ganz persönliche BVB-Geschichte erzählen können. Dazu kommen natürlich auch Ergebnisse, die man selbst recherchiert hat. Wie zum Beispiel das Kapitel von Petra Meschke, einer Lehrerin aus Dortmund-Deusen, die nach der gewonnenen Meisterschaft in 2011 ihre Klasse gebeten hat, am Montag in schwarzgelb in die Schule zu kommen. Das an sich ist ja noch keine originelle Angelegenheit. Kurios wird sie erst dadurch, dass es deshalb eine Eingabe von einem besorgten Bürger beim Kultusminister in Düsseldorf gab. Und das hat dann doch tatsächlich zu einer amtlichen und offiziellen Untersuchung geführt. Irgendwann ist dieser „Vorfall” dann in die Printmedien und ins Fernsehen gekommen. Alle wollten über die Lehrerin und ihre in schwarzgelb eingekleidete Schulklasse berichten. Natürlich gibt es darüber hinaus auch Leute, die sich ohne „wenn und aber” für ein Kapitel anbieten. Kevin Grosskreutz stand mit vier Jahren zum ersten Mal auf der Südtribüne oder Nuri Sahin war bei Heimspielen von Borussia Dortmund im Stadion als Balljunge unterwegs. Da gibt es ja auch dieses Foto, das im Internet kursiert. Im Vordergrund bejubeln Koller, Rosicky und Ewerthon ein BVB-Tor und im Hintergrund ist unverkennbar der „kleine Nuri” zu erkennen, der sich ebenfalls über den Treffer freut. Oder nehmen wir Neven Subotic mit seiner einmaligen Meistergeschichte, als er auf seinem Auto getanzt hat.

Redaktion: Gab es bei den Arbeiten an eurem Buch Erlebnisse, die man noch einmal erwähnen sollte? Also, bei euren Recherchen oder bei den Treffen mit den „Dortmunder Jungs”?

Felix Meininghaus: Ja, auf alle Fälle! Vor allem unser Treffen mit Dede. Wir hatten uns in dem Hotel an der Fußgängerbrücke getroffen, die über die B1 zum Stadion führt, und die jeder BVB-Fan kennt. Dede hat uns erzählt, wie er seine BVB-Zeit erlebt hat und vor allem, wie nahe ihm sein Abschied gegangen ist. Er ist nun mal ein sehr emotionaler Mensch und brach bei diesem Bericht in Tränen aus. Auch mir ging das nahe, weil mich seine Erzählungen wirklich enorm berührt haben. Für Außenstehende muss das reichlich abstrus ausgesehen haben, wie sich zwei erwachsene Männer gegenseitig einen vorheulen. Und als wir dann unsere Getränke bezahlen wollten, erhielten wir von der Bedienung die Antwort: „Dede muss hier nicht bezahlen!” Das waren zweifellos Gänsehautmomente.

Redaktion: Felix Meininghaus, vielen Dank für das interessante Gespräch.

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