„Drei oben, drei unten“ – von Dortmund in die Welt: Herbert Klein und die Erfindung der Torwand

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Foto: Robin Reins  / pixelio.de

Den Buchdruck? Johannes Gutenberg natürlich! Das Dynamit? Alfred Nobel, weiß man doch! Und auch dass Alexander Graham Bell uns das Telefon beschert hat, dürfte den meisten Zeitgenossen durchaus geläufig sein.
Aber die Torwand? Da wird’s schon erheblich kniffliger – dabei mag dieser Geistesblitz für manch einen Dortmunder in der gleichen Liga spielen wie die eingangs genannten, großen Erfindungen.

Und diese Wertschätzung nimmt sicherlich noch zu, wenn man erfährt, dass das Kultobjekt eines jeden „aktuellen Sportstudios“ nirgendwo anders als am Dortmunder Rheinlanddamm aus der Taufe gehoben wurde.

Herbert Klein; (Quelle: Westfälische Rundschau Nr 50, 28.02.1992)

Der Name hinter der Erfindung lautet Heinrich Klein. Der gebürtige Badener war Anfang der 60er Jahre technischer Betriebsleiter der Westfalenhalle. Das Wort „Event-Manager“ stand noch in keinem Duden, und so grübelte Klein höchstpersönlich darüber nach, mit welchem kleinen Wettbewerb man beim Fest der Westdeutschen Sportpresse die Gäste bei Laune halten könnte. Seine Ursprungsidee allerdings, die Besucher Bälle auf ein von einem Fußballtorwart gehüteten Handballtor donnern zu lassen, floppte gründlich, da sich der Keeper die Schüsse mit Leichtigkeit angelte.

Kurz entschlossen schnappte sich der gelernte Bauingenieur daraufhin eine Spanplatte und sägte zwei 50 cm breite Löcher hinein. Dies anschließend auf den Rahmen eines Handballtores geschraubt – fertig war die Torwand!

Viel gedacht, so wurde der Erfinder gerne zitiert, habe er sich bei der ganzen Angelegenheit nicht. Weshalb es auch bis weit in das aktuelle Jahrhundert dauerte, bis die Öffentlichkeit erstmals etwas über die Urheberschaft des damals bereits 90-Jährigen erfuhr.
Da hatte sich sein Geistesblitz längst ins kollektive Gedächtnis der deutschen Fernsehnation eingegraben. 1966 nämlich hievten die Moderatoren Wim Thoelke und Werner Schneider Kleins Idee ins Programm des „Aktuellen Sportstudios“ im ZDF, und setzten so eine Entwicklung in Gang, die bis heute immer wieder spannende kleine Geschichten schreibt.

Nicht allein die Frage „Wer hat’s erfunden?“ nämlich taugt hinsichtlich der Torwand als „Partywissen“, die Chronik offenbart zudem einige spannende Details. Beispiele gefällig? So gelang sowohl Eusebio als auch Marco van Basten und Pelé bei ihren Sportstudio-Besuchen nicht ein einziger Treffer. Die „volle Punktzahl“ erreichte bis dato keiner der Kandidaten, und auch fünf Treffer blieben die spektakuläre Ausnahme: Insgesamt acht ZDF-Gäste konnten sich im zurückliegenden halben Jahrhundert auf dieser Liste verewigen, die mit Günter Netzer im Jahre 1974 beginnt und ihren letzten Eintrag mit Torwart (!) Frank Rost Ende 1999 bekam.

Die beiden bislang erfolgreichsten Nicht-Fußballer an Heinrich Kleins Wand dürften in einem anderen Zusammenhang wohl kaum im gleichen Satz erwähnt werden: viermal trafen nämlich bisher sowohl Lewis Hamilton als auch Mike Krüger.

Die große Karriere seiner Erfindung hat Heinrich Klein stets vom Rande verfolgt, nie kam er auf die Idee, sich selbst ins öffentliche Gespräch zu bringen. 2011 verstarb er in einem Hörder Seniorenstift, 92-jährig und ausgezeichnet mit dem Bundesverdienstkreuz. Dieses allerdings stand in keinerlei Zusammenhang zu „Drei oben, drei unten“. Erhalten hatte es der Dortmunder, der seine Erfindung aufgrund einer schweren Kriegsverletzung nie selbst wirklich hatte testen können, vielmehr aufgrund seines großen Engagements für den Behindertensport in Deutschland.