Das Zwei-Generationen-Interview: Massimo Ornatelli und Luca Kilian aus dem Regionalligateam des BVB

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Massimo Ornatelli (32) auf dem Trainingsgelände in Dortmund-Brackel. (Foto: BVB)

Vor dem erfolgreichen Saisonstart der zweiten Mannschaft des BVB bekam Anpfiff die Gelegenheit zu einem Interview mit zwei Spielern, die eines eint: Sie beide dürften in der kommenden Regionalliga-Spielzeit zur Stammachse des zweiten Teams der Borussen gehören.

Zugleich aber verkörpern sie im Grunde zwei Fußballer-Generationen: Auf der einen Seite „Käpt’n“ Massimo Ornatelli (32), der sich nach seiner Rückkehr zum BVB durchaus vorstellen könnte, hier endgültig „vor Anker“ zu gehen – und der auf der Zielgerade seiner Karriere mit seiner Übersicht und Torgefahr eine zentrale Rolle in den Planungen von Trainer Jan Siewert spielt.

Und dort Luca Kilian, 18-jähriges Eigengewächs, das sein großes Potential im Laufe der Saisonvorbereitung schon einige Male eindrucksvoll unter Beweis stellen konnte und so im Nu zur festen Größe wurde. Im Interview berichteten sie u. a. von ihren fußballerischen Wurzeln sowie Karrierehighlights, und wagten einen Blick in die nähere Zukunft.

(v. l.) Massimo Ornatelli und Luca Kilian im Interview. (Foto: IN-StadtMagazine)

Redaktion: Bildet ihr beiden in der neuen Saison, was das Alter angeht, eigentlich so etwas wie eine Klammer im Kader der U23?

Massimo Ornatelli: Ich glaube schon. Älter als ich geht ja nicht mehr (lacht).

Luca Kilian: Stimmt, ich bin der Jüngste im Kader.

Redaktion: Wie seid ihr zwei eigentlich zum Fußball gekommen, was war der Auslöser?

Massimo Ornatelli: Beim Hörder SC war mein Papa Trainer, da hab‘ ich bei den Mini-Kickern mitgemacht. Schon im F-Jugend-Alter bin ich dann vom BVB gesichtet worden und gewechselt. In der C-Jugend wurde ich allerdings nicht übernommen und war eine Saison lang weg, bin aber im Jahr drauf gleich von Volker Pröpper zurückgeholt worden. In der Zwischenzeit habe ich für die TSC Eintracht gekickt – und sogar zweimal gegen den BVB getroffen (lacht).

Luca Kilian: Als ich fünf Jahre alt war, hat meine Mama mich ermutigt, es mit Fußball zu versuchen. Ich bin dann bald beim Hombrucher SV eingetreten. Der BVB hat mich auf einem Turnier gesichtet und mit 11 oder 12 Jahren zu sich geholt.

Redaktion: Was waren bislang eure prägendsten Momente im schwarz-gelben Trikot?

Massimo Ornatelli: An meinen ersten Einsatz beim Spiel gegen St. Pauli in der Regionalliga werde ich mich wohl immer erinnern. Von der Einwechslung gibt’s auch ein Foto, das ich aufgehoben habe. Damals waren Ingo Preuß und Uwe Neuhaus die Trainer, und ich spielte noch in der A-Jugend.

Mit 32 Jahren fallen mir natürlich so einige schöne Karrieremomente ein, z. B. auch die Aufstiege, bei denen ich dabei war.

Und aus dem letzten Jahr denke ich vor allem an das 1:0 bei RW Essen, bei dem ich das Siegtor per Freistoß geschossen habe, das war auch ein geiler Moment. Der Treffer wurde dann auf bvb.de sogar zum Tor des Monats gewählt.

Luca Kilian: Zwei Finalteilnahmen waren bisher meine größten Erlebnisse in Schwarzgelb. Zum einen das U17-Endspiel vor zwei Jahren gegen Leverkusen, auch wenn wir das ja leider verloren haben. Und dann natürlich das Finale mit der U 19 im vergangenen Jahr vor fast 35.000 Zuschauern im Signal Iduna-Park. Da ging’s [Anm.: gegen Bayern München] ins Elfmeterschießen, ich hab‘ einen der Elfer reingemacht – und dann waren wir plötzlich Deutscher Meister! Dieser Titel war bisher sicherlich mein Karriere-Highlight.

Redaktion: Ist schon abschließend klar, auf welcher Position ihr in der nächsten Saison eingesetzt werdet?

Massimo Ornatelli: Ich werde wieder im zentralen Mittelfeld spielen. In der letzten Spielzeit habe ich vor allem die Rolle vor der Viererkette gehabt, dieses Mal sieht mich der Trainer aber einen Tick weiter vorne – das haben wir schon im Laufe der letzten Saison besprochen. So kann ich dann auch meine Torgefahr besser ausspielen.

Luca Kilian: Bei mir bleibt alles wie es ist, mein Platz ist in der Innenverteidigung.

Redaktion: Welches sind denn eure fußballerischen Vorbilder?

Massimo Ornatelli: Bei mir war es schon immer Francesco Totti.

Luca Kilian: Mein Vorbild ist Mats Hummels.

An beide Spieler haben wir zudem noch eine Handvoll personenbezogener Fragen. Da Massimo Ornatelli am gleichen Nachmittag noch terminlich gebunden ist, macht er den Anfang.

Redaktion: Du hast ja bekanntlich italienische Wurzeln. Stammen beide deiner Elternteile aus Italien? Und wo wurdest du geboren?

Massimo Ornatelli: Meine Mutter ist gebürtige Dortmunderin. Mein Vater hat sie kennengelernt, als er in Deutschland zu Besuch war. Sie sind dann zunächst beide zusammen nach Italien gegangen, daher bin ich in Rom zur Welt gekommen. Wir sind dann aber bald wieder zurückgekommen, ich bin also komplett in Dortmund aufgewachsen.

Massimo Ornatelli (32) im Interview. (Foto: IN-StadtMagazine)

Redaktion: Hand auf’s Herz – wem drückst du die Daumen, wenn Deutschland auf Italien trifft?

Massimo Ornatelli: In dem Falle Italien, muss ich zugeben! (lacht)

Redaktion: Siehst du den BVB aufgrund deines „fortgeschrittenen“ Fußballer-Alters als deine letzte Karriere-Station an?

Massimo Ornatelli: Definitiv, das ist der Plan. Es gab bei meinem Wechsel schon noch andere Möglichkeiten, ich wäre ja nicht zu alt gewesen um etwas Neues auszuprobieren und bin körperlich topfit. Aber Dortmund ist eben meine Heimat, hier bin ich aufgewachsen, und hier würde ich mir gerne für die Zeit nach der aktiven Karriere etwas aufbauen.

Redaktion: Und wann soll für dich die Zeit nach der aktiven Karriere beginnen?

Massimo Ornatelli: Auch mein Trainer ist der Meinung, ich kann dem BVB noch einige Jahre weiterhelfen, sofern ich fit und gesund bleibe. Mein Ziel ist also schon, noch drei bis vier Jahre am Ball zu bleiben. In der Zeit werde ich dann meinen Trainerschein machen und versuchen, mir abseits vom Platz etwas aufzubauen. Welche konkreten Möglichkeiten es letztlich für mich gibt, wird sich natürlich erst noch zeigen – aber dem Fußball möchte ich auf jeden Fall verbunden bleiben. Denkbar wäre für mich zum Beispiel ein Engagement als Co-Trainer oder im Scouting-Bereich.

Und sollte am Ende alles anders kommen als gedacht, würde ich im Höchstfall ins Ausland wechseln.

Hierzulande gibt’s für mich nur eine Option. Der BVB ist halt einfach eine der besten Adressen Deutschlands – hier finde ich in der zweiten Mannschaft Bedingungen vor, die selbst mancher Zweitligist nicht hat.

Redaktion: Besteht eigentlich Kontakt zwischen den Spielern der zweiten Mannschaft und den Profis? Kennt man sich untereinander?

Massimo Ornatelli: Private Kontakte eher weniger, aber im Laufe der Saison gibt es ja immer mal wieder Profis, die im Aufbautraining sind oder für einige Wochen bei uns spielen – wie in der letzten Spielzeit Jadon Sancho oder Jakob Bruun Larsen. Und von unseren Jungs sind jetzt bekanntlich auch einige mit in die USA gefahren – wenn man sich untereinander kennenlernt, dann in diesem Rahmen.

Redaktion: Vielen Dank, dass du dir für uns Zeit genommen hast.

Während Massimo Ornatelli vom Trainingsgelände in Brackel aufbricht, nimmt „Youngster“ Luca Kilian seinen Platz vor dem Mikro ein.

Luca Kilian (18) (Foto: IN-StadtMagazine)

Redaktion: Du bist 18 Jahre alt und hast alle BVB-Jugendmannschaften seit der D-Jugend durchlaufen. Wie sieht es bei dir hinsichtlich der Schul- bzw. Berufsausbildung aus?

Luca Kilian: Ich habe mein Fachabitur gemacht. Momentan absolviere ich beim BVB ein Praktikum, das noch bis Dezember läuft. Da schnuppere ich z .B. im Borusseum oder der Geschäftsstelle rein, oder helfe im Jugendbereich bei der Hausaufgabenbetreuung. Wenn wir am Tag zwei Trainingseinheiten haben, ist das natürlich etwas schwierig, bei nur einer Einheit klappt’s aber problemlos.

Redaktion: Hast du denn eine Profi-Karriere fest im Visier?

Luca Kilian: Den Traum hat selbstverständlich jeder junge Spieler hier im Trainingszentrum. Umso mehr, weil die Bedingungen hier super sind und man große Möglichkeiten hat, sich weiterzuentwickeln. Aber mit 18 kann ich natürlich noch nicht sagen, was am Ende aus den Träumen wird.

Redaktion: Gibt es denn einen „Plan B“ für den Fall, dass der Traum nicht Wirklichkeit wird?

Luca Kilian: Aktuell gibt’s den nicht, aber es ist schon beruhigend, dass mir durch das Fachabi einige Möglichkeiten offenstehen. Ob ich dann aber letztendlich ein Studium aufnehmen würde oder das Abitur nachmachen, weiß ich momentan noch nicht.

Luca Kilian im Trikot für das BVB-Regionalliga-Team. (Foto: BVB)

Redaktion: Du hast es in deinem noch recht jungen Fußballerleben schon ziemlich weit gebracht, wozu sicherlich auch einiges an Disziplin gehört. Würdest du dich – etwa in Ernährungsfragen – als besonders disziplinierten Menschen beschreiben?

Luca Kilian: Zur Selbstdisziplin gehört natürlich, dass man vor dem Training immer mal wieder in den Kraftraum geht und an sich arbeitet. Und ich achte auch drauf, was ich esse, als Ernährungsfanatiker würde ich mich allerdings nicht bezeichnen. Klar, vor Spielen oder Trainingseinheiten muss man natürlich besonders aufpassen, aber zwischendurch hin und wieder ‘ne Süßigkeit ist nicht wirklich schlimm. Nutella gibt’s trotzdem höchstens an freien Tagen!

Redaktion: Wagst du zum guten Schluss noch eine Prognose sowohl für deine Mannschaft als auch für das Profiteam des BVB?

Luca Kilian: Die erste Mannschaft kann ihr Ziel, den zweiten Platz zu festigen, mit dem aktuellen Kader auf jeden Fall erreichen. Und wir denken einfach von Spiel zu Spiel und schauen, was wir mitnehmen können. Wobei: Oben mitzuspielen sollte uns schon gelingen!

Redaktion: Vielen Dank auch an dich für die zur Verfügung gestellte Zeit!