Das DFB Fußballmuseum: Wenige Monate bis zur Eröffnung

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Bereits jetzt ein markantes Wahrzeichen in der Dortmunder Innenstadt: das neue Deutsche Fußballmuseum

Interview mit Manuel Neukirchner – Die Außenfassade hat mittlerweile klare Konturen angenommen und im Inneren des neuen Deutschen Fußballmuseums am Königswall wird fleißig gewerkelt. Mit dem immer näherrückenden Eröffnungstermin steigen die Spannung und Vorfreude auf Dortmunds neue Attraktion. Unsere Redaktion sprach mit Manuel Neukirchner, Sprecher der Geschäftsführung der DFB-Stiftung Deutsches Fußballmuseum, über den aktuellen Stand der Arbeiten und das, was die Besucher demnächst erwarten können.

Redaktion: Im Frühjahr 2014 wurde die Eröffnung des Fußballmuseums für das erste Halbjahr 2015 geplant. Ist es dabei geblieben? Liegen die Arbeiten im Plan?

Manuel Neukirchner: Wir liegen im Zeitplan. Ende des Jahres wurde die letzte Fensterscheibe eingesetzt, derzeit sind verschiedene Gewerke mit dem Einbau der Technischen Gebäudeausrüstung beschäftigt. Dabei geht es um Elektrotechnik und Gebäudeautomation sowie um Klima-, Sanitär- und Heiztechnik. Parallel dazu befinden wir uns in der finalen Phase bei der Fertigstellung der Gebäudefassade und haben mit dem Bau der Außenanlagen begonnen. Läuft alles nach Plan, wird Anfang 2015 mit der Installierung und Realisierung der Ausstellung begonnen. Die Eröffnung ist für den Sommer 2015 vorgesehen.

Redaktion: Die Höhe der
Investitionen für das Museum
wurde mit 36 Mio. + 4 Mio. € für
die Außenbereichsgestaltung
beziffert. Wird es bei diesen
Zahlen aller Voraussicht nach
bleiben?

Manuel Neukirchner: Trotz der Insolvenz des Rohbau-Unternehmens Alpine AG im Sommer 2013 sind wir auf einem guten Weg, im vereinbarten Kostenrahmen zu bleiben. Das ist für ein Bauvorhaben dieser Größe nicht selbstverständlich. Allerdings haben wir noch ein paar Monate Bauzeit vor uns, so dass wir weiterhin mit großem Eifer die gesteckten Ziele verfolgen.

Redaktion: Was ist bis zum Eröffnungs-termin noch zu tun?

Manuel Neukirchner: Eine Menge. In den nächsten Monaten beginnt die heiße Phase für uns. Zwar sind wir mit dem Bauvorhaben schon sehr weit, aber jetzt gilt es, die fußballaffinen Menschen in Deutschland und dem angrenzenden Ausland für das Museum zu begeistern. Viele sind in den vergangenen Monaten schon auf uns aufmerksam geworden, jetzt wollen wir das Interesse weiter steigern und dafür sorgen, dass ab Sommer 2015 der Besuch des Deutschen Fußballmuseums zur Pflichtveranstaltung für alle Fußballfans im In- und Ausland wird. Dazu sind wir natürlich auch auf starke Partner angewiesen. Mit adidas, Mercedes-Benz und der Sparkasse haben wir bereits einige gefunden, weitere werden in nächster Zeit folgen. Nicht zu vergessen: Die Eröffnung inklusive der verschiedenen Veranstaltungen müssen natürlich ebenfalls geplant und vorangetrieben werden. In diesem Prozess stecken wir derzeit.

Redaktion: Kann man schon Details zur geplanten Eröffnungsveranstaltung nennen oder ist es dafür noch zu früh?

Manuel Neukirchner: Das ist noch zu früh. Wir können allerdings versprechen, dass jeder, der sich frühzeitig um ein Ticket bemüht, die Chance hat, am Eröffnungswochenende die Ausstellung zu besuchen.

Redaktion: Gibt es schon konkretere Vorstellungen hinsichtlich der Eintrittspreise?

Manuel Neukirchner: Wir sind in der finalen Abstimmung. Es wird verschiedene Angebote geben, die alle eins eint: sie werden sozialverträglich sein. Zwar sind wir kein Museum, dessen Betrieb vom Staat finanziert wird, aber Eintrittsgelder wie bei anderen Freizeitanbietern wird es bei uns nicht geben. Wir orientieren uns vielmehr an den Preisen für einen Stehplatz in der Fußball-Bundesliga.

Redaktion: Stehen die Exponate und ihre Standorte im Museum bereits alle fest?

Manuel Neukirchner: Der Großteil steht bereits fest, aber wir arbeiten kontinuierlich an den verschiedenen Ausstellungsbereichen und reagieren auch auf aktuelle Ereignisse. So haben wir beispielsweise den WM-Titel 2014 zum Anlass genommen, den Bereich, der für die Zeit ab 2000 vorgesehen war, noch einmal komplett zu überarbeiten. Dort wird eine multimediale Inszenierung entstehen, die die Besucher in den Bann ziehen wird. Hier wird auf eindrucksvolle Art erlebbar, wie sich der Fußball in Deutschland seit dem EM-Aus 2000 verändert hat und wie es zum goldenen Moment in Rio 2014 gekommen ist.

Redaktion: Der „Bund der Steuerzahler” (BdSt) führt in seinem Schwarzbuch 2014 mit 100 Beispielen über Steuerverschwendung auch das DFB-Fußballmuseum an. Durch den Konkurs der Bauunternehmung, die für den Rohbau verantwortlich war, hätte sich der Innenausbau um ein halbes Jahr verspätet. Durch die Verschiebung wären angeblich Kosten in Höhe von 500.000 € verursacht worden, die zur Hälfte beim Gesellschafter Stadt Dortmund anfielen. Wie ist Ihre Meinung dazu?

Manuel Neukirchner: Bei einem Bauvorhaben wie dem Deutschen Fußballmuseum, bei dem das Land NRW 18,5 Mio. Euro zum Gesamtbudget beigetragen hat und die Stadt Dortmund als einer von zwei Gesellschaftern den Betrieb verantwortet, ist eine öffentliche Ausschreibung nach EU-Rechtsvorschriften obligatorisch. Im Zuge dieses Verfahrens hatte die Alpine Bau Deutschland AG den Zuschlag für die Rohbauarbeiten bekommen. Bereits nach der Anmeldung des Insolvenzverfahrens der Alpine Bau am 19. Juni 2013 hatte die DFB-Stiftung Deutsches Fußballmuseum gGmbH durch Dreiecksvereinbarungen mit der vorläufigen Insolvenzverwaltung und den beteiligten Subunternehmen einen Baustopp verhindert.
Drei Monate später haben wir per Pressemitteilung und auf der Internetseite bekanntgegeben, dass mit der Insolvenzverwaltung eine Vereinbarung getroffen wurde, auf deren Basis die Insolvenzverwaltung den Vertrag für die Fertigstellung des Rohbaus erfüllt. Wie der Bund der Steuerzahler zutreffend festgestellt hat, sind trotz der Insolvenz der Alpine Bau bis dato keine zusätzlichen Baukosten entstanden. Dass der ursprünglich für das Jahresende 2014 vorgesehene Eröffnungstermin aufgrund der insolvenzbedingten Bauablaufstörungen in das Jahr 2015 verlegt werden muss, wurde schon am 20. September 2013 proaktiv kommuniziert. Darüber hinaus gab es eine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im März 2014 an die Stadt Dortmund, infolge dessen die Auskunft gegeben wurde, dass durch die insolvenzbedingte Verzögerung die beiden Gesellschafter des Museums, Stadt und DFB, jeweils rund 250.000 Euro an zusätzlichen Betriebskosten einkalkulieren müssen, da den laufenden Kosten noch keine Einnahmen gegenüberstehen.

Redaktion: Herr Neukirchner, vielen Dank für diese interessanten Informationen.

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