Bei diesem Lauf spielen Platzierungen keine Rolle

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Zwei Mitglieder des Heinrich-Czerkus-Fanclubs legen am Zielpunkt des gleichnamigen Laufs einen Kranz nieder. Die vor 14 Jahren erstmals durchgeführte Veranstaltung hat dem Gedenken am Mahnmal in der Bittermark ein deutliches Plus an Aufmerksamkeit beschert. (Foto: Naturfreunde Kreuzviertel)

In Heinrich Czerkus’ Schicksal spiegeln sich die Folgen von Intoleranz und Ausgrenzung
Bei einem der teilnehmerstärksten Dortmunder Volksläufe sind Platzierungen oder der Kampf um persönliche Bestzeiten absolute Nebensache, und trotzdem versammeln sich mittlerweile Jahr für Jahr über 1000 Teilnehmer an der Startlinie. Doch auch das wohlbekannte Sprichwort, wonach eigentlich der Weg das Ziel sei, passt hier nur zum Teil. Stattdessen möchte der Heinrich-Czerkus-Gedächtnislauf – seit mittlerweile 14 Jahren – Bewusstsein schaffen und auf eine andere Veranstaltung hinweisen, die in unmittelbarer Nähe des Zielbereichs stattfindet. Karfreitag 2005 schnürten die Naturfreunde Kreuzviertel erstmals ihre Laufschuhe zu Ehren eines Mannes, der 1925 als Platzwart bei den Borussen anheuerte und wenige Wochen vor Ende des zweiten Weltkriegs beim Massaker im Rombergpark zusammen mit 27 weiteren Widerständlern von der Gestapo exekutiert wurde. Über vier Jahre hinweg schuf die Ortsgruppe der Ende des 19. Jahrhunderts aus der Arbeiterbewegung hervorgegangenen Naturfreunde die Grundlagen der Veranstaltung, welche seit jeher unmittelbar vor den Toren des Stadions Rote Erde beginnt. Als dann 2009 das Fan-Projekt des BVB auf die Initiative aufmerksam wurde und mit in die Organisation einstieg, erfuhr die einstmals kleine Aktion eine immer größere Aufmerksamkeit.

Inzwischen gehört auch der BVB selbst längst zum Team der Veranstalter, und Stadionsprecher Norbert Dickel  kündigt den Gedächtnislauf beim vorhergehenden Heimspiel im Signal-Iduna-Park regelmäßig an.

Den Aufgang von Block 10 ziert zudem seit annähernd zehn Jahren ein Banner mit dem Bild des unbeugsamen Nazi-Gegners Czerkus, denn im April 2009 gründete sich aus dem Kreis der Lauf-Organisatoren heraus ein Fanclub, der den Namen des Platzwartes trägt und sich dessen antifaschistischen Idealen verpflichtet sieht.

Wenn sich nun, jeweils an Karfreitag, jährlich an der Strobelallee zumeist über 1000 Wanderer, Walker, Jogger und Radler auf die 7 km lange Strecke bis zum Mahnmal in der Bittermark aufmachen, sind zur Freude von Initiator Wilfried Harthan immer wieder welche darunter, die sich in diesem Zusammenhang verstärkt mit den Auswirkungen politischer Intoleranz auseinandersetzen. Und die sich – nicht zuletzt – in diesem Sinne auch an der traditionellen Gedenkveranstaltung der Stadt Dortmund beteiligen, die ebenfalls karfreitags in der Bittermark nicht nur an Heinrich Czerkus, sondern an etwa 300 kurz vor Kriegsende ermordete Gestapo-Häftlinge erinnert.

So schlägt der Dortmunder Heinrich-Czerkus-Gedächtnislauf die Brücke vom Sport zum politischen Bewusstsein – in einer Stadt, in der Fußball ohnehin schon immer so viel mehr war als nur anderthalb Stunden Freizeitgestaltung am Wochenende. Und in der, nichtsdestotrotz, jede(r) Fan mitverantwortlich dafür ist, dass der Sport die Grenzen zwischen den Menschen auch weiterhin abträgt.

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