Fleisch im Fokus der Forschung: Bundesministerium fördert Projekt am Deutschen Kochbuchmuseum

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Corinna Schirmer vor der Historischen Bibliothek des Deutschen Kochbuchmuseums. (Foto: Gaye Suse Kromer, Dortmund Agentur)

Die Historische Bibliothek des Deutschen Kochbuchmuseums in der Berswordt-Halle wird derzeit rege genutzt: Corinna Schirmer, Kulturanthropologin und Mitarbeiterin des Deutschen Kochbuchmuseums, erforscht, wie das Thema Fleisch in Kochbüchern seit Mitte des 19. Jahrhunderts behandelt wird.

Ihre Arbeit ist eingebunden in einen groß angelegten wissenschaftlichen Forschungsverbund, der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit insgesamt ca. 800.000 Euro gefördert wird. Das Projekt mit dem Titel „Verdinglichung des Lebendigen. Fleisch als Kulturgut“, kurz „Fleischwissen“, läuft noch bis 2021; beteiligt sind die Universität Regensburg, die Hochschule Fulda, das Institut für Sozialinnovationen in Berlin und das Landschaftsmuseum Westerwald. Das MKK Dortmund unter Leitung von Dr. Jens Stöcker hat sich mit dem Deutschen Kochbuchmuseum erfolgreich um das Teilprojekt beworben und aufgrund des hervorragenden Bestands und wissenschaftlicher Referenzen den Zuschlag bekommen. Die Fördersumme für das Deutsche Kochbuchmuseum beträgt etwa 145.000 Euro.

Viele Köche verderben in diesem Fall den Brei gerade nicht: Gemeinsam wollen die Partner zeigen, wie Tiere zu Lebensmitteln werden. Dabei nehmen sie Objekte und Orte der Zerlegung, der Zubereitung und des Konsums ebenso in den Blick wie damit zusammenhängende Handlungen.

Rund 14.000 Titel als Quellen
In Dortmund beschäftigt sich Corinna Schirmer mit Fleisch in historischer Kochbuch- und Ratgeberliteratur. Ihre Quellengrundlage findet sich unter den rund 14.000 Titeln der Historischen Bibliothek des Deutschen Kochbuchmuseums. Die Bestände des Museums umfassen Literatur ab dem 16. Jahrhundert, handschriftliche Rezeptsammlungen, Zeitschriftenreihen, Speise- und Menükarten und Lehrbücher für den Hauswirtschaftsunterricht.

Die Bücher werden dabei als Objekte des Alltagsgebrauchs, aber auch als Wissensspeicher ihrer Zeit untersucht: „Wie genau die Großmutter den Sonntagsbraten zubereitete, ist vielleicht nicht mehr unbedingt jedem bekannt – kann jedoch über die von ihr genutzten Kochbücher oder ihre handgeschriebene Rezeptsammlung nachvollzogen werden“, so die Wissenschaftlerin.

Gesellschaftlicher Wandel zeigt sich auch im Kochbuch
An Kochbüchern  lassen sich zudem gesellschaftliche Wandlungsprozesse und Zusammenhänge erkennen. Welcher Umgang mit Fleisch wird in der Literatur empfohlen? An wen richten sich die Bücher, und wer verfasste sie in welchen Duktus? Wie werden Fleisch-Speisen präsentiert, was erfährt man über den Rohstoff „Fleisch“, dessen Verbreitung und Verarbeitung? Inwieweit fanden auch gesellschaftliche Phänomene wie Globalisierung, Ab- und Zuwanderung, wissenschaftliche Erkenntnisse zur Ernährung oder weltanschauliche Fragen Eingang in die Bücher?

Diesen und weiteren Fragen wird Corinna Schirmer nachgehen – mit sicherlich wertvollen Rückschlüssen auf die dahinter stehenden zeitgeschichtlichen Ideen und Prinzipien zu Fleischwissen, Haushaltsführung oder ethischen Fragen.

Mehr zum Forschungsprojekt unter www.fleischwissen.blogspot.com

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