Ein Engel gegen das Existenzminimum

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Vom 12. bis 14. Dezember wird Greta Spieckermann in Hörde zum Seifen-Engel-Verkaufs-Engel. (Fotos: IN-StadtMagazine)

Verkauf von Seifen-Engeln für das Projekt „Miteinander essen“

„Die Kinderrechte müssen ins Grundgesetz“, forderte Holger Hofmann, Geschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerks, am 20. November zum 30. Geburtstag der UN-Kinderrechtskonvention.

Auch Martin Pense, Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Hörde, sieht die wiederholten Appelle an die Kinderrechte in unserer Gesellschaft als leere Worthülsen. Recht geben ihm die Hörder Institutionen, die auf die Spenden aus dem Projekt der Kirchengemeinde „Miteinander essen“ angewiesen sind. „Vor allem geht es uns darum, dass die Kinder eine tägliche warme Mahlzeit bekommen“, bringt Pense die Basis des Projekts auf den Punkt. Als Schüler in Wales erhielt er bereits vor 40 Jahren ein fest etabliertes kostenloses Mittagessen, was in Dortmund heute noch nicht umgesetzt ist. „Es müsste einfach selbstverständlich sein“, findet er.

Bis November brachte das Projekt im Jahr 2019 36.000 Euro Spenden ein, eine beachtliche Summe – und doch kann „Miteinander essen“ nur als Zusatzangebot betrachtet werden. Denn noch immer leben viele Familie laut Pense „am Rande des Existenzminimums“, für sie „reicht es einfach vorne und hinten nicht.“ Deshalb sammelt die Gemeinde weiter.

Bereits im Sommer hatte Susanne Bräuning, Inhaberin des „Röstwerks“ in der Hörder Rathausstraße, eine Idee, um das Projekt zu unterstützen. In Zusammenarbeit mit der Hörder Stadtteilagentur und der Bezirksverwaltungsstelle Hörde mobilisierte sie Hörder Gewerbetreibende, in kleine Engel aus Seife zu investieren. Diesen ist es freigestellt, ob sie die Seifen-Engel als Give-away für ihre Kund*innen und Klient*innen verwenden oder sie für 3 Euro pro Stück weiterverkaufen. Die Investitionssummen jedenfalls fließen vollständig in die Spendendosen von „Miteinander essen“.

Viel Überzeugungsarbeit musste Bräuning nicht leisten – die Aktion ist ein „Selbstläufer geworden“, sagt sie. Die 750 zunächst bestellten Seifen-Engel sind bereits an die Gewerbetreibenden verkauft, außerdem 300 der 700 nachbestellten. Den Einzelhandels- und Dienstleistungsunternehmen sei klar, dass es neben der zahlenden Kundschaft auch Menschen gebe, „die nicht einfach reinkommen und bezahlen können“, wie Ulrich Spangenberg, Geschäftsführer der Bezirksverwaltung, formuliert. Die übrigen 400 Seifen-Engel werden durch den Aktivkreis der Gewerbetreibenden in Hörde vorfinanziert, weitere Nachbestellungen sind wahrscheinlich.

Als eine der Sponsorinnen legt Silvia Dundak, Inhaberin von „dundack’s retail“ an der Hörder Rathausstraße, Wert darauf, auch die Herkunft der Seifen-Engel zu betonen. Die nämlich werden in einer Wuppertaler Behindertenwerkstatt gefertigt, „sodass die auch ihre Aufträge bekommen“.

Eine besondere Aktion ist für die Zeit des Weihnachtsmarktes rund um die Lutherkirche vom 12. bis zum 14. Dezember geplant. Während dieser drei Tage nämlich wird Bräunings Mitarbeiterin Greta Spieckermann in Engelsgewand und mit Flügeln bestückt durch die Straßen ziehen und Seifen-Engel an alle Passant*innen verkaufen.

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