Ein biografisches Fest – Gestaltung des Kreißsaals im St.-Josefs-Hospital

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Robert Kaller (2. v. r.), hier mit seinem Mitarbeiter Ingo Fröhlich (r.), entwickelte in enger Absprache mit Dr. Christoph Hemcke (l.) die Ideen für die Kreißsaalgestaltung. (Foto: IN-StadtMagazine)

… Robert Kaller setzte die letzten Steine eines Mosaiks, als vor der Tür bereits das Stöhnen der Gebärenden ertönte. Als die ersten Wehen abgeebbt waren und eine Zeit lang zu pausieren schienen, hatte sie den Kreißsaal des St.-Josefs-Hospitals verlassen. Umgehend hatte Kaller die Hebammen angesprochen, ob er den Kreißsaal betreten und seine Wandgestaltung beenden dürfe. Die Hebammen gaben die Tür frei. Nun war die werdende Mutter zurück und ein Kind drängte in die Welt. Als sie kurz darauf den Kreißsaal betrat, hatte sich der Raum verändert. Runde Wandgestaltungen aus Mosaiken gemahnten an ein Öffnen, das sich nun auch in ihr abzuspielen begann, wie ihr die nächste Wehe bewies …

Ist die Perspektive der Frau auch erdacht, so haben sich die harten Fakten doch so abgespielt. Beeindruckt von der Stimmung, die sich um seine Arbeit spannte, berichtet Kaller von seinen und den Einsätzen seiner Mitarbeitenden im Kreißsaal des St.-Josefs-Hospitals. Anstatt sich aber vor der Intimität und den Schmerzen zu scheuen, begab er sich noch weiter in die Atmosphäre hinein. Er habe „nachts gearbeitet, weil die Stimmung besonders ist“, berichtet er.

 

Diese besondere Stimmung war es, die Dr. Christoph Hemcke erreichen wollte, als er 2014 das Telefon in die Hand nahm und Kaller um einen Beratungstermin bat. Dessen Arbeiten hatte er bereits in der Rudolf-Steiner-Schule wahrgenommen. Nun war ihm der Kreißsaal des St.-Josefs-Hospitals in die Hand gelegt worden. „Irgendwie fehlt da was“, äußerte er Kaller gegenüber. Gemeinsam mit Kallers Kollegin Kiki Mosaiki entwickelten die Männer Ideen, um die „modernen Geburtstechniken mit emotionalen Elementen zu versehen“, so Kaller.

Der Klinikleitung und der Haustechnik gegenüber stießen sie nicht nur auf offene Türen. Doch die Anzahl der Geburten im St. Josefs Hospital, die sich bald verdoppelte, leistete wirkungsvolle Überzeugungsarbeit. Auch Dr. Hemcke sah sich in seinen Vorstellungen von hochwertiger Geburtshilfe bestätigt. Die Frauen kämen mit sehr vielen Ängsten zu ihm, die sich derzeit durch eine größere Vernetzung auch in sozialen Medien weiter vermehrten, erzählt er. Da reiche es nicht aus, wenn er immer wieder betone, dass alles in Ordnung sei. Vielmehr müsse die Umgebung seine Worte untermauern, um den Ängsten der Frauen wirkungsvoll entgegenzuwirken. So müsse auch die Umgebung immer wieder auf die Frage geprüft werden: „Spiegelt sich das, was wir erzählen, in dem wider, was sie sehen oder fühlen und empfinden?“

Daher wollten die Männer einen „Raum wie so eine Hülle des biografischen Vorgangs“ schaffen, so Kaller. Mit dem Bild der „Hülle“ entspricht er Dr. Hemckes Ziel einer „autarken“ Umgebung für die junge Familie, in der sie, mit Kallers Worten, ihr „biografisches Fest“ feiern können. Dabei verlieren sie aber niemals die Funktionalität des Kreißsaals aus den Augen. So haben sie die Stellen eruiert, an denen die Krankenhausbetten an den Wänden entlang schaben und haben diese mit stoßfesten Mosaiken versehen. Auch geht Kaller davon aus, dass er über einem Abfalleimer im Kreißsaal ein abwaschbares Mosaik wird anbringen müssen, da die Einmalhandschuhe der Hebammen auf dem Weg in den Abfalleimer allerlei farbige Substanzen versprühten. Kaller drückt dieses Ineinandergreifen von Funktion und Emotion so aus: „Ich versuche den Räumen die Kraft zu geben, ihren Job zu machen. Und der Job eines Kreißsaals ist hart.“ Vielleicht können die Rundungen der Wände und sogar der Türen den Familien ja helfen, diese Härte etwas weicher zu empfinden.

Abgeschlossen ist Kallers Arbeit im St.-Josefs-Hospital jedoch nicht. Anfang Juli versah er die Oberlichter über den Türen zum Kreißsaal und zur Geburtenstation mit Glasmosaiken. Doch Dr. Hemcke möchte ein „Gesamtkonzept“ erreichen, das den Familien einen sanften Übergang von der Geburt in die Zeit danach ermöglicht. Und Kaller betrachtet sich als Dienstleister. Als solcher hört er zu und plant im Dialog mit seinem Kunden wie die Geburtenstation gestaltet werden kann, um das anvisierte „Gesamtkonzept“ zu erreichen.

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