Eichenprozessionsspinner hält die Stadt weiter in Atem

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Symbolfoto: IN-StadtMagazine

Der extra eingerichtete Notdienst der Baumexperten vom Tiefbauamt hat über die Pfingsttage nur kleinere Stellen mit Nestern des Eichenprozessionsspinners entdeckt, abgesperrt und ihre Bekämpfung beauftragt. Die zahlreichen Veranstaltungen an Pfingsten konnten ohne größere Einschränkungen über die Bühne gehen.

Am Samstag waren jedoch etliche Menschen zu beobachten, die Absperrungen ignoriert und nicht beachtet haben, darunter Familien, die mit kleinen Kindern leichtsinnig in den Sperrzonen unterwegs waren. Die Stadt appelliert noch einmal an die Bürger, Hinweise ernst zu nehmen und sich an Absperrungen und Verhaltenstipps zu halten.

Insbesondere an windigen Tagen wie dem vergangenen Samstag können die Brennhaare der Raupe weit über die Absperrungen hinaus durch die Luft fliegen. Insbesondere dann, wenn Vögel wie Meisen an den Raupen und ihren Nestern picken, was mehrfach beobachtet wurde. Das wirbelt die Brennhaare zusätzlich umher, weil die Gespinste aufgerissen werden.

Der Stadt sind zwar bislang keine Fälle bekannt, in denen Personen sich durch die Brennhaare am Wochenende verletzt hätten. Dies kann jedoch nicht gänzlich ausgeschlossen werden, zumal keine Meldepflicht besteht. Es gibt daher keinen Anlass für die Ignoranz der Empfehlungen zum Schutz vor dem Eichenprozessionsspinner und seinen Raupen.

Gerade bei dem Wind am Samstag war zu beobachten, dass einzelne Info-Schilder umgeweht wurden. Nicht immer kann jemand da sein, der die Schilder wieder korrekt aufstellt. Daher bittet die Stadt auch darum, sich mit Hilfe der lokalen Medien und der Homepage der Stadt Dortmund auf dem Laufenden zu halten über größere abgesperrte Flächen.

Die Schmetterlingsweibchen legen ihre Eier in Eipaketen von 30bis 300 Eiern ab. Alle Raupen eines Eipakets schlüpfen in der Regel zum gleichen Zeitpunkt und entwickeln sich mit der gleichen Geschwindigkeit. Wie reif die Eipakete sind, kann sich aber unterscheiden, daher kann es auch viele Tage nach erfolgreicher Bekämpfung zu einem Wiederbefall an benachbarter Stelle kommen.

Vorsicht geboten ist auch in den nördlichen Waldgebieten der Stadt. In den südlichen Wäldern sind Eichen vergleichsweise seltener. Insbesondere im Kurler Busch, im Grävingholz, im Bodelschwingher und im Rahmer Wald wird ein Befall mit dem Eichenprozessionsspinner vermutet. Hier ist es aber kaum möglich Gegenmaßnahmen zu ergreifen, weil die Bereiche mit Hubwagen und Spezialausrüstung nicht gut zugänglich sind. Allenfalls an den Hauptwegen könnten die Raupen und Nester demnächst abgesaugt
werden. Ein Spaziergang ist daher vorerst nicht zu empfehlen.

Wichtig zu wissen: Die Stadt kann nur auf den eigenen Flächen eingreifen. Andere Eigentümer stehen auf ihren Arealen selbst in der Pflicht. Das betrifft nicht nur die privaten Gärten, sondern auch Flächen, die von Wohnungsunternehmen, Deutsche Bahn, Emschergenossenschaft oder Straßen.NRW betreut werden.

Häufige Fragen und Antworten zum Eichenprozessionsspinner (EPS)

Was ist eigentlich der Eichenprozessionsspinner (EPS) für ein Tier?
Der Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea) ist ein Nachtfalter, also ein Schmetterling. Es ist kein eingewandertes Tier, sondern war immer schon heimisch in Mitteleuropa. Es gibt Hinweise auf EPS-Plagen schon vor 200 Jahren.

Wo halten sich die Tiere am liebsten auf?
Der  Eichen-Prozessionsspinner lebt wirtsspezifisch. Das bedeutet er kommt nur an Eichen fast jeder Art, insbesondere an der deutschen Eiche vor. Gelegentlich, wenn der Befallsdruck sehr hoch ist, gibt er sich auch mit der Hainbuche zufrieden. Den Wirtssprung hat er noch nicht geschafft. Allerdings: Auch im direkten Umfeld der Eichen können Raupenpopulationen gefunden werden, zum Beispiel an Spielgeräten neben oder unter Eichen.

Warum sind die EPS vorwiegend in den nördlichen Stadtteilen?
In den nördlichen Stadtteilen ist der Bestand an Eichen deutlich höher als in den südlichen Bezirken. Viele Weibchen legen ihre Eier in der direkten Umgebung der Stelle ab, wo sie aus der Puppe geschlüpft sind. Geschätzt wird, dass das Areal sich durchschnittlich um 7,5 km pro Jahr erweitert. Daher sind Gebiete, in denen der EPS stark auftritt, auch im Folgejahr wieder gefährdet.

Warum sind die Raupen eigentlich ein Problem?
Ab dem dritten Raupenstadium (von 5 bis 6 Stadien) entwickeln sich bei den Larven „Brennhaare“. Diese sind mit Widerhaken besetzt, welche ein Nesselgift enthalten. Diese Haare können noch bis zu fünf Jahren toxische Reaktionen hervorheben. Daher ist es sinnvoll, auch die verlassenen Nester noch abzusaugen. In den ersten beiden Raupenstadien und auch später beim fertigen Falter gibt es keine Brennhaare.

Wie können sich Spaziergänger, Kinder oder Hunde vor den Raupen schützen?
Im Wesentlichen sind drei Verhaltensweisen geboten:

  • Bereiche, in denen Befall festgestellt wird, sind zu meiden.
  • Die Raupen und insbesondere die Nester, vor allem wenn diese verlassen sind, nicht berühren oder vom Baum schlagen. Dies führt zu einer Aufwirbelung der Brennhaare
  • Offene Hautpartien sind abzudecken und ggf. ein Augenschutz und ein Mund- und Nasenschutz zu tragen.

Welche Verhaltenstipps kann man geben, wenn man plötzlich an einem Baum vorbeikommt und einen Befall entdeckt (oder vermutet)?
Zuerst einmal die vorsichtige Baumbestimmung: Handelt es sich tatsächlich um eine Eiche? Es gibt andere Raupen, die an anderen Baumarten unterwegs sind und ganz ähnliche Nester bauen (Beispiel Gespinstmotte). Wenn es sich dann tatsächlich um den Eichen-Prozessionsspinner handelt, insbesondere auf die Windrichtung achten und sich von den befallenen Stellen entfernen.

Wo kommen diese Tiere plötzlich in so großer Zahl her? Hat man sie früher einfach nie beachtet, weil man die Gefahr nicht kannte?
Seit rund zwanzig Jahren ist in Deutschland ein deutlicher Anstieg der Populationsdichte des Eichenprozessionsspinners zu verzeichnen. Grund hierfür ist vor allem der Klimawandel, der zu milderen Wintern und erheblich wärmeren und trockeneren Sommern führt. Dieses Klima in Verbindung mit geringeren Regenmengen während der Larvenentwicklung von April bis Mai begünstigt die Entwicklung des EPS in hohem Maße. Insbesondere die milden Winter sorgen dafür, dass große Teile der Population überleben können.

Wird das Problem in Zukunft noch größer?
Wie viele Städte in der Region ist Dortmund von dem sehr starken Aufkommen des EPS überrascht worden. Es ist davon auszugehen, dass der EPS auch in den kommenden Jahren auftreten wird. Die Stadt wird sich darauf vorbereiten, um zusätzlich zu den Rahmenvertragspartnern selbst in der konkreten Bekämpfung tätig werden zu können. In Zukunft sollten die bekannten Gegenmaßnahmen auch ergänzt werden durch die Stimulierung natürlicher Feinde. Straßenränder sollten biodivers statt monokulturell bepflanzt werden. Diversität an Baumarten bietet mehr Risikostreuung, auch was andere Schädlinge und Krankheiten anbelangt. Der Klimawandel forciert das Auftreten verschiedener Baumkrankheiten auch an Arten wie Kastanie, Ulme, Ahorn oder Esche.

 

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