Dortmund wird noch grüner: Neuer Landschaftsplan für die nächsten 20 Jahre ist fertig

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Stellten gemeinsam den neuen Landschaftsplan Dortmund vor: (linke Seite von oben nach unten): Thomas Quittek (Mitglied des Beirates bei der Unteren Naturschutzbehörde Dortmund), Dr. Uwe Rath (Leiter des Umweltamtes der Stadt Dortmund), und Dr. Hans-Dieter Otterbein (Vorsitzender des Beirates bei der Unteren Naturschutzbehörde Dortmund); (rechte Seite von oben nach unten): Ludger Wilde (Dezernent für Planen, Umwelt und Wohnen), Britta Perschbacher (Landschaftsplanung im Umweltamt), u. Oberbürgermeister Ullrich Sierau. (Foto: Roland Gorecki, Dortmund-Agentur))

Mit der Entscheidung, die Unterlagen für die Satzung des Landschaftsplanes Dortmund an die politischen Gremien weiterzuleiten, hat der Verwaltungsvorstand am 21. April 2020 den Startschuss gegeben für den Weg zum geplanten Satzungsbeschluss durch den Rat am 18.06.2020. Rechtskraft erlangt der Plan allerdings erst nach der Prüfung durch die Höhere
Naturschutzbehörde bei der Bezirksregierung in Arnsberg. Sofern dort keine Einwände vorliegen, kann der neue Landschaftsplan im Herbst 2020 in Kraft treten. Dann werden die drei bis dahin gültigen Landschaftspläne Dortmund-Nord, -Mitte und -Süd nach nunmehr 30 bzw. 20 Jahren Laufzeit durch den neuen, gesamtstädtischen Plan abgelöst.

Prozess und Ziele des neuen Landschaftsplanes Dortmund
Ein langjähriger, mehrstufiger Planungsprozess soll nun im Herbst 2020 seinen Abschluss finden. Die Zahl „20“ hat dabei eine besondere Bedeutung. Nicht nur in der Jahreszahl für die geplante Rechtskraft tritt die „20“ gleich doppelt in Erscheinung. Vielmehr ist das Planwerk, dessen Ziele Schutz, Pflege und Entwicklung von Natur und Landschaft sind, genau für diese Zeitspanne ausgelegt – ein langfristig tragendes Planwerk also für
ein lebenswertes Dortmund.

Seit 2013 wurde kontinuierlich an der Neuaufstellung des Landschaftsplanes gearbeitet. Dieser Fachplan fußt auf einer Vielzahl europäischer, bundes- und landesrechtlicher Gesetze und Vorgaben. Unter aktivem Einbezug und unter sehr reger Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern, Verbänden, Behörden und Trägern öffentlicher Belange ist ein umfassendes Planwerk entstanden. Es wirkt nachhaltig und sorgt dauerhaft dafür, dass der
Naturhaushalt auch als Lebensgrundlage des Menschen funktioniert und das Landschaftsbild nicht nachteilig beeinträchtigt wird. Damit trägt der Landschaftsplan Dortmund in erheblichem Maße zur Entwicklung der Artenvielfalt bei.

Der Landschaftsplan besteht aus Texten und Karten. Der Textteil Band I enthält neben Erläuterungen und textlichen Darstellungen die Festsetzungen. Dabei handelt es sich nicht nur um Gebote und Verbote, sondern auch um Pflegemaßnahmen.

Für die Förderung der biologischen Vielfalt und für den Schutz seltener und sensibler Tier- und Pflanzenarten sieht der Landschaftsplan verschiedene Maßnahmen vor: Die Anlage, Pflege und Wiederherstellung von Feuchtbiotopen, Streuobstwiesen, Brachen und Grünlandflächen. Die festgesetzten Maßnahmen dienen einerseits dem Erhalt und der Förderung der Tier- und Pflanzenwelt und dienen gleichzeitig dem Klimaschutz. Der Landschaftsplan unterstützt damit zudem maßgeblich das Ziel einer nachhaltigen Stadtentwicklung.

Grundlegend für die Wirksamkeit des Landschaftsplanes ist nicht nur sein Maßnahmenkatalog, sondern auch die Beachtung der festgesetzten Ge- und Verbote. Hierbei sind alle Dortmunder*innen wichtig und dazu aufgerufen, ihren Beitrag zu leisten.

Hunde müssen auf den Wegen bleiben
Es fängt schon bei der täglichen Gassi-Runde an. Für diejenigen, die beim Ausflug ins Grüne einen vierbeinigen Freund dabei haben, wird es durch den neuen Landschaftsplan übersichtlicher. Die Hundeanleinpflicht ist nun für alle Dortmunder Naturschutzgebiete und geschützte Landschaftsbestandteile klar und einheitlich geregelt, bisher gab es Unterschiede in den drei bisher gültigen Plänen. Grundsätzlich gilt nun: Mit dem Hund zusammen auf den Wegen bleiben („Wegegebot“). Außerhalb des Waldes sind Hunde in
Naturschutzgebieten und geschützten Landschaftsbestandteilen immer an der Leine zu führen. Im Wald – auch wenn dieser als Naturschutzgebiet oder geschützten Landschaftsbestandteil ausgewiesen ist – besteht die Anleinpflicht nicht, wohl aber das Wegegebot. Wünschenswert ist das Führen an der Leine im Wald aber dennoch. Denn Eichhörnchen oder Reh können manchmal plötzlich interessanter sein als das Leckerli in der Tasche von Herrchen oder Frauchen. Damit ist schon ein erster Schritt mit großer Wirkung in Richtung des Schutzes von wildlebenden Tieren, aber auch von Pflanzenarten gemacht.

 

Des Weiteren sind Festsetzungen zur land- und forstwirtschaftlichen Nutzung sowie zur Jagd getroffen worden, welche den Artenreichtum vor der Haustüre schützen.

Mehr Wildnis wagen
In den Naturschutzgebieten und geschützten Landschaftsbestandteilen sollen z. B. an Rändern von Gewässern und Wegen krautreiche Säume entwickelt werden. Auf Grünlandflächen gibt es Einschränkungen in Bezug auf die Düngung und ein Pestizidverbot auf landwirtschaftlich genutzten Flächen. Das kommt vor allem der Tier- und Pflanzenwelt zugute. Durch die extensive Nutzung werden krautige Pflanzen gefördert, von denen sich verschiedene Insekten ernähren, die wiederum Nahrungsquelle der Vögel unserer Feldflur
und des Waldes sind.

Eine ökologisch orientierte Waldpflege soll den Altholzanteil erhöhen, die Naturverjüngung und den Struktur- und Artenreichtum der Wälder fördern. Nicht nur Specht und Fledermaus finden hier ihre Heimat, auch viele verschiedene Moose, Flechten sowie Pilze.

Neue Regeln für die Jagd
Bezüglich der Bejagung in Schutzgebieten vertraten Naturschutzvereinigungen und Jagdinteressierte im Planungsprozess unterschiedliche, teils konträre Interessen und Sichtweisen. Gesucht waren praktikable Lösungen, welche zudem die Verhältnismäßigkeit wahren.

Die Diskussion der jagdlichen Regelungen zwischen den Interessenverbänden führte zu einem gemeinsam erarbeiteten Kompromiss von Jagdinteressierten und Naturschutzvereinigungen, mit dem sich sowohl die Interessenvertreter als auch die untere Jagdbehörde und die untere Naturschutzbehörde einverstanden erklärten.

Um zum Beispiel an Gewässern die Störung für die regelmäßig brütenden und rastenden, teilweise sehr seltenen Vogelarten zu minimieren, sind im neuen Landschaftsplan zeitliche Einschränkungen der Jagd an einzelnen Gewässern in Naturschutzgebieten und geschützten Landschaftsbestandteilen vorgesehen. Die Ausbildung brauchbarer Jagdhunde ist durch gesonderte Regelungen gewährleistet.

Diese Einigung ist ein wichtiger Schritt zur zukünftigen Akzeptanz der jagdlichen Regelungen und zeigt als gutes Beispiel, dass das Einbinden ehrenamtlich Wirkender in Planungsprozesse sehr konstruktiv und erfolgreich ist.

Freiräume und Biotopverbund erhalten
Durch die Schutzgebietsausweisungen und die Umsetzung der Maßnahmen des Landschaftsplanes wird ein Flächennetzwerk geschaffen, welches verschiedene Lebensräume miteinander verbindet und einen sogenannten Biotopverbund bildet. Die Flächen erfüllen verschiedenartige Lebensraumfunktionen als Teil- oder Ganzjahreslebensraum wie Ansitz- und Nistplatz, Nahrungsraum, Deckungsmöglichkeit vor Witterung und Feinden sowie als Überwinterungsquartier.

Ziel des Biotopverbundes ist es, Flächen und Populationen von Tier- und Pflanzenarten miteinander zu vernetzen, um einer genetischen Verarmung und Isolation von Populationen entgegenzuwirken. Dafür macht sich Dortmund als Gründungsmitglied der „Kommunen für biologische Vielfalt“ stark.

Neben dem Textteil mit den Erläuterungen und Festsetzungen wurde auch ein Umweltbericht (Band II) erstellt. „Der Umweltbericht ist ein tolles Nachschlagewerk für Menschen, die sich für Natur und Umwelt in unserer Stadt interessieren“, sagt Umwelt- und Planungsdezernent Ludger Wilde. Der Umweltbericht biete einen guten Überblick über die Bestandteile der Landschaft in Dortmund, wie z. B. geologische Verhältnisse, Boden, Wasser, Klima und Artenvielfalt.

Welche Bedeutung die Natur vor unserer Haustür hat, erfahren wir gerade jetzt in Zeiten der Corona-Pandemie. Viele Menschen entdecken das Spazieren gehen (wieder) für sich. Ohne weite Anfahrt ins Grüne – das geht auch in der Großstadt Dortmund. Und was wäre ein Leben ohne Vogelgezwitscher und Blütenpracht im Frühjahr?

Der Landschaftsplan in Zahlen
Besonders geschützte Teile von Natur- und Landschaft:

  • 35 Naturschutzgebiete (2.706 ha)
  • 48 Landschaftsschutzgebiete (8.584,5 ha)
  • 139 geschützte Landschaftsbestandteile (266,9 ha)
  • 76 Naturdenkmale

Der Flächenanteil der besonders geschützten Teile von Natur und Landschaft erhöht sich von aktuell 39,6 % auf künftig 41,18 % des Stadtgebietes.

Der Flächenanteil der Naturschutzgebiete und geschützten Landschaftsbestandteile beträgt dabei 10,59 %.

Mehr Informationen zum Landschaftsplan hat das Umweltamt der Stadt Dortmund
ins Netz gestellt – abrufbar unter www.umweltamt.dortmund.de.

 

 

 

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