Dem „Schmalflügligen Pelzbienen-Ölkäfer“ auf der Spur: Dortmunder Naturfreunde können helfen

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Alle Naturfreunde werden aufgerufen, ihre Beobachtungen über den schwarzen, ein Zentimeter großen Ölkäfer, aber auch über andere Ölkäfer-Arten mitzuteilen und Fotos zu schicken. (Foto: Bernd Stein)

Biologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) sind in Zusammenarbeit mit dem Käferspezialisten Dr. Johannes Lückmann dem „Schmalflügeligen Pelzbienen-Ölkäfer“ in Nordrhein-Westfalen auf der Spur. Sie wollen die Ausbreitung der Käfer besser beurteilen und bewerten.

Darum bittet das LWL-Museum für Naturkunde in Münster die Bevölkerung um Mithilfe: Aufgerufen werden alle Naturfreunde, ihre Beobachtungen über den schwarzen, ein Zentimeter großen Ölkäfer aber auch über andere Ölkäfer-Arten mitzuteilen und Fotos zu schicken. Das Naturmuseum Dortmund unterstützt die Suche nach diesem besonderen Sechsbeiner.

Bis zu Beginn der 90er Jahre war „Sitaris muralis“, so der wissenschaftliche Name, ausschließlich in der Rheinebene Baden-Württembergs, in Rheinland-Pfalz und Hessen bekannt. 2005 tauchte der Ölkäfer erstmals auch in Niedersachsen auf und 2006 im Saarland, 2009 in Bayern fest und 2010 in Brandenburg. Auf Grund der Nachweise vermuten die Forscher, dass sich die Käferart auch in Nordrhein-Westfalen, vor allem entlang des Rheins, ausbreitet.

Zusammenhang mit Klimaerwärmung?
Die Wissenschaftler versprechen sich Erkenntnisse im Zusammenhang mit der aktuellen Diskussion um die Klimaerwärmung. Dr. Heinrich Terlutter vom LWL-Museum für Naturkunde: „Die Natur liefert die besten Indikatoren für Umweltentwicklungen, und sie ist immer in Bewegung. Da taucht zum Beispiel das Taubenschwänzchen, ein Schmetterling aus südlichen Gefilden, plötzlich im Ruhrgebiet an Blüten auf.“

Gift-Produzent
Zurzeit rätseln die Experten noch, warum der Käfer wieder aufgetaucht ist. „Sitaris muralis“ ist zwar äußerlich unscheinbar, kann nicht fliegen, steckt aber voller Besonderheiten. So produziert der Käfer das hochwirksame Reiz- und Nervengift Cantharidin, das ihn vor Feinden schützt. Das Gift ist seit mehr als 2.000 Jahren bekannt. In großen Mengen aufgenommen, kann es zum Tod führen. In mittleren Dosen hat der Stoff eine heilende Wirkung.

Vermehrung per „Taxi“
Eine weitere Besonderheit der Ölkäfer besteht in ihrer einzigartigen Vermehrungsstrategie. Seine Larven entwickeln sich als Parasiten in den Nestern von Bienen, die in der Erde und in Mauerritzen nisten. In die Nester ihrer Wirte gelangen die Larven „per Taxi“: Im Frühjahr klammern sie sich im Haarkleid der ausfliegenden Bienen-Männchen fest, wechseln bei der Paarung auf die Weibchen über und lassen sich von ihnen in die Nester tragen. Dort verlässt die Käferlarve die Biene und vertilgt deren Pollen, Nektar und Bieneneier.

Bis zum Frühjahr des folgenden Jahres entwickelt sich die Larve zum Käfer. Jetzt im August schlüpfen die Käfer und sind bis Anfang September auch in Stadtbiotopen selbst von Laien zu erkennen. Nur wenige Tage darauf legen die Weibchen in der Nähe der Wildbienennester ein Eipaket von bis zu 2.700 Eiern ab. Nach drei bis vier Wochen schlüpfen die Larven, überwintern und nehmen im Frühjahr darauf ihrerseits das Taxi.

Früher nisteten so genannte Solitärbienen oft an Hohlwegen, Lösswänden und unverputzten Hauswänden. Diese Nistplätze sind zu einem großen Teil aus der Kulturlandschaft verschwunden, so dass Fundmeldungen des Schmalflügeligen Pelzbienen-Ölkäfers selten wurden, der wie alle Ölkäfer auf der Roten Liste der bedrohten Arten steht. In jüngster Zeit findet man den Käfer gelegentlich an regengeschützten und sonnenexponierten Stellen von Wänden oder Balkonen. Auch Ritzen, Fugen, Stopper von Rolläden sowie Wildbienen-Nisthilfen sind Ersatzlebensräume für die Bienen und damit mögliche Entwicklungsorte für den Käfer.

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