Das Jesuskind unterm Förderturm – ungewöhnliche Kleyer Krippe entwickelt sich im Wochenrhythmus

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Der Trinkhallen-Dauergast im Vordergrund hat schon bessere Zeiten erlebt, und auch die Umweltaktivistin (hinten Mitte) plagt sich mit etlichen Sorgen. Die Kleyer Krippenszenerie aber will veranschaulichen, was die Weihnachtsbotschaft im Hier und Jetzt bewirken kann, und ist daher ganz bewusst heute und vor der Haustür angesiedelt. (Fotos: IN-StadtMagazine)

Sehr viele Dortmunder Krippen lohnen einen Besuch und einen genaueren Blick. Zu finden sind etwa uralte Holzfiguren, wertvolle Künstler-Unikate oder gleich ein kompletter „Weihnachtsberg“ wie im Falle der Martin-Kirche aus der westlichen Innenstadt.

Eine wahrhaft ungewöhnliche Variante der Krippenszene kann nun seit dem 1. Advent bei deren Kleyer Namensvettern bewundert werden.

Pfarrer Robert Geßmann nämlich, Pfarrer der Alt-Katholischen St. Martin-Gemeinde, erinnerte sich eines Appells von Franz von Assisi, nach dem man Weihnachtstraditionen und insbesondere die Krippengestaltung immer an die Bedingungen anpassen solle, welche die Menschen in ihrem Alltag vorfänden. Mit anderen Worten: Keine Angst vor Modernität!

Kleys Pfarrer entschloss sich, dieses Prinzip konsequent umzusetzen und verlegte die komplette Szenerie ins heutige Dortmund. Dort ist jetzt ein Förderturm ebenso zu finden wie eine Kohlenlore und eine schmucke Ruhrgebiets-Trinkhalle. Wahllos ausgesucht ist dies alles allerdings nicht, denn in gewisser Weise ist die St. Martin-Krippe ein Schauspiel in mehreren Akten, das die Weihnachtsbotschaft in der heutigen Zeit abbilden und verankern will.

 

Daher finden sich inmitten der heimatlichen Symbolik zunächst ein Obdachloser auf der Suche nach „Trinkbarem“, eine Trauernde, ein Kriegsflüchtling und schließlich sogar eine Umweltaktivistin. All diese Akteure treten im Laufe der Adventssonntage erst nach und nach auf den Plan, und füllen auf diese Weise die Szenerie immer mehr. Gleichzeitig verändern sie ihren Standort und durchlaufen – ganz wie in einem echten Theaterstück eben – eine Entwicklung, die sich selbstverständlich insbesondere am Weihnachtsfest manifestiert.

Dem Jesuskind selbst dient dann die Kohlenlore als Wiege, und für die umstehenden anderen Protagonisten – gewissermaßen die „Hirten“ der Neuzeit, hat sich eine Akzentverschiebung und neue Hoffnung ergeben. Einzig die „Fridays for future“-Aktivistin steht ein wenig abseits und weiß, dass manche Probleme eben nur in einem sehr langen, kontinuierlichen Prozess behoben werden können.

Fraglos eine ganz neue Facette also, welche die Kleyer mit ihrer modernen, sich sukzessiv verändernden Krippe der Dortmunder Krippenlandschaft hinzufügen – und sicherlich ein Unikat, das einen genaueren Blick lohnt.

Wer Dortmunds vermutlich zeitgenössischste Krippe gerne begutachten möchte, kann sich im Netz unter www.dortmund.alt-katholisch.de kundig machen oder Pfarrer Robert Grießmann unter 0176/ 555 12348 anrufen. Die St. Martin-Kirche befindet sich am Kleyer Weg 89.

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