Suche nach alten Gasleitungen in Hombruch gestaltet sich schwierig – Kieferstraße zwischen Harkortstraße und Leostraße gesperrt

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Foto: IN-StadtMagazine

Zurzeit verlegt die DONETZ in Hombruch einige Stromkabel und nimmt an mehreren Stellen bauliche Anpassungen an der erdverlegten Infrastruktur vor. Dabei stieß das beauftragte Tiefbauunternehmen im Juli auf einen bisher unbekannten verrosteten Schachtdeckel und wenige Meter weiter, im Einmündungsbereich der Kieferstraße in die Harkortstraße, auf zwei bisher unbekannte Gussleitungen.

Für Erkundungen des Umfeldes bleibt der Straßenabschnitt der Kieferstraße zwischen der Harkortstraße und der Leostraße weiterhin für den Verkehr gesperrt.

Weder der verschraubte Deckel noch die offensichtlich uralten Leitungen mit einem Durchmesser von jeweils 50 cm, waren bei den Leitungsabfragen im Vorfeld der Arbeiten in den Plänen aufgetaucht.

Die offensichtlich nicht in Betrieb befindlichen alten Leitungen mussten eingekürzt werden, um neue Erdkabel für die Stromversorgung verlegen zu können. Dabei kamen an den Rohrinnenwänden geruchlich auffällige Verunreinigungen in Form von kristallisiertem Naphthalin zum Vorschein. Die Arbeiten wurden daraufhin umgehend eingestellt, da mit einem hohen Gefährdungspotenzial der Rückstände aus der Gas- und Koksproduktion gerechnet werden musste. Mit Unterstützung der hinzugerufenen Feuerwehr sind die offenen Enden der Gussrohre mit Beton und Sand verschlossen worden. Zuvor ließ die DONETZ eine Materialprobe aus den Gussleitungen sowie mehrere Bodenproben aus den übrigen, bisher nicht auffälligen Baugruben entnehmen. Anschließend wurden die Leitungen mit einer Folie abgedeckt sowie eine Sandauflage eingebracht. Zur Sicherung der Baugrube erfolgte eine Abdeckung mit Stahlplatten.

Baustelle stillgelgt
Die Abteilung für den betrieblichen Arbeitsschutz der Bezirksregierung Arnsberg verfügte die Stilllegung der Baustelle und ordnete die Erstellung eines Arbeits- und Sicherheitsplanes an.

Die chemische Analyse der Materialprobe aus dem Rohr erbrachte mit 800 g/kg den Nachweis von reinem Naphthalin. Die übrigen durch das Labor WESSLING aus Bochum analysierten Bodenproben aus den weiteren Baugruben zeigten deutlich geringe bis keine Schadstoffkonzentrationen.

Die Suche nach Informationen zur tatsächlichen Herkunft der gusseisernen Leitungen und des angetroffenen Schachtdeckels gestaltet sich wie die berühmte Suche der Nadel im Heuhaufen. Zwar hat das von der Stadt mit der industriehistorischen Recherche beauftragte Büro TABERG aus Lünen bereits zahlreiche Unterlagen zur bergbaulichen Vergangenheit im Stadtbezirk Hombruch sichten können, konkrete Angaben zum Verlauf von unterirdischen Gas- oder Produktleitungen fanden sich in den Archiven allerdings bisher nicht.

Punktuelle Suchschürfe
Auch die durchgeführten geomagnetischen Untersuchungen zur Leitungssuche lieferten kaum brauchbare Hinweise. Es zeigte sich, dass die alten Gasleitungen durch den in weiten Straßenabschnitten vorhandenen Lehmboden abgeschirmt werden und nicht als lineare Leitungsanomalien erkennbar sind. Die Stadt hat daher entschieden, das Vorhandensein der Leitungen und deren Verlauf mit Hilfe von punktuellen Suchschürfen zu erkunden. Dafür wird in noch festzulegenden Abständen die Straßendecke kleinräumig geöffnet. Werden die Leitungen angetroffen besteht die Möglichkeit, durch Anlegen einer geringen elektrischen Spannung außen am First der Rohrleitung die Ortung der Leitungsverläufe zu erleichtern.

Klärungsbedarf ist groß
Auch für den Bereich des ominösen Schachtdeckels in der Kieferstraße ist eine konkrete Erkundung geplant. Aufgrund der Einsichtnahme in die Bauakten für das Gebäude Harkortstraße 108 und die Befragung des Eigentümers kann ausgeschlossen werden, dass es sich bei der Abdeckung um den Domschacht eines Heizöltanks handelt. Da der im Straßenraum vorgefundene Deckel vermutlich nur der sichtbare kleine Teil eines größeren Hohlkörpers ist, soll dieser großräumiger freigelegt und erkundet werden. Sollte es sich zum Beispiel um einen Tank handeln, muss ausgeschlossen werden können, dass dieser zukünftig nachgibt und einen Tagesbruch verursacht. Bestätigt sich diese Befürchtung, so ist der Hohlkörper zu beseitigen.

Der Klärungsbedarf ist nach wie vor groß. Die weiteren Erkundungen werden noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Daher haben DONETZ und Stadt entschieden, die zentrale Baugrube zu verfüllen und die Befahrbarkeit wieder herzustellen. Der von den Arbeitsschützern der Bezirksregierung geforderte Arbeits- und Sicherheitsplans liegt mittlerweile vor, so dass mit den Arbeiten zur Restverfüllung am 7.9.2020 begonnen werden kann. Die Öffnungen der kontaminierten Rohrenden sind bereits verschlossen und abgedeckt. In den tieferen kritischen Bereich muss nicht eingegriffen werden. Bei den Restarbeiten ist daher davon auszugehen, dass es zu keinen umweltrelevanten Emissionen kommen wird. Ein Altlastensachverständiger übernimmt die Überwachung der Arbeiten zur Herstellung der Straßentragschicht. Ziel der Stadt ist es die Verkehrseinschränkungen möglichst schnell wieder aufheben zu können.

Kieferstraße zwischen Harkortstraße und Leostraße gesperrt
Der Straßenabschnitt der Kieferstraße zwischen der Harkortstraße und der Leostraße bleibt weiterhin für den Verkehr gesperrt. Dort wird in den nächsten Tagen das direkte Umfeld des Schachtes erkundet. Vom Ergebnis der Untersuchungen hängt dann die weitere Vorgehensweise ab.

Liegen alle Informationen aus den Recherchen und den Erkundungen vor, entscheidet es sich, ob die Relikte aus der Vergangenheit ein Umweltrisiko darstellen und entfernt werden müssen. Sollte dies nicht erforderlich sein, werden die Erkenntnisse über die Existenz der alten Infrastruktureinrichtungen feste Bestandteile der Kartenwerke, die im Vorfeld von Tiefbauarbeiten abzufragen und zu berücksichtigen sind.

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