Schritt für Schritt für Schritt – Elektromobilität in Dortmund geht nur langsam voran

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(v. l.) Kurt Pommerenke von der Wirtschaftsforschung, Monika Schneider von der DEW21 und Bezirksbürgermeister Hans Semmler berichteten über den Stand der Elektromobilität in Dortmund. (Foto: IN-StadtMgazine)

„Da kommt einer und legt den Schalter um“ ist leider eine utopische Vorstellung. Denn um die Elektromobilität in Dortmund zu etablieren, bedarf es erheblicher Aufwände. Um alle Hombrucher Interessierten über den Stand der Dinge zu informieren, hatte Bezirksbürgermeister Hans Semmler am 10. Juli zu einem Workshop zum Thema Elektromobilität in die Bezirksverwaltungsstelle eingeladen.

Brennstoffzelle ist eigentliche zukunftsträchtige Technik
In diesem Rahmen erläuterte zunächst Kurt Pommerenke, Projektleiter Smart City bei der Wirtschaftsförderung, die Pläne der Stadt. So bot er eine kurze Erklärung der Elektromobilität und grenzte den Begriff anderen Formen des elektrifizierten Verkehrs gegenüber ab. Demnach sind E-Scooter und Pedelecs per definitionem ausgeschlossen. Des Weiteren unterschied er zwischen Elektrofahrzeugen und Brennstoffzellenfahrzeugen, befasste sich jedoch im weiteren Verlauf vor allem mit ersterem.

Kritisiert durch einige Zuhörer räumte er ein, dass die Brennstoffzelle die eigentliche zukunftsträchtige Technik darstelle, aber „wir müssen anfangen mit einer Technologie“. Die „low hanging fruits“ stellten dabei vorrangig Elektrofahrzeuge dar, weil derzeit schlicht eine Wasserstoffquelle fehle. Die Energiebilanz des Transports wiege die Vorteile des Wasserstoffantriebs derzeit noch auf. Trotzdem lasse die Stadt das „Thema Wasserstoff“ „nicht links liegen“. Derzeit liefen beispielsweise Diskussionen, am Flughafen eine Ladesäule zu installieren, da dort mit der entsprechenden Nachfrage zu rechnen sei.

Masterplan Mobilität 2030 für Verkehrswende in Dortmund
Den Kern von Pommerenkes Vortrag stellte jedoch der Masterplan Mobilität 2030 dar, der etwa 30 Einzelmaßnahmen zur Verkehrswende in Dortmund enthält. Für die Umsetzung stehen Fördermittel von 35 Millionen Euro zur Verfügung. In diesem Zusammenhang steht auch das Teilkonzept EMoDo³, das sich mit den thematischen Schwerpunkten Ladeinfrastruktur und Erneuerbare Energien, urbane Wirtschaftsverkehre und (kommunale) Flotte sowie Individualverkehr und multimodale Konzepte befasst. Die Planungen dazu sind bereits abgeschlossen. So soll der Anteil von Elektrofahrzeugen bis 2030 insgesamt gesteigert werden. Dabei kommt das Förderprogramm „Progress.nrw“ zum Tragen, das den Ausbau von privater und öffentlicher Ladeinfrastruktur unterstützt. Voraussetzung ist hierbei die Verwendung von Ökostrom.

Ausbau der Ladeinfrastruktur erfordert Hot-Spot-Analysen
Speziell mit dem Thema Ladeinfrastruktur befasste sich der Vortrag von Monika Schneider, die im Bereich von Energielösungen bei der DEW21 tätig ist. So berichtete sie von dem Projekt „NOX-Block“, im Rahmen dessen die Installation von Ladepunkten an 500 Straßenlaternen im Stadtgebiet geplant ist, die „eine eher geringe Ladeleistung“ böten, „aber eine Lösung für die Nacht“ darstellten. Derzeit ermittelt die Stadt infrage kommende Stellen, wobei alle Bürger*innen ihre Vorschläge einbringen können.

Ein zentrales Problem der Ladeinfrastruktur erläuterte eine anwesende Bürgerin. So sei es so gut wie unmöglich, während eines Theaterbesuchs in Münster ihr Elektrofahrzeug zu laden, weil die entsprechenden Verträge mit den kommunalen Stromanbietern fehlten. Pommerenke stimmte ihr zu und führte an, dass beispielsweise Düsseldorf und München Fremdnutzer*innen gänzlich von ihren Elektromobilitätssystemen ausschlössen. Davon, dass es „im Moment noch kleine oder größere Baustellen für den Nutzer“ gibt, ist er überzeugt.

Doch auch die Stadt muss noch einige Hürden nehmen. Bevor nämlich die Ladeinfrastruktur zielführend ausgebaut werden kann, müssen Hot-Spot-Analysen durchgeführt werden. Denn nicht in allen Stadtteilen in Dortmund können bedenkenlos Elektrofahrzeuge geladen werden. In Brünninghausen beispielsweise ist ein vorheriger Ausbau des Stromnetzes unverzichtbar, „sonst ist der Stadtteil dunkel“.

ÖPNV müsse stärker und preiswerter werden
Es geht also nur langsam voran mit der Elektromobilität in Dortmund. Bezirksbürgermeister Hans Semmler setzt deshalb gleichzeitig auf ein Umdenken beim Thema ÖPNV (Öffentlicher Personennahverkehr). Dieser müsse gestärkt werden und stärken „heißt aber auch preiswerter machen“. „Schritt für Schritt für Schritt“ ist also das Mantra der Dortmunder Bürgerschaft.

Stellen für Ladepunkte können der Stadt unter cio@stadtdo.de vorgeschlagen werden.

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