Am Dortmunder U verschwindet letzte Baulücke – aber auch die freie Sicht

0
24
Mit dem nun eingeläuteten Bauprojekt – bestehend aus einer Ergänzung der Häuserzeile sowie einem „Solitär“ - schließt sich die letzte Baulücke am Dortmunder U. (Grafiken u. Animationen: kadawittfeldarchitektur / Landmarken AG)

Dortmunds Stadtbild dürfte eher durch seine Gebäude als durch seine Plätze geprägt werden. In die erste Kategorie jedenfalls gehört zweifellos auch das Dortmunder U, das spätestens in seiner neuen Funktion den Rang eines städtischen Wahrzeichens hat. Das umliegende Gelände allerdings steht bzw. stand angesichts immenser Umbaukosten seit Fertigstellung des Kulturzentrums auf der Verkaufsliste.

Und während in diesen Tagen die Baumaßnahmen auf dem Skater-Gelände aufgenommen werden, ist seit Ende Juni nun auch die Zukunft des anliegenden, letzten freien Areals unter Dach und Fach: Das westlich der Einmündung von Emil-Schumacher-Straße auf die Rheinische Straße gelegene Baufeld wurde jüngst an die Aachener Landmarken AG veräußert und soll als moderner und digitaler Bürostandort entwickelt werden. Zu diesem Zweck entwickelte man gemeinsam mit dem in derselben Stadt beheimateten Architekturbüro kadawittfeldarchitektur einen Entwurf, der sich städtebaulich einfügen und dennoch eigenständig wahrgenommen werden soll.

Neben einem kleineren Gebäudeteil, der die bestehende Häuserzeile ergänzt, dreht es sich dabei um einen sich über sieben Etagen erstreckenden sogenannten „Solitär“: Ein sechseckiges, nach innen wie außen sehr transparentes Gebäude, das baulich sowohl auf das Dortmunder U Bezug nehmen als auch Impulse der Umgebung integrieren möchte. Durch sein begrüntes, zur Rheinischen Straße hin abgeschrägtes Dach etwa wird die Höhe der Nachbargebäude im Entwurf aufgegriffen.

Beim zwischen den beiden Baukörpern gelegenen öffentlichen Außenraum wurde Wert auf eine „hohe Verweilqualität“ gelegt, aus Sicht der Architekten bietet sich diese Fläche zudem für Außengastronomie an. Prägendes Element des Innenraums wird ein Atrium sein, welches sich über alle Etagen erstreckt und nach oben hin verglast ist. Kilian Kada, Geschäftsführer des Architekturbüros, sprach anlässlich der Vorstellung der Pläne in einem – aufgrund der Entfernungen vielleicht etwas bemühten – Vergleich von seinem Projekt als einem „verbindenden Trittstein aus der Stadt und den Westpark hinein in das Entwicklungsgebiet am Dortmunder U“. Auch OB Ullrich Sierau war voll des Lobes über diesen nun geplanten „kleinen Bruder des ‚U‘“, und der Begriff „Landmarke“ beherrschte die Präsentation nicht nur wegen des Namens des Projektentwicklers.

Die Tatsache allerdings, dass der neue „Solitär“ die gleiche Höhe haben wird wie die benachbarten Gebäude der BIG Versicherung, dürfte nicht wenigen Dortmundern missfallen, denn schon bei deren Bau gaben Kritiker zu bedenken, die Stadt Dortmund baue sich den freien Blick auf eines seiner Wahrzeichen komplett zu. Insofern entbehrt das neue Projekt tatsächlich nicht einer gewissen Ironie, nimmt man doch zur Schaffung der neuen „Landmarke“ zumindest in Kauf, dass die alte, wichtigere nun fast komplett hinter anderen Fassaden verschwindet.

Hoffentlich braucht man, um Winkelmanns „Fliegende Bilder“ bewundern zu können, in Dortmund künftig nicht fast zwingend eine Dachwohnung!

Hinterlasse einen Kommentar

avatar
500