70 Jahre Zoofreunde

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Prof. Dr. Stefan Dieterle ist 1. Vorsitzender der Zoofreunde Dortmund e. V. (Foto: privat)

Das Zootier des Jahres 2019 gehört zu den besonders bedrohten Tierarten. Oder umgekehrt: Weil der Gibbon zu den bedrohtesten Menschenaffen der Welt zählt, wählte die Gesellschaft für Populationsschutz den Gibbon 2019 zum Zootier des Jahres. Denn es reicht nicht, die Gefährdung der Tierwelt zu beklagen. Vielmehr müssen Maßnahmen ergriffen werden, um die bedrohten Arten zu schützen.

In diesem Zusammenhang führt der Dortmunder Zoo Erhaltungszuchtprogramme durch, um das Überleben von Tierarten zu sichern und Auswilderungen zu ermöglichen. Diese Arbeit muss gefördert werden, findet Prof. Dr. Stefan Dieterle, der deshalb im Jahr 2014 den Vorsitz der Zoofreunde Dortmund übernommen hat. Am 3. Februar feiert der Verein sein 70-jähriges Jubiläum.

Im Jahr 1950 gründeten sich die Zoofreunde, die damals noch Zoo-Gesellschaft hießen, um in Dortmund einen Zoo zu eröffnen. Nach monatelangem Ringen mit der Dortmunder Politik, die zunächst eine „kleine Lösung“ vorschlug, nach der der Rombergpark eingefriedet und dort einige Tiere ausgesetzt werden sollten, begann im Sommer 1951 der Bau des Tierparks.

Die Zoo-Gesellschaft selbst war es dann, die den Tierpark im Jahr 1953 offiziell eröffnete und von nun an aktiv an der Attraktivität und Erhaltung arbeitete. Von einem Zoo zu sprechen, erschien jedoch nicht angemessen, weil die Tiere aus damaliger Perspektive „nicht unter zoologischen Gesichtspunkten“ untergebracht waren, wie es auf der Vereins-Homepage heißt. Acht Jahre später kam es dann zu der naheliegenden Namensänderung: aus der Zoo-Gesellschaft wurden die Tierparkfreunde.

In den folgenden Jahren spendete der Verein eine Vielzahl an Tieren und ermöglichte mehrere Neubauten. So eröffnete im Jahr 1986 das Giraffenhaus und in den 90er Jahren wurden Amazonashaus und Otterhaus eingeweiht. Das Regenwaldhaus Rumah hutan, das 2004 gebaut worden war, wurde im Jahr 2014 renoviert.

Im gleichen Jahr übergab Prof. Dr. Lutz Aderhold den Vereinsvorsitz an Prof. Dieterle, der von nun an einiges anders machte, immer seine drei zentralen Ziele vor Augen: Die erwähnte Arterhaltung, die „Freizeitgestaltung der Bevölkerung“ und den damit einhergehenden „Imagefaktor“ sowie die Aufgabe der Bildung und Erziehung.

In seiner Kindheit hatte Prof. Dieterle „immer damit geliebäugelt, Zoodirektor zu werden“ und verschlang von Zoodirektoren publizierte Bücher. Auch heute noch betrachtet er den Beruf des Zoodirektors für einen Absolventen der Zoologie als „das höchste Ziel, was man da erreichen kann“. Mit dieser Bemerkung zieht Prof. Dieterle den Hut vor Zoodirektor Dr. Frank Brandstätter. Er selbst entschied sich für ein Medizinstudium und engagiert sich nun ehrenamtlich für den Zoo.

In einigen wenigen Fällen trafen sich diese beiden Lebensbereiche. Als es bei einer Ameisenbärin zu einer der höchst seltenen Zwillings-Trächtigkeit kam, bat Zootierärztin Dr. Christine Osmann den Gynäkologen hinzu, um mithilfe von Ultraschall den Verlauf genau zu beobachten.

Nachdem Prof. Dieterle den Staffelstab von Prof. Aderhold entgegengenommen hatte, setzte er sich aktiv für eine intensivere Kommunikation ein. So gibt es einen neuen Internetauftritt sowie eine sorgfältig gepflegte Facebookseite. Doch auch der Dialog mit Nicht- oder Noch-nicht-Mitgliedern liegt Prof. Dieterle am Herzen. Am Infostand vor dem Amazonashaus können sich die BesucherInnen an Wochenenden über die Belange des Zoos und der Zoofreunde informieren.

Was die Zoofreunde mit diesen Aktionen erreichen, zeigen die Mitgliederzahlen deutlich. Zählte der Verein in den achtziger Jahren noch 1000 Mitglieder, befanden sich die Zahlen im Jahr 2014 „auf dem absteigenden Ast“, so Prof. Dieterle. Doch dann folgte eine „Trendwende“, sodass die Zoofreunde sich nun wieder über etwa 750 Mitglieder freuen.

Doch eines ist gleich geblieben: Noch immer nutzen die Zoofreunde ihre Mitgliedsbeiträge und Spenden, um die Attraktivität des Zoos zu steigern. Erst im letzten Jahr konnten sie so eine ungefähr 200.000 Euro teure Ibis-Voliere an die Stadtgesellschaft übergeben. Nun denkt man über eine Anlage für Wüstenfüchse nach.

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