Zum Jubiläum eine Ausstellung – 100 Jahre Boxsport 20/50

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Die 1. DBS-Jubiläumsausstellung im Schaufenster der Fa. Ballsportdirekt in Dortmund. (Foto: Verein)

100 Jahre Boxsport in Dortmund! Was in den ersten Januartagen 1920 beim Wirt Sebastian Siewers in der Zimmer Straße 26 am Steinplatz mit der Vereinsgründung ganz unspektakulär begann, hat sich in den folgenden Jahrzehnten trotz vieler zeitlich bedingter Schwierigkeiten in den Köpfen boxsportbegeisterter junger Männer nicht mehr verdrängen lassen.

Obwohl die Zeit damals nach dem verlorenen 1. Weltkrieg, dem Kapp-Putsch, der 1923 erfolgten Besetzung Dortmunds durch die Franzosen, den folgenden lnflationsjahren bis zum Zusammenbruch der Weltwirtschaft und ab 1939 mit dem Beginn des 2. Weltkriegs eigentlich keinen Spielraum für hochfliegende Pläne zuließ – und dennoch: Unmittelbar nach der Gründung des Dortmunder Boxsport 1920 kam es in Dortmund zu einer nicht zu erwartenden stürmischen Entwicklung dieses Sportzweiges. Bereits Ende 1925 zählte man sage und schreibe 19 Boxsportvereine bzw. Boxsportabteilungen – eine unmittelbare Folge dieser vorausgegangenen Klubgründung

Acht junge Leute, Anton Tausch, Richard Meyer, die Brüder Fritz und Heinrich Menke, Ernst Feuler, Karl Blumenstein, Artur Jakoby und v. Delf jr. waren es damals, die den Schritt in eine ungewisse Zukunft wagten. Und ihr Optimismus zahlte sich aus – denn bereits 1923 war es ein 36-Jähriger, der in Würzburg den Etablierten in seiner Gewichtsklasse das Fürchten lehrte und Deutscher Meister im Bantamgewicht wurde. Die Rede ist von Erich Trippe. ln den Folgejahren wurde er noch zweimal Vizemeister, mehrere Male Westfalenmeister und auch Dortmunder Stadtmeister.

Trippe leitete über Jahre eine Boxschule in der Weber Straße 4, wo er bis zur Zerstörung des Gebäudes im letzten Kriegsjahr etliche Vereine trainiert hatte. 10 Jahre später war es Karl Schmedes, der in seine Fußstapfen trat. Schmedes wurde von 1933 bis 1936 viermal hintereinander Deutscher Mäister im Leichtgewicht, errang 1934 bei den
Europameisterschaften in Ungarn eine Bronzemedaille und gehörte zum Teilnehmerfeld der
Olympischen Spiele 1936 in Berlin. Außerdem startete er auch intemational in der Staffel des Deutschen Reichsbundes für Amateurboxen und war deren Mannschaftskapitän.

Ab 1927 kam aus Bielefeld Gustav Eder, der sich für kurze Zeit dem DBS 20 anschloss, bevor er in Dortmund seine internationale Karriere startete. Eder blieb viele Jahre in seiner Gewichtsklasse Deutscher Meister. Er zählte nach Max Schmeling zum erfolgreichsten Berufsboxer in Deutschland.

Nach 1945, in einer bitterarmen Zeit, begannen Fritz Dülfer, Heinrich Störmann, der alte Haudegen Richard Meyer und Eugen Vahlkarnp das Vereinsschiff wieder auf Kurs zu bringen. ln der Turnhalle in der Paulinenstraße stellte Fritz Dülfer seine erste Nachkriegsstaffel zusammen – mit Erfolg. 1963 konnte Bernd Cibulski Deutscher Juniorenmeister im Halbmittelgewicht werden. 1970 fusionierte der
DBS mit dem Boxring 50 Dorstfeld – aus dem ehemaligen Dortmunder Boxsport 20 war der DBS 20/50 geworden.

1977 wurde Dieter Schurnann 1. Vorsitzender – eine Position, die er auch heute noch, nach 47 Jahren, innehat. Unter seiner Regie gah es irn Verlaufe der nächsten Jahre über 100 Veranstaltungen, darunter fanden 18 Bezirksausscheidungen im Helene-Lange-Gymnasium in Hombruch statt, die legendären Turniere um den Goldenen Bsxhandschuh des Dortmunder Boxsport 20/50, die WABV-Endrunden sowie 10 Städtevergleiche.

Von 1982 bis 89 war es dann Uli Besken, der in diesen Jahren von sich reden machte. Nicht nur, dass er in dieser Zeit 5 Länderkämpfe hestritt, auch die übrige Bilanz liest sich bestens: Besken wurde in verschiedenen Altersklassen sechsmal Deutseher Meister und erkämpfte sich in Ahlen {für den dortigen Verein startete er in der 1. Bundesliga) mit der Staffel zweimal die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft.

2010 trat Goda Dailydaite zu den Profis über, nachdem sie ein Jahr zuvor noch internationale Deutsche Meisterin im Lager der Amateure werden konnte. 2012 gewann sie schließlich ihren 1. WM-Titel.

Vieles hat sich im Laufe eines Jahrhunderts verändert oder ergänzt, weil der aktiv betriebene Sport nur ein Teil des Angebots ausmacht, das heute den Mitgliedern des Vereins angeboten wird. Dazu gehören die Prominenten-Stammtische, die inzwischen seit über 25 Jahren zum festen Angebot des Dortmunder Boxsport 20/50 gehören.

Rolf Schürmann

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