Smart Rhino nimmt an Geschwindigkeit auf – Abrissarbeiten auf HSP-Areal haben eindrucksvolle Wirkung

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Einstmals das pulsierende Herz der Umgebung, ist inzwischen von der Hoesch-Maschinenhalle nur noch ein entkerntes Gerippe übrig - auch hiervon werden die letzten Reste in einigen Monaten verschwunden sein. (Fotos: IN-StadtMagazine)

Ein Gigant verschwindet
Ein kleiner Schritt für das Projekt, aber ein großer Schritt für das Erscheinungsbild des Quartiers: In diesen Tagen wird auf dem ehemaligen HSP-Gelände in der westlichen Innenstadt die alte Maschinenhalle abgerissen – ein Bauwerk, das es von seinen Abmaßen fast mit kleineren Stadtteilen aufnehmen kann, erstreckt es sich doch über eine Länge von mehr als einem halben Kilometer.

So endete der Blick der Dortmunder von der Rheinischen Straße aus in Richtung Norden seit den 1950er-Jahren nach wenigen Metern an der Wand dieses grünen Kolosses, und den Union-Gewerbehof ließ nicht zuletzt die an seinem Rand steil aufragende Hallenwand wie einen eigenen Mikrokosmos wirken.
Nun also hat die Stahlschmiede längst vergangener Tage endgültig ihre Schuldigkeit getan, hält hier und da nur noch in Resten als Lärm- und Sichtschutz im Zuge der Bauarbeiten die Stellung. Sollten auch die dann bald verschwunden sein, wird so mancher Durchreisende womöglich verwundert den Kopf drehen, weil die ganze Gegend plötzlich so komplett anders wirkt als früher.

Eine optische Veränderung, die den Aufbruch in neue Zeiten sowie das Verschwinden des alten, industriellen Dortmund so eindrücklich symbolisiert wie nur wenige. Stahl- und Kohlestadt ist Dortmund eben nur noch in Erzählungen.

Die Zukunft im Zeichen von Forschung und (grüner) Mobilität
Die Zukunft der Stadt wiederum ist kürzlich wieder ein Stückchen konkreter geworden, denn seit Mitte April liegt das Ergebnis der Machbarkeitsstudie vor, welche der Rat der Stadt im Mai 2019 bei Stadtverwaltung und Grundstückseigentümer in Auftrag gegeben hatte. In deren Rahmen sollte die Projektidee „Smart Rhino“ analysiert, konkretisiert sowie die Einbettung in größere Entwicklungsprojekte (wie z. B. „Emscher nordwärts, IGA 2027) dargestellt werden. Im Zuge von „Smart Rhino“ soll das ehemalige Hoesch-Areal in ein urbanes Quartier inkl. Technologiepark verwandelt werden, in dem auch die hiesige Fachhochschule ihren neuen Standort erhalten soll. Mit öffentlichen Plätzen, sogenannten „dritten Orten“, wollen die Planungen Räume für Begegnung, Austausch und Miteinander schaffen. Dies beinhaltet auch öffentlich nutzbare Parkanlagen, die sich in das Gesamtkonzept von „Emscher nordwärts“ einfügen und ein Teil der 5 km langen Entwicklungsachse entlang des Emschertals sind.

Die Machbarkeitsstudie beurteilt diese Vorhaben ebenso positiv wie den Leitgedanken eines klimafreundlichen Stadtquartiers mit stark reduzierter CO2-Bilanz. Das ehrgeizige Ziel einer Reduktion des Kfz-Quartiers im Vergleich zu entsprechenden Quartieren wird als realisierbar eingeschätzt. Es beinhaltet eine gute Vernetzung von „Smart Rhino“ mit dem ÖPNV sowohl über die Stadtbahn als auch durch eine Verlängerung der H-Bahn-Trasse über das HSP-Gelände bis zum Hafen.

Weitere angedachte Module des Energiekonzepts sind etwa eine Nutzung der Abwärme aus dem naheliegenden Kanalsystem oder die Verwertung von „grünem Wasserstoff“. Mit einem Umzug der Dortmunder Fachhochschule an diesen neuen, zentralen Standort hofft man die dortige Unterbringungsproblematik aus der Welt zu schaffen. Zumal derzeit, wie FH-Rektor Prof. Dr. Wilhelm Schwick erläutert, „die Verteilung auf mehrere Standorte echte Interdisziplinarität fast unmöglich macht“.

Bei all diesen zukunftszugewandten Plänen soll Dortmunds industrielles Erbe auf „Smart Rhino“ dann doch nicht völlig von der Bildfläche verschwinden, denn drei historische Gebäude – Walzendreherei, Feldherrnhalle und das sogenannte Emscherschlösschen – möchten die Planer erhalten und zu identitätsstiftenden, optischen Ankerpunkten machen. Als Nutzungsmöglichkeiten sind derzeit Co-Working-Spaces, Gastronomie, Lofts und Nutzungen durch die FH angedacht.

Hinsichtlich der notwendigen Kosten trifft die Machbarkeitsstudie anhand einer Kostenbetrachtung der Thelen Gruppe erste Aussagen. Die maßgeblichen Baukosten für die Nutzungen Wohnen + Kita, Fachhochschule, Berufskolleg, Science Factories, Gastronomie + Hotelgewerbe und Parkraum ergeben eine Summe von rund 1,74 Milliarden Euro. Enthalten sind hierin die von der Thelen-Gruppe als Investor zum größten Teil getragenen Aufwendungen für Grundstückherstellung, Wege- und Platzerschließung sowie Oberflächenentwässerung/Strom/Medien. Es addieren sich 110 Millionen Euro für die Schienenanbindung, für die sich die Stadt um Fördermittel bewerben möchte.

Die Projektinitiatoren bekräftigen, die Stadtgesellschaft in einen transparenten Entwicklungsprozess mit einbinden zu wollen: Ab Herbst 2020 soll ein städtebaulicher Realisierungswettbewerb vorbereitet und in 2021 durchgeführt werden. Auch besteht der Vorsatz, lokales ExpertInnenwissen im Zuge der weiteren Planungen zu aktivieren.

Insgesamt also attestiert die Studie den Initiatoren die Umsetzbarkeit die grundsätzliche Umsetzbarkeit ihres Konzeptes, welches aber noch nicht als endgültiger städtebaulicher Entwurf, sondern als Grundlage für Kostenbetrachtung und Realisierungswettbewerb zu verstehen ist.

Die Thelen Gruppe und die Stadt Dortmund setzen darauf, dass der Rat der Stadt Dortmund die Ziele des Zukunftsprojektes SMART RHINO mitträgt sowie der weiteren Konkretisierung des Projektes und der Umsetzung der nächsten Projektschritte im Juni 2020 zustimmt.

Auf der Grundlage der Machbarkeitsstudie und des Ratsbeschlusses sollen dann die Gespräche mit dem Land NRW – insbesondere hinsichtlich der Fachhochschul-Verlagerung – intensiviert werden.

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