(Titelfoto:) Dortmunds Kolumbarium bietet eine andere Art der Trauerkultur: Die verwinkelten Grabfelder des Kolumbariums gewähren viele Möglichkeiten, sich in Ruhe niederzulassen. Die Weiträumigkeit der Liebfrauenkirche wurde allerdings beibehalten.  (Fotos: IN-StadtMagazine)

Das Wort „Kolumbarium“ dürften die meisten Menschen noch nachschlagen bzw. googlen müssen, dabei verfügt auch Dortmund bereits seit rund einem Jahrzehnt über eine solche Einrichtung.

Amerikas Entdecker jedenfalls spielt hier, der Namensähnlichkeit zum Trotz, keinerlei Rolle. Was sich sich an der Amalienstraße im Schiff der Liebfrauenkirche findet, ist vielmehr eine Urnenbegräbnisstätte. Mit der entsprechenden Umnutzung begegnete die katholische Kirchengemeinde im Jahre 2010 der schwindenden Mitgliederzahl bei gleichzeitigem dringenden Renovierungsbedarf. Zudem konnte so die flächenmäßig größte katholische Kirche der Stadt als Andachtsraum erhalten werden: Eine Alternative, die den Verantwortlichen seinerzeit angemessener erschien als etwa eine Umwandlung in ein Event-Gebäude.

 

Kolumbarien erfreuen sich aktuell wachsender Beliebtheit, eine Erfindung unserer Tage sind sie allerdings keineswegs. Fast zeitgleich mit der Fertigstellung der neugotischen Liebfrauenkirche im Jahre 1883 etablierten sie sich hierzulande, nachdem Anno 1879 die Feuerbestattung eingeführt worden war. Eher ungewöhnlich ist an der Amalienstraße jedoch, dass hier ganz auf das Einziehen von Zwischenwänden verzichtet wurde. Auch wurden die Grabfelder nicht in Wandnischen, sondern in etwa hüfthohen Bronzequadern untergebracht, die sich symmetrisch angeordnet durch das komplette Kirchenschiff ziehen und in ihrer Form an Kirchenbänke erinnern: So bekommen die Angehörigen gewissermaßen die Möglichkeit, sich zu den Verstorbenen zu setzen. In diese Quader sind die einzelnen Urnenplätze senkrecht eingelassen.

Kolumbarien entsprechen dem Wunsch vieler Angehörigen nach einer Grabstelle ohne Pflegeaufwand, bieten aber trotzdem Raum für respektvolles Trauern. Insgesamt 5000 Urnenplätze stehen an der Amalienstraße zur Verfügung, von denen nach rund 10 Jahren etwa 1000 vergeben sind. Hierbei weist jede Urnenkammer zwei Urnenplätze auf, welche an Mitglieder derselben Familie vergeben werden können, aber nicht müssen. Findet etwa ein Ehepaar in einer Urnenkammer seine letzte Ruhestätte, dürfen die Hinterbliebenen sowohl deren genaue Lage als auch die Gestaltung der bronzenen Grabplatte bestimmen. Anders sieht dies bei den Reihengrabstätten aus, die in festgelegter Abfolge vergeben werden. Auf Wunsch ergänzt um Blumenvase und Opferlichthalter, fügt sich das Ensemble der Grabstellen inmitten des weiträumigen Kirchenschiffs zu einer stimmungsvollen, meditativen Atmosphäre.

Nicht ganz leicht fallen dürfte es den Besuchern allerdings, sich inmitten der vielen Urnenplätze auf Anhieb zurechtzufinden. Aus diesem Grunde liegt am Eingang ein Ordner mit alphabetischem Verzeichnis aus, der den Weg zum richtigen Ort weist. Hier sind auch all jene Verstorbenen aufgelistet, die ihre Ruhestätte in der seitlich gelegenen Josefskapelle fanden: Dort gibt es ein Urnengemeinschaftsgrab mit übereinander angeordneten Nischen, wie man das beispielsweise von den Friedhöfen südlicher Länder kennt, wobei jede Nische zwischen sechs und acht Urnen beherbergt. Und schlussendlich findet sich in der Liebfrauenkirche auch ein Ort für mittellose Menschen, um deren Begräbnis sich niemand hat kümmern können oder wollen: Die „Grabstätte für Unbedachte“ bietet die Möglichkeit, auch ihrer zu gedenken. In diesem Zusammenhang spart die Verwaltungsleiterin der Grabeskirche, Catrin Drewes, nicht mit Lob für die organisatorischen Fähigkeiten des Dortmunder Ordnungsamts, in dessen Bereich u. a. die Suche nach etwaigen Familienangehörigen fällt.

Hilfe und Begleitung für trauernde Hinterbliebene bietet die Liebfrauenkirche durch ihre Zusammenarbeit mit den Hospizdiensten St. Christophorus des Malteser Hilfsdienstes e. V., die ihren Sitz auf der anderen Straßenseite haben. Dortmunds Kolumbarium will eben nicht nur eine Beisetzungsstätte sein, sondern auch ein Ort, um sich mit den Fragen von Leben und Tod, Sterben und Abschiednehmen auseinanderzusetzen.

Die wichtigsten Infos zu Dortmunds Kolumbarium sind im Internet unter www.grabeskirche-liebfrauen.de zusammengefasst. Die Grabeskirche selbst ist täglich von 10 Uhr bis 17 Uhr geöffnet, die Verwaltung erreicht man von Montag bis Freitag zwischen 9 Uhr und 13 Uhr unter 0231/ 545045-95.

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