Rothe Erde – die Industrie kommt und prägt das Viertel – von Dr. Günter Spranke

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Die „Kaserne der Paulinenhütte“ steht unter Denkmalschutz (Fotos: privat)

Im 19. Jhd. erwarben Industriepioniere und finanzkräftige Investoren mehr und mehr Grundbesitz in der Gegend um die Rheinische Straße. Ein Beispiel möge uns eine bis heute existierende Maschinenfabrik geben. Das an der Tremoniastraße bestehende Werk „Rothe Erde“ führt uns mit seiner Geschichte zurück bis an den Beginn der westfälischen und damit in die Frühzeit der deutschen Schwerindustrie und des Maschinenbaus.

Die historische Paulinenhütte.

Der Begründer des Werkes Hermann Kamp (1813–1891) verlagerte 1854 die Betriebsstätte der von seinem Vater Heinrich Kamp (1786–1853) gemeinsam mit Friedrich Harkort (1793–1880) gegründeten „Paulinenhütte“ von Wetter/Ruhr in den Dortmunder Westen. Dieses Werk nannte er nach seiner, aus Hagen stammenden, Ehefrau Pauline (geb. Möllenhoff (1820-1892)), mit der er seit 1840 verheiratet war. Eine Seitenstraße erinnert an die Industriellengattin, an ihr ist ein markantes Beispiel der Industriearchitektur erhalten. In der Paulinenstraße finden wir noch heute eine sogenannte „Kaserne“, eine Arbeiterwohnanlage, deren Erbauung zurückreicht ins Jahr 1857. Im Gegensatz zu damals üblichen Logierheimen wurden hier die Schlafsäle und die Haushalte der 100 ledigen Industriearbeiter von den Ehefrauen und Töchtern der in den übrigen 16 Wohnungen untergebrachten Familien geführt.

Heinrich Kamp

Noch einiges über die dazugehörige Firma: Aus der frühen Werkstatt entstand in Etappen 1856 und 1861 das Eisenwerk „Rothe Erde“, welches zuerst Achsen, Räder und weiteres Zubehör für Eisenbahnen aus selbsterzeugtem Eisen fertigte. Im Jahr 1916 wurde das Werk in das Dortmunder Union Hüttenwerk eingegliedert. Heute ist die Firma Weltmarktführer auf den Gebieten der Erzeugung von Großwälzlagern, Ringen und Lenkkränzen.

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