Licht und Schatten für Kita „Zum Förderturm“

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Fotos: IN-StadtMagazine

Dorstfelder holen sich Umweltpreis – und stehen plötzlich ohne Baugenehmigung da

Welch ein Wechselbad der Gefühle für das Team der Dorstfelder Kita „Zum Förderturm“: Binnen einer halben Woche trafen zwei Neuigkeiten an der Trippestraße ein – aber nur eine von beiden bereitete Grund zur Freude.

Zunächst einmal war da nämlich die Mitteilung, dass man zu den Gewinnern des diesjährigen Umweltpreises der Stadt Dortmund gehöre: Unter der Überschrift „Die Erde hat kein dickes Fell“ hatten sich die Drei- bis Sechsjährigen mehrere Wochen lang und unter Einbeziehung aller Sinne der Frage gewidmet, wie die Menschen den Boden schützen und sorgsam mit ihm umgehen können. Da wurde mikroskopiert, gefühlt, gerochen und gemalt – und Stück für Stück wuchs das Wissen darüber, was sich knapp unter der Erdoberfläche so alles abspielt und welche (größtenteils unverzichtbaren) Bewohner sich dort tummeln.

Dem Regenwurm gestaltete man anschließend ein Terrarium, und wurde auch darüber hinaus im Einsatz für die Umwelt selbst aktiv: etwa beim Anlegen eines Komposts. Entsprechend groß die Freude des von Erzieherin Nina Obermanns geleiteten Projekts, als man erfuhr, dass die Stadt ihr Konzept mit 470 € Fördergeld honoriert.

Leider konnten die Dorstfelder ihre Aufmerksamkeit nur kurz auf diesen Erfolg lenken. In einer anderen Angelegenheit nämlich hat die Stadt ihnen anscheinend einen Bärendienst erwiesen: Die Rücknahme der Kita-Baugenehmigung durch das Verwaltungsgericht in Gelsenkirchen schlug binnen kürzester Zeit auch über Dortmunds Stadtgrenzen hinaus noch Wellen. Das Erzieherteam selbst erfuhr, da nicht beklagt, erst wenige Tage vor der Urteilsverkündung von der aktuellen Entwicklung, und war auch nicht zum Prozess geladen. Folgt man der Begründung der Richter, scheint sich die Kommune in der Planung nicht sorgfältig genug mit den Auswirkungen der Kita auf die umliegende Verkehrssituation auseinandergesetzt zu haben.

Nichtsdestotrotz betonen der mit seiner Klage erfolgreiche Nachbar wie auch die Kita-Leitung unabhängig voneinander, man wolle nicht mehr und nicht weniger als eine gütliche Einigung aller Seiten. Das scheint zwar glaubhaft, allerdings erinnern die Lösungsmöglichkeiten ein wenig an die Brexit-Verhandlungen: so richtig praktikabel klingt im Grunde keine Alternative. Eine angedachte Zufahrt über die Straße „Fine Frau“ etwa und den bisherigen Spielplatz der Kinder wäre vermutlich zeit- sowie kostenaufwändig, und würde den Verlust eines guten Stücks Freifläche für die Kleinen bedeuten.

Am im Grunde effektivsten wäre es wohl gewesen, die Uneinsichtigen unter den Eltern rechtzeitig zum Umdenken zu bewegen. Etwa an verstärkte Verkehrskontrollen zur „Rush Hour“ aber kann sich Kita-Chefin Annette Klüh in diesem Zusammenhang nicht erinnern.

Die Pressestelle der Stadt verweist auf entsprechende Nachfrage unserer Zeitung auf die begrenzten personellen Möglichkeiten des Ordnungsamtes und einen Zuständigkeitsbereich mit mehr als 370 Kitas und Grundschulen auf Stadtgebiet. Einerseits sicherlich ein Argument – andererseits ist die Situation aber auch nicht überall so verfahren wie in Dorstfeld, inklusive anhängiger Klage beim Verwaltungsgericht. Wie die Beteiligten den Knoten nun entwirren, darf mit Spannung abgewartet werden.

Tröstlich immerhin, dass die eigentlichen Hauptdarsteller den Medienrummel mit ein wenig Verblüffung, aber weitgehend ungerührt zur Kenntnis nahmen. Reicht ja auch, wenn sich die Erwachsenen zanken!

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