Kreuzviertel, nimm Platz!

0
365
Das Projekt „Jeder Straße ihre Sitzbank“ lud ein zum Rundgang. Für ihr Herzensprojekt hatte Kommunikationstalent Marie Wolf (sitzend, ganz links) ganz schön viele Menschen auf die Beine bekommen. An einer Bank an der Sonnenstraße fand man sich zum (halbwegs) kompletten Gruppenfoto zusammen. Stehend, 2. v. l.: Bezirksbürgermeister Ralf Stoltze. (Fotos: IN-StadtMagazine)

Über zwei Tugenden verfügt Marie Wolf mit ziemlicher Sicherheit: Hartnäckigkeit und sehr gute kommunikative Fähigkeiten. Im März 2018 war die damals 63-Jährige bei der BV Innenstadt-West mit einer Idee vorstellig geworden, die ihr angesichts des Abbaus ihrer Lieblingsbank an der Hohen Straße gekommen war: Ein Projekt ins Leben zu rufen, welches die Straßen ihres Stadtbezirks nach und nach mit Sitzbänken bestückt.

Weil Sitzbänke eben nicht Alibi-Möbel im öffentlichen Raum sind, sondern Orte zum Ausruhen, Kommunizieren und Seele-baumeln-lassen sein können. Und weil sie ja irgendwie auch ein Indiz dafür sind, wie sehr eine Stadt die Bürger in ihren Straßen willkommen heißt.

So wurde also „Jeder Straße ihre Sitzbank“ geboren, doch wie das so ist mit manchen Träumen: Zunächst einmal brauchen sie Geduld und gute Pflege. Hier allerdings griffen Marie Wolfs beschriebene Tugenden, weshalb sie sich in der Folge mit Unterstützern wie Uwe Martinschledde von den Piraten vernetzte, unermüdlich weitere mögliche Bank-Standorte aufspürte und sich schließlich im Herbst 2019 erneut an ihre Bezirksvertretung wendete. Und siehe da: Das Pflänzchen gedieh, die BV hatte das Anliegen der gebürtigen Österreicherin mittlerweile zu ihrem eigenen gemacht. Anfang April dann durfte Marie Wolf voller Freude feststellen, dass es ihr Traum an der Ecke Sonnen-/Hohe Straße in die Wirklichkeit geschafft hatte. Ab jetzt machte das Tiefbauamt augenscheinlich Nägel mit Köpfen, so dass seither weitere 18 Bänke hinzugekommen sind.

Am Ziel sah sich Marie Wolf damit allerdings noch nicht, denn um das, was man wertschätzt, sollte man sich auch kümmern. Daher stand als nächste Etappe die „Akquise“ von Bankpaten an. Von denen bewarben sich einige per Mail bei der Initiatorin, andere wiederum wurden – Stichwort gute Kommunikation – von ihr beherzt angesprochen.

Jetzt, nach zweieinhalb Jahren, ist aus Marie Wolfs kleiner Idee ein Projekt in voller Blüte geworden, und so war dies auch ein perfekter Zeitpunkt, um die neuen Sitzmöbel ganz offiziell ihrer Bestimmung zu übergeben. In Anwesenheit von Bezirksbürgermeister Ralf Stoltze schritt man daher am 22.8. eine Tour an insgesamt elf Holzbänken vorbei ab, und an jeder der Stationen wartete eine kleine Portion Unterhaltung oder Information.

Da gab es dann u. a. ein Musikquartett der Dortmunder TU, welches im Schatten der FH eine mehrstimmige Schauerballade vortrug, Manfred und Ulrike Kirchner (alias Thorwald und Mora) von der Mittelaltergruppe „Fyr Dreki“, die einen sprachgeschichtlichen Bogen in die Vergangenheit schlugen und u. a. die Bedeutung des Wortes „Bankert“ erläuterten, sowie Janett Kathe vom Verein Ozeankind e. V., der sich den Kampf gegen Plastikmüll auf die Fahnen geschrieben hat und gemeinsam mit den Stepkes der Kita Humboldtstraße als Bankpate firmiert.

Am Endpunkt des Rundgangs, vor der Bank am Neuen Graben, durften schließlich alle Mitbummler selbst mit Straßenkreide ein bisschen kreativ werden – und dabei vielleicht noch ein wenig darüber räsonieren, wie viel privates Engagement mit den richtigen Portionen Hartnäckigkeit und Kommunikation zu bewegen imstande ist.

Auf der Website marie-wolf.de findet sich ein eigener Bereich zu den Sitzbänken. Dort kann man z. B. auch selbst Standorte vorschlagen bzw. sich um eine Bankpatenschaft „bewerben“.

guest
0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments