Im Union-Viertel tut sich was

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Die Ehemalige Hauptverwaltung der Dortmunder Union-Hüttenwerke wird zum Vier-Sterne-Hotel umgebaut (rechts: Hugo Stinnes hat die Hauptverwaltung persönlich eröffnet)

Die imposante Hauptverwaltung der Hoesch-Union-Werke in der Rheinischen Straße wird bald ein Vier-Sterne-Hotel beherbergen. Nachdem die Immobilie 2012 an den schweizerischen Investor Peach Property gegangen war und  im vergangenen Jahr die Bewilligung für die Umnutzung des historischen Gebäudes erteilt worden war, wurde nun mit der Novum Hotel Gruppe aus Hamburg ein Pachtvertrag für das neoklassizistische Gebäude abgeschlossen. In zwei Jahren soll hier ein Vier-Sterne-Hotel mit 210 Zimmern auf einer Fläche von rund 15.500 Quadratmetern eröffnet werden. Für  ein Grund, die interessante Vergangenheit des geschichtsträchtigen Baus zu beleuchten.

Der ehemalige Konzern
Das Verwaltungsgebäude der „Union AG für Bergbau, Eisen- und Stahl-Industrie“ an der Rheinischen Straße 173 erinnert an den für das Stadtviertel im westlichen Dortmund namensgebenden Konzern. Die Entstehungsgeschichte der „Union“ ist ein Beispiel für das rasche Wachsen der westdeutschen Großindustrie im ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhundert. Dieser Weg begann mit der Gründung der „Dortmunder Bergwerks- und Hütten-Gesellschaft“ in den Jahren 1855/56. Dann wurde bald die Zeche Hansa abgeteuft und erst 1862 unter Gustav Arndt und seiner „Dortmunder Hütte Kommanditgesellschaft auf Aktien“ betrieb man ernsthaft den Ausbau einer Stahlhütte. Der „Eisenbahnkönig“ Henry Bethel Strousberg hatte dann 1868 die „Dortmunder Hütte“ übernommen. Nach dessen Pleite ging das Unternehmen über die „Disconto-Gesellschaft“ 1872 in die „Union AG“ über und gewann durch seine Größe und durch die Zahl der Arbeitsplätze rasch an überregionaler Bedeutung. Die „Union AG“ war in den Jahren der Jahrhundertwende der größte industrielle Arbeitgeber in Dortmund. Nachdem die „Union“ 1910 in Hugo Stinnes „Deutsch-Luxemburgische Bergwerks- und Hütten-AG“ integriert worden war, konnte Stinnes das neuerrichtete Verwaltungsgebäude 1922 selbst einweihen. Als im Jahr 1926 die weitverzweigten „Vereinigten Stahlwerke“ entstanden, wurde das mächtige Gebäude zum Dortmunder Firmensitz des Unternehmens. Als nach dem Zweiten Weltkrieg dieses Unternehmen zerschlagen worden war, entstand aus einigen Unternehmensteilen 1951/52 die „Dortmund-Hörder Hüttenunion“, die 1966 von der Firma „Hoesch AG“ übernommen wurde.

Das Gebäude
Das stattliche Gebäude entstand im Jahr 1922 als Firmensitz der Dortmunder Union-Hüttenwerke an der Rheinischen Straße Nr. 173. Diese Firma wurde für die umliegende Region namensgebend, dieses wurde folgerichtig als „Unionviertel“ bezeichnet. Die Architekten Dietrich und Karl Schulze orientierten sich an den imposanten Industriebauten der Kaiserzeit. Die Straßenfront präsentiert sich als monumentaler Block, an der Kopfseite befinden sich zehn Säulen im Stil der Neorenaissance. Oberhalb der Säulen fällt die Inschrift: „Es lobt den Mann die Arbeit und die Tat“ weithin sichtbar auf. Der Bau umschließt drei Lichthöfe. Im Inneren des Gebäudes, das vom Aufsichtsratsvorsitzenden Hugo Stinnes persönlich eingeweiht wurde, sind Motive aus der Montanindustrie, darüber hinaus auch ein Füllhorn, ein Lorbeerkranz und bezeichnenderweise ein Maschinengewehr zu finden. Das damals hochmoderne Gebäude in Stahlskelettbauweise mit variablen Innenwänden verfügte bereits über ein internes Selbstwähltelefonnetz, zentral gesteuerte elektrische Uhren, ein Staubsauger-Rohrsystem und eine Warmwasser-Zentralheizung, die die Abwärme des Blockwalzwerks der Hüttenanlagen nutzte. Da das Gebäude den Zweiten Weltkrieg fast unbeschadet überstanden hatte, konnte dessen Sitzungssaal, der bis heute unverändert erhalten ist, als Versammlungsort der ersten Dortmunder Ratssitzung nach dem Krieg dienen. Zwischen 1995 und 2008 wurde das denkmalgeschützte Gebäude durch das Versorgungsamt genutzt.

Von Dr. Günter Spranke